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Schlafstörungen

Was ist das? - Definition
Von Schlafstörungen spricht man, wenn der Schlafrhythmus in irgendeiner Form gestört ist. Im Wesentlichen wird unterschieden, ob jemand nicht einschlafen oder durchschlafen kann.

Wie kommt es dazu? - Mögliche Ursache
Unser Schlaf setzt sich aus verschiedenen Abschnitten zusammen. Es wechseln sich Tiefschlafphasen ("ich schlafe wie ein Stein") mit Phasen des Leichtschlafes ab, in denen wir meist träumen. Zwischen diesen Phasen kann es durchaus kurze Abschnitte geben, in denen jemand wach ist, ohne dass der Schlaf gestört ist. Entscheidend für einen erholsamen Schlaf ist nicht unbedingt die Dauer, sondern der regelmäßige Wechsel dieser Schlafphasen. Die Schlafdauer, die der Mensch zur Erholung benötigt, ist altersabhängig. Während ein Säugling täglich 18-20 Sunden Schlaf braucht, reichen einem Erwachsenen in der Regel sechs bis acht Stunden, Ältere schlafen nachts oft sogar nur sechs Stunden.
Ist der Schlaf gestört, kann das vielerlei Gründe haben. Dazu gehören:
  • Falsche Lebensgewohnheiten, wie:
  • schwere Mahlzeit am Abend
  • anregende Getränke wie Kaffee oder Tee am Nachmittag oder Abend
  • zu wenig körperliche Belastung, vor allem am späten Nachmittag oder abends
  • zu frühe Schlafenszeit, vielleicht sogar noch ohne Müdigkeit zu verspüren
  • Psychische Ursachen (der häufigste Grund für eine Schlafstörung). Dazu zählen:
  • belastende Lebenssituationen, Sorgen oder Stress
  • psychische Erkrankungen wie Depressionen, Sucht, Verwirrtheit oder Demenz
  • Organische Erkrankungen, wie:
  • Herzschwäche (Herzinsuffizienz): Die Betroffenen müssen nachts oft aufstehen um Wasser zu lassen.
  • Chronische Lungenerkrankungen: Nächtliches Husten oder gar Atemnot wirken störend auf den Schlaf.
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit): Blutzuckerwschwankungen in der Nacht führen zu unruhigem Schlaf.
  • Schilddrüsenüberfunktion: Nächtliches Herzrasen kann einen "um den Schlaf bringen"
  • Chronische Schmerzen

Wie macht es sich bemerkbar? - Symptome
Jeder schläft ab und zu schlecht, was nichts Beunruhigendes ist und auch nicht gleich ein Grund für den Griff zu einem Schlafmittel sein sollte. Um eine chronische Schlafstörung handelt es sich erst, wenn die Störungen über einen Zeitraum von 4 Wochen mindestens 3mal pro Woche auftreten. Ist dies der Fall, sollte man sich von einem Arzt über Behandlungsmöglichkeiten beraten lassen. Besonders ältere Menschen klagen häufig über Schlafstörungen, 30-40 Prozent der über 65jährigen sind betroffen.
Unterschieden wird zwischen Einschlaf- und Durchschlafstörungen. Von einer Einschlafstörung spricht man, wenn die Einschlafzeit länger als 30 Minuten dauert. Beträgt die Zeit, in der man nachts wach ist mehr als 30 Minuten, wird dies als Durchschlafstörung bezeichnet.

Wie geht es weiter? - Verlauf und Komplikationen
Chronische Schlafstörungen machen krank. Folgende Symptome können auftreten:
  • Konzentrationsschwäche
  • chronische Müdigkeit
  • vermindertes Reaktionsvermögen (z.B. beim Autofahren)
  • Ungeduld und Reizbarkeit
  • Nervosität
  • Zerschlagenheit, d.h. man fühlt sich nicht leistungsfähig
  • Persönlichkeitsstörungen (in extremen Fällen)
  • Abnahme der Kreativität und Leistungsfähigkeit

Was kann noch dahinter stecken? - Krankheitsbilder mit ähnlichen Symptomen
Eine häufige Ursache für chronische Müdigkeit am Tage ist das so genannte Schlafapnoesyndrom. Hier kommt es beim Schlafen immer wieder zu Atempausen, die länger als 10 Sekunden andauern. Die Atempausen werden meist durch sehr lautes Schnarchen beendet. Die Betroffenen schlafen schlecht, wachen immer wieder auf und finden keine Erholung im Schlaf. Das Schlafapnoesyndrom ist gefährlich, denn während der Atempausen sinkt der Sauerstoffspiegel im Blut. Langfristig können dadurch Herzkreislauferkrankungen begünstigt werden.

Was rät die Großmutter? - Hausmittel und Verhaltenstipps
  • Sorgen Sie für eine gute Schlafumgebung: eine ruhige, nicht zu helle Schlafstätte mit einer Ihnen in der Härte angenehmen Matratze ist wichtig.
  • Nehmen Sie abends keine schwere Mahlzeit und keine anregenden Getränke zu sich. Alkohol sollten Sie nur in Maßen genießen, besser wären Kräutertees oder ein Glas warme Milch.
  • Ausreichende Bewegung am Tage fördert das Schlafbedürfnis.
  • Wichtig ist das Einhalten fester Schlaf- und Aufstehzeiten.
  • Kalte Füße sind "Schlafkiller", warme Bettsocken zum Beispiel helfen beim Einschlafen.
  • Wenn Sie nachts aufwachen, sollten Sie sich beschäftigen, zum Beispiel lesen, bis Sie wieder müde werden. Sich über den unterbrochenen Schlaf aufzuregen bringt nichts und hält Sie nur noch mehr davon ab, wieder einzuschlafen.
  • Entspannungsübungen helfen, Abstand vom Alltag zu bekommen.
  • Chronische Anspannung, Sorgen oder Stress können Sie bis in den Schlaf verfolgen. Versuchen Sie eine Lösung der Probleme zu finden, in schwierigen Fällen auch mit professioneller Hilfe.
  • Wer mittags lange schläft, ist abends natürlich nicht müde. Deshalb sollte man den Mittagsschlaf streichen, oder auf eine kurze Zeitspanne begrenzen.

Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

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Behandlung: Schlafstörungen

Mehr als ein Drittel der Deutschen leidet unter Schlafstörungen. Treten diese über einen Monat wöchentlich an drei oder mehr Nächten auf, sprechen Fachleute von einer chronischen Schlafstörung. Sie gehört unbedingt behandelt, sonst verlernt das Gehirn das Ein- und Durchschlafen immer mehr. Aber auch Menschen, die meinen, sie schlafen gut, sich tags aber dennoch oft müde fühlen, können eine Schlafstörung haben.

Der erste Weg sollte bei Schlafstörungen zum Hausarzt führen. Dort beschreibt man die Probleme so genau wie möglich. Möchte der Arzt sofort einen sogenannten Tranquillizer aus der Gruppe der Benzodiazepine verordnen, sollte man diese Maßnahme hinterfragen. Noch immer werden diese potenziell eine Abhängigkeit verursachenden Medikamente oft verordnet, auch wenn es anders ginge. Viele, gerade auch ältere Menschen, kommen dann nicht mehr von den Tabletten weg, brauchen schlimmstenfalls sogar eine immer höhere Dosierung, um schlafen zu können.

Kontrolliert einnehmen

Der Einsatz von Tranquillizern hat jedoch auch seine Berechtigung. Zum Beispiel, wenn ein Mensch als Folge der Schlafstörung extrem erschöpft oder unruhig ist und einfach mal wieder durchschlafen möchte. Dann helfen spezielle Regeln für den Einsatz, um von den Mitteln zu profitieren und das Risiko einer Abhängigkeit möglichst gering zu halten. Solch eine Regel kann lauten, an drei Nächten in der Woche darf man eine Schlaftablette nehmen, an den anderen Abenden nicht. An welchen Abenden man die Tablette einnimmt, entscheidet man selbst.

Dieses Vorgehen hat Vorteile: Der Betroffene hat das Gefühl, es ist etwas da, was ihm im Notfall in den Schlaf hilft. Allein dieser Gedanke beruhigt viele Menschen soweit, dass sie aus der Gedankenspirale über die Schlaflosigkeit gut herausfinden. Das ist sehr positiv, denn wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass die Angst vor der Schlaflosigkeit und das Gedankenkreisen um das Thema die Schlaflosigkeit verschlimmern. Die Tabletten geben außerdem die Sicherheit, zumindest an drei Nächten höchstwahrscheinlich gut schlafen zu können.

Keine Abhängigkeit durch Mittel gegen Depressionen

Bei einer chronischen Schlafstörung setzen Ärzte auch auf Medikamente, die eigentlich gegen Depressionen eingesetzt werden. Diese Mittel zeichnen sich durch eine schlafanstoßende Wirkung aus und sie lassen sich individuell sehr gut dosieren. Im Gegensatz zu Tranquillizern führen sogenannte Antidepressiva nicht in eine Abhängigkeit. Sie können jedoch andere Nebenwirkungen haben, über die auch der Apotheker aufklären kann.

Hormone helfen beim Schlafen

Bei vielen Frauen, aber auch Männern, beginnt Schlaflosigkeit im mittleren Lebensalter. Bei Frauen scheint in der Zeit der Wechseljahre auch die hormonelle Umstellung eine Rolle zu spielen. Östrogen wirkt unter anderem im Gehirn. Fällt die Konzentration des weiblichen Sexualhormons ab, weil die Eierstöcke altersbedingt nicht mehr genug bilden, kann das die Schlafarchitektur beeinflussen. Häufig treten im mittleren Lebensalter auch Schilddrüsenstörungen auf, die den Schlaf ebenfalls negativ beeinflussen können. In jedem Fall kann nur der Arzt mögliche Ursachen einer Ein- oder Durchschlafstörung prüfen. Umfassend fahnden schlafmedizinische Zentren nach den Ursachen.

Das Verhalten hinterfragen

Jüngere Untersuchungen zeigen, dass die sogenannte kognitive Verhaltenstherapie bei Schlafstörungen so gut wirken kann wie Medikamente. Dafür braucht es meist nur wenige Therapiesitzungen. Der Betroffene lernt, dass er die Schlafstörung selbst beeinflussen kann, im Gegensatz zur Behandlung mit Medikamenten – ein klarer Vorteil für die Verhaltenstherapie. Sie umfasst die Aufklärung über Schlaf im Allgemeinen, darüber, dass es keine feste Regel für eine gesunde Schlafdauer gibt und nächtliches Aufwachen normal ist. Sie beschäftigt sich auch mit dem familiären Kontext, der Häufigkeit von Menschen mit Schlafstörungen in der Verwandtschaft und wie das Thema in der Familie behandelt und bewertet wird. Vielfach nehmen dem Patienten schon die daraus gewonnenen Erkenntnisse viel Druck, die Angst davor, nicht einschlafen zu können oder nachts immer wieder aufzuwachen, sinkt – ein wichtiger Schritt hin zu einem gesunden Verhältnis zum Schlaf.

Das Bett nur als Schlafstatt nutzen

Daneben geht es auch um Verhaltensweisen, die einen erholsamen Schlaf fördern, also um die sogenannte Schlafhygiene. So helfen ein dunkles, kühles Schlafzimmer, nur ein leichtes Abendessen bzw., keine späten schweren Mahlzeiten, zwei Stunden vor dem Schlafen der Verzicht auf Handy, Tablet, PC und Fernseher, denn das Licht der Geräte wirkt störend auf den Schlaf, möglichst wenig Alkohol und kein Koffein.

Außerdem lernen Menschen mit Schlafstörungen im Rahmen der Verhaltenstherapie, dass man im Bett nicht lange wachliegen soll – das macht in der Regel nur noch unruhiger – sondern besser aufsteht und einer beruhigenden Tätigkeit nachgeht. Das Schlafzimmer sollte zudem nur dem Schlafen und sexueller Aktivität dienen und nicht zum Allround-Raum für Essen, Fernsehen, Computerarbeit und ähnliches genutzt werden.

Dem Grübeln ein Ende

In der Therapie lernt der Patient darüber hinaus, im Bett nicht mehr zu grübeln oder Gedanken zu wälzen und die Angst vor den Folgen des Schlafmangels abzubauen, die die Schlafstörung paradoxerweise erst recht unterhalten.

Für einen erholsamen Schlaf bei gelegentlicher Unruhe oder Schlafstörung leisten pflanzliche Medikamente einen guten Beitrag. Baldrian, Melisse, Hopfen, Lavendel zählen zu den Phytopharmaka, die das Einschlafen erleichtern beziehungsweise, die innere Anspannung senken.

© aponet.de

Letzte Aktualisierung: Januar 2016

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