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Morbus Crohn

Was ist das? - Definition
Es handelt sich bei der Krankheit um eine chronische Schleimhautentzündung unklarer Ursache, die im gesamten Verdauungstrakt auftreten kann.

Wie wird es noch genannt? - Andere Bezeichnungen
  • Ileitis terminalis
  • Enteritis regionalis

Wie kommt es dazu? - Mögliche Ursache
Der Morbus Crohn ist eine recht seltene Erkrankung, die besonders bei jüngeren Menschen auftritt. Der Erkrankungsgipfel liegt zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr.
Die Krankheitsursache ist unklar, man vermutet immunologische, psychische und genetische Einflüsse.

Wie macht es sich bemerkbar? - Symptome
Die Erkrankung verläuft schubweise. Immer wieder kommt es zu starken schleimigen Durchfällen, nicht selten verbunden mit Fieber und krampfartigen Bauchschmerzen.
Da auf Grund der chronischen Darmentzündung die Nährstoffe aus der Nahrung nicht vollständig aufgenommen werden können, verlieren die Betroffenen an Gewicht und es stellen sich Mangelerscheinungen ein.

Wie geht es weiter? - Verlauf und Komplikationen
Die Häufigkeit der Schübe ist sehr unterschiedlich. Generell kommt es im Verlauf der Erkrankung nicht selten zu Komplikationen:
  • Beim Morbus Crohn sind alle Wandschichten des entzündeten Abschnittes betroffen. Das heißt, die Entzündung kann sich durch die Wandschicht nach außen fortsetzen. Folge sind nicht selten Fisteln, kleine Wundkanäle, welche von der Entzündung bis an die Hautoberfläche reichen. Besonders häufig sind diese im Bereich des Darmausganges zu finden.
  • Auch Eiteransammlungen unter der Haut oder im Bauchraum sind ein häufiges Problem.
  • Die chronische Entzündung führt zu einer Wandverdickung des betroffenen Abschnittes. Dies hat Einengungen des Darmrohres zur Folge. Sind diese sehr ausgeprägt, kann der Stuhlgang sie nicht mehr passieren und es kommt zum Darmverschluss.
  • Führt die Entzündung zu einem Loch in der Darmwand, tritt Stuhl in die Bauchhöhle aus, es besteht die Gefahr einer lebensbedrohlichen Bauchfellentzündung.
  • Die Entzündung kann auch andere Organe betreffen. So sind beispielsweise Entzündungen der Augen, Gelenkentzündungen oder Haut- oder Leberveränderungen nicht selten.

Was kann noch dahinter stecken? - Krankheitsbilder mit ähnlichen Symptomen
Durchfall ist ein sehr häufiges Symptom. Entscheidend ist die Dauer und die Häufigkeit des Durchfalls:
  • Die häufigste Ursache ist eine durch Bakterien oder Viren ausgelöste Darmentzündung, die so genannte Darmgrippe. Meist klingt der Durchfall innerhalb weniger Tage von selbst ab.
  • Kommt es immer wieder zu starken Durchfallattacken, könnte außer dem Morbus Crohn auch eine Colitis ulcerosa ursächlich sein.
  • Beim Reizdarmsyndrom kommt es immer wieder zum Wechsel von Durchfall und Verstopfung. Es könnte sich aber auch eine Darmkrebserkrankung hinter diesem Wechsel der Stuhlgewohnheiten verbergen.
  • Ist der Durchfall sehr hell, glänzend und lässt sich schlecht wegspülen, handelt es sich um Fettstühle. Diese können bei einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung auftreten, denn hier ist die Aufnahme von Fett aus dem Darm gestört.


Verhaltenstipps
  • Kommt es immer wieder zu heftigen Durchfallattacken, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Eventuell ist eine Darmspiegelung zur Ursachenklärung nötig.


Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

© ABDATA

Morbus Crohn: Therapie

Morbus Crohn ist derzeit nicht heilbar, mithilfe von Medikamenten und anderen Maßnahmen kann man die Lebensqualität jedoch deutlich steigern. Ziel der Therapie ist es zum einen, akute Beschwerden zu lindern. Zum anderen sollen weitere Krankheitsschübe und mögliche Komplikationen hinausgezögert bzw. verhindert werden.

Zu den wesentlichen Behandlungsmaßnahmen bei Morbus Crohn zählen

  • Medikamente,
  • Ernährungsanpassung, Osteoporoseprophylaxe und
  • Rauchverzicht.
  • In ausgeprägten Fällen kann ein chirurgischer Eingriff nötig sein.

Rauchverzicht beugt Schüben vor

Raucher, die an Morbus Crohn erkrankt sind, sollten auf die Zigarette verzichten. Der Grund: Raucher mit Morbus Crohn haben häufiger Entzündungsschübe als Nichtraucher und die Erkrankung nimmt eher einen komplizierten Verlauf.

Medikamente bei Morbus Crohn

Medikamente sind ein wichtiger Bestandteil der Therapie. Welches Präparat im Einzelfall infrage kommt, hängt von mehreren Faktoren ab, so vor allem davon, ob der Patient gerade einen akuten Entzündungsschub hat, wo sich die Entzündung befindet und wie ausgeprägt die Entzündung ist.

Medikamente während eines akuten Schubs

Um die Entzündung während eines akuten Schubs einzudämmen, kommen zur Therapie unterschiedliche Wirkstoffe infrage:

  • Kortisonpräparate (Kortikosteroide) wirken unter anderem entzündungshemmend. Bei einem leichten bis mittelschweren Schub kann der Wirkstoff Budenosid in Form einer Tablette, eines Einlaufs oder von Rektalschaum helfen. Das Medikament wirkt direkt im Darm. Bei einem schwereren Entzündung, die im Übergang zwischen Dick- und Dünndarm oder im rechtsseitigen Dickdarm vorliegt, können sogenannte systemische Kortikosteroide zum Einsatz kommen. Sie wirken auf den ganzen Körper, sodass sie zum einen effektiver sind, zum anderen aber auch häufiger mit Nebenwirkungen verbunden sind. Als Dauertherapie sind Kortikosteroide bei Morbus Crohn nicht geeignet.
  • Salicylate mit Wirkstoffen wie Sulfasalazin/Mesalazin können bei einem leichten Verlauf als Alternative zu Kortisonpräparaten zum Einsatz kommen.
  • Immunsuppressiva wie der Wirkstoff Azathioprin unterdrücken das Immunsystem und können bei schweren Verläufen hilfreich sein. Es dauert ca. 3 bis 6 Monate, bis das Arzneimittel Wirkung zeigt.
  • In besonderen Fällen können bei schweren Entzündungen und ausgeprägten Fisteln die TNF-alpha-Antagonisten Infliximab und Adalimumab verschrieben werden. Dies ist vor allem dann sinnvoll, wenn andere Medikamente keinen Erfolg gebracht haben. Bei TNF-alpha-Antagonisten handelt es sich um biotechnologisch hergestellte Medikamente, die körpereigenen Antikörpern ähneln, sog. Biologika. Alternativ kann der Arzt den sog. monoklonalen Antikörper Vedolizumab anwenden, der seit Mai 2014 zur Therapie von Morbus Crohn zugelassen ist.
  • In manchen Fällen ist der Wirkstoff Methotrexat geeignet, der das Zellwachstum hemmt.

Darüber hinaus können Mittel gegen Durchfall, z.B. mit dem Wirkstoff Loperamid, krampflösende Arzneimittel und Schmerzmittel wie Paracetamol Beschwerden lindern.

Antibiotika können zur Therapie von Morbus crohn ebenfalls sinnvoll sein. So können die Wirkstoffe Metronidazol oder Ciprofloxacin etwa bei Fisteln im Analbereich eingesetzt werden.

Medikamente zur Vorbeugung eines erneuten Schubs

Nach einem akuten Schub kann es nötig sein, dass der Patient weiterhin Medikamente einnimmt, um das Risiko für einen Rückfall zu minimieren. Ob Medikamente sinnvoll sind, wird der Arzt sorgfältig abwägen.

Als Dauertherapie kommen Wirkstoffe wie

  • Azathioprin,
  • 6‐Mercaptopurin,
  • Methotrexat oder
  • Anti‐TNF‐alpha‐Antikörper infrage.

Für ein optimales Behandlungsergebnis kann es notwendig sein, einzelne Wirkstoffe miteinander zu kombinieren. Die Behandlung kann über Monate bis Jahre hinweg fortgeführt werden.

  • Wenn der Morbus Crohn zu einem Eisenmangel geführt hat, wird der Arzt ggf. ein Eisenpräparat verschreiben.
  • Viele Menschen mit Morbus Crohn vertragen keinen Milchzucker (Laktose). In diesem Fall sollten sie auf eine laktosearme Ernährung achten.
  • Ist der Dünndarm befallen, kann es sein, dass er Nährstoffe und Vitamine nicht ausreichend aufnehmen und somit auch das Blut nicht ausreichend damit versorgen kann (sog. Malabsorption). Dies kann auch passieren, wenn Teile des Dünndarms operativ entfernt werden mussten. Der Patient muss vermehrt Eiweiße, Elektrolyte, Vitamine und andere Nährstoffe zu sich nehmen, um den Mangel auszugleichen.
  • Bei Morbus Crohn ist das Risiko für eine Osteoporose (Knochenschwund) erhöht. Zur Vorbeugung können Präparate mit Vitamin D und Kalzium helfen, aber auch eine kalziumreiche Ernährung.

Ernährungsanpassung

Mithilfe der Ernährung kann man eine Menge tun, um die Beschwerden zu lindern und einen erneuten Schub zu verhindern. Welche Ernährungsanpassungen nötig sind, kann individuell ganz unterschiedlich sein. Grundsätzlich gilt: Speisen, die man nicht gut verträgt, sollte man möglichst meiden.

Darüber hinaus können verschiedene Ernährungsanpassungen und diätetische Maßnahmen notwendig sein:

In sehr schweren Fällen kann man den Patienten kurzfristig über eine Sonde oder einen Venenkatheter ernähren.

Endoskopische und chirurgische Eingriffe

Manchmal reichen Medikamente und Ernährungsanpassungen nicht aus, sodass ein endoskopischer oder chirurgischer Eingriff nötig wird. Eine Operation kann etwa angebracht sein, wenn die medikamentöse Therapie allein nicht erfolgreich war oder wenn es zu Komplikationen kommt. Eine Heilung ist durch eine Operation allerdings nicht möglich.

Im Rahmen einer Darmspiegelung (Spiegelung = Endoskopie) führt der Arzt einen flexiblen Schlauch, das Endoskop, in den Darm ein. Mithilfe des Endoskops kann er Bereiche, die aufgrund der Entzündung verengt sind (Stenosen), weiten, indem er einen kleinen Ballon an die Engstelle platziert und diesen anschließend mit Luft füllt. Auch ist es möglich, während der Endoskopie Fisteln zu verschließen. Regelmäßige Darmspiegelungen sind bei Morbus Crohn auch deshalb nötig, weil das Darmkrebs-Risiko erhöht ist.

Bei akuten Komplikationen ist eine Operation oft unumgänglich, etwa, wenn sich ein Abszess gebildet hat oder wenn ein Darmverschluss entstanden ist. Bei der Operation versucht man, so wenig gesundes Gewebe wie möglich zu entfernen und nur die entzündeten Bereiche zu entfernen. In manchen Fällen kann auch ein dauerhafter künstlicher Darmausgang nötig werden.

Psychische Unterstützung

Morbus Crohn ist zwar eine körperliche Erkrankung – aber sie ist auch psychisch sehr belastend. Der Alltag kann mit Morbus Crohn erheblich eingeschränkt sein, was sich auf die Psyche niederschlagen kann – etwa in Form von Depressionen. Für Menschen, die sehr unter der Krankheit leiden oder nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen, stehen verschiedene unterstützende Angebote zur Verfügung. Ein solches Angebot kann etwa eine Psychotherapie sein – manchmal hilft aber auch schon der Austausch mit Gleichgesinnten, etwa in einer Selbsthilfegruppe, oder spezielle Schulungsprogramme.

Gut zu wissen: Bei optimaler Behandlung haben die meisten Patienten mit Morbus Crohn eine normale Lebenserwartung!

Quellen:

• Herold, G.: Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2017

• Hahn, J.-M., et al.: Kurzlehrbuch Innere Medizin. Thieme, Stuttgart 2015

• Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): Diagnostik und Therapie des Morbus Crohn. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 021/004 (Stand: Januar 2014)

• Online-Information der Deutschen Morbus Crohn / Colitis ulcerosa Vereinigung – DCCV: www.dccv.de (Stand: April 2013)

© aponet.de

Letzte Aktualisierung: April 2017

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