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Migräne

Was ist das? - Definition
Unter Migräne versteht man Kopfschmerzanfälle, die meist einseitig auftreten und von Übelkeit, Brechreiz, sowie einer Licht- und Lärmüberempfindlichkeit begleitet sind.

Wie wird es noch genannt? - Andere Bezeichnungen
  • Hemikranie

Wie kommt es dazu? - Mögliche Ursache
Die Ursache der Migräne ist unbekannt. Vermutlich spielt die Vererbung eine Rolle. Vor allem für die Kopfschmerzen macht man eine anfallsweise auftretende krankhafte Erweiterung der Blutgefäße im Gehirn verantwortlich.

Wie macht es sich bemerkbar? - Symptome
Betroffen sind besonders Frauen zwischen 35 und 45 Jahren. Doch auch im Kindes- und Jugendalter kann Migräne auftreten.
Es kommt zu allmählich zunehmenden Kopfschmerzen, die meist nur eine (aber nicht immer die gleiche) Kopfseite betreffen. Die Schmerzen werden als pulsierend oder hämmernd beschrieben. Neben den Schmerzen klagen die Betroffenen über starke Übelkeit mit Brechreiz, sowie eine Licht- und Lärmüberempfindlichkeit.
Manchmal beginnen die Kopfschmerzen mit Sehstörungen, meist in Form von Flimmern vor den Augen.
In seltenen Fällen können zu den Kopfschmerzen vorübergehende Lähmungserscheinungen, Schwindel, Gangunsicherheiten oder Ohrgeräusche dazukommen.
Eine Migräneattacke dauert in der Regel einige Stunden bis wenige Tage. Auslöser für einen Migräneanfall können sein:
  • Stresssituationen.
  • Störungen des Schlaf-Wach-Rhythmuses (z.B. Nachtschicht, zu wenig Schlaf etc.).
  • Bestimmte Speisen wie Schokolade, Käse oder Alkohol.
  • Einnahme von Hormonpräparaten (z.B. die "Pille").
  • Veränderungen im Hormonhaushalt (z.B. Menstruation).
  • Erholungsphasen nach anstrengenden Zeiten (z.B. Urlaub, Wochenende).
  • Überanstrengung, ungewohnte sportliche Betätigung, Hektik und Zeitnot.
Wie geht es weiter? - Verlauf und Komplikationen
Dank sehr wirksamer Medikamente können die Betroffenen meistens trotz eines Anfalls ihre Arbeit fortsetzen. Es gibt jedoch auch Patienten, die so schwere Anfälle haben, dass sie sich zur Bettruhe in einen abgedunkelten Raum zurückziehen müssen.
Die Anzahl der Migräneanfälle nimmt im höheren Alter meistens ab.

Was kann sonst noch dahinter stecken? - Krankheitsbilder mit ähnlichen Symptomen
Es gibt viele Ursachen für Kopfschmerzen, doch meistens sind sie nicht von Übelkeit und Erbrechen begleitet:
  • Eine der häufigsten Kopfschmerzarten ist der Spannungskopfschmerz. Meist beginnt er im Nacken, dehnt sich über den gesamten Kopf aus und zieht bis zur Stirnregion. Nicht selten ist er von einer Verspannung der Nackenmuskulatur begleitet. Die Betroffenen beschreiben die Beschwerden, "als ob ein Helm auf den Kopf drückt" oder ein "Band um den Kopf geschnürt sei". In einigen Fällen tritt zusätzlich Übelkeit auf. Auslösend wirkt oft Stress oder eine langdauernde Tätigkeit, die zu Verspannungen der Nackenmuskulatur führt.
  • Selten sind schlagartig einsetzende heftigste Kopfschmerzen verbunden mit Übelkeit und Nackensteifigkeit. Sie sind dringend verdächtig auf ein geplatztes Gefäß im Bereich der Hirnhäute.
  • Starke Kopfschmerzen mit Erbrechen werden in seltenen Fällen durch Hirntumore verursacht.
  • Kopfschmerzen verbunden mit Schwindel, Übelkeit oder ähnlichem können auch bei einer Gehirnerschütterung auftreten.

Was rät die Großmutter? - Hausmittel und Verhaltenstipps
  • Um die auslösenden Situationen eines Migräneanfalls feststellen und vermeiden zu können, ist es hilfreich, ein so genanntes "Schmerztagebuch" zu führen. In ihm werden Zeitpunkt, Dauer und Auslöser eines Anfalls aufgeschrieben.
  • Um Migräneanfälle zu vermeiden, sollte man versuchen, übermäßigen Stress, eine Änderung der Schlafgewohnheiten, übermäßigen Alkoholgenuss, oder sonstige anfallsauslösende Situationen zu verhindern.
  • Bettruhe in einem ruhigen, kühlen und abgedunkelten Raum wirkt lindernd.
  • Eine beginnende Migräne kann manchmal durch eine heiße Dusche unterbrochen werden. Man sollte den heißen Strahl ausgiebig zwischen Nacken und Haaransatz kreisen lassen.
  • Bei chronischen Kopfschmerzen sind Entspannungsmethoden wie Autogenes Training, Yoga oder Muskelentspannung hilfreich.

Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

© ABDATA

Migräne: Behandlung

Bei der Behandlung der Migräne ergänzen sich nichtmedikamentöse Methoden und Arzneimittel. Ganz am Anfang steht jedoch immer die ausführliche Beratung des Patienten durch den Arzt, die laut Studien allein schon die Häufigkeit der Kopfschmerzen reduziert. Weiterhin kommen zur Prophylaxe Entspannungsverfahren wie die Progressive Muskelentspannung nach Jacobson, Biofeedback oder Ausdauersport zum Einsatz, damit Migräneattacken seltener auftreten. Die Kognitive Verhaltenstherapie kann dem Patienten helfen, besser mit Schmerzen, Stress und Belastungssituationen umzugehen. Dabei lernt er Verhaltensstrategien, die helfen, Migräne-fördernde Einstellungen und Gewohnheiten zu vermeiden.

Oft lindern diese Maßnahmen bereits die Schmerzen und verringern die Zahl der Migräne-Episoden. Darüber hinaus gibt es Arzneimittel, die im Akutfall eingesetzt werden können. So helfen den meisten Migräne-Patienten zum Beispiel bereits gewöhnliche Kopfschmerzmittel. Nach Auswertung der wissenschaftlichen Literatur bezeichnet die Deutsche Migräne- und Kopfschmerz-Gesellschaft (DMKG) mehrere Arzneistoffe als "erste Wahl" zur Behandlung akuter Migräneattacken, darunter folgende Schmerzmittel, die alle ohne Rezept in der Apotheke erhältlich sind (mg = Milligramm):

  • 2 Tabletten eines Kombinationspräparats aus Acetylsalicylsäure (ASS; 250 bis 265 mg) + Paracetamol (200 bis 265 mg) + Koffein (50 bis 65 mg)
  • ASS (900 bis 1000 mg) als Tablette oder Brausetablette
  • Ibuprofen (400 mg)
  • Paracetamol (1000 mg)
  • Phenazon (1000 mg)

Reichen diese Wirkstoffe jedoch nicht mehr aus, um die Migräne zu lindern, schlägt die Stunde der sogenannten Triptane. Diese Wirkstoffklasse wurde speziell gegen Migräne-Beschwerden entwickelt. Sie sorgt dafür, dass sich die erweiterten Blutgefäße im Gehirn wieder enger stellen, dass weniger Entzündungsbotenstoffe ausgeschüttet werden und dass die Ausbreitung von Schmerzreizen im Hirn gehemmt wird. Die Präparate wirken unterschiedlich lang, und nicht jedes Triptan hilft jedem Patienten. Bringt ein Triptan keine Besserung, können die Patienten in Rücksprache mit ihrem Arzt ein anderes ausprobieren. Folgende Wirkstoffe sind zurzeit in Deutschland im Handel:

Mittlerweile gibt es Nara- und Almotriptan in bestimmten Dosierungen rezeptfrei in der Apotheke. Die DMKG stuft Naratriptan ebenfalls als Mittel der ersten Wahl zur Selbstbehandlung der Migräne ein. Almotriptan wurde in die Auswertung der DMKG nicht einbezogen, weil es zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht rezeptfrei war. Experten gehen jedoch davon aus, dass es ähnlich gut wirksam und verträglich ist wie Naratriptan.

Wer häufiger unter starken Kopfschmerzen leidet, sollte das mit einem Arzt besprechen. Er kann feststellen, um welche Art von Kopfschmerzen es sich handelt, und dementsprechend eine passende Therapie mit oder ohne Arzneimittel einleiten.

© aponet.de

Letzte Aktualisierung: März 2017

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