Wissen

Schwindel

Schwindel kann völlig harmlos, aber auch quälend, sehr unangenehm und gefährlich sein. In Deutschland sind rund 45 Prozent der Frauen und 30 Prozent der Männer irgendwann einmal im Leben von Schwindel betroffen.

Dass wir aufrecht auf zwei Beinen gehen, uns bücken und wieder aufrichten, dass wir stolpern und doch nicht hinfallen, aber auch mal stürzen und wieder aufstehen können, verdanken wir drei Sinnessystemen, die uns gewissermaßen in der Balance halten:

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Gleichgewichtssinn

Im Innenohr befinden sich außer der Hörschnecke, also dem eigentlichen Hörorgan, drei in unterschiedlichen Raumachsen angeordnete Bogengänge des Gleichgewichtsorgans, medizinisch auch Vestibularorgan genannt. Dann gibt es noch sogenannte Vorhofsäckchen (Utriculus und der Sacculus). Wie die Hörschnecke sind auch die Bogengänge und die Vorhofsäcken mit Flüssigkeit gefüllt. In den Bogengängen bewegen sich – sobald wir den Körper oder auch nur den Kopf drehen – feinste, dicht stehende Haarsinneszellen wie Grashalme im Wind. In den Vorhofsäckchen wiederum liegen kleine Kristalle auf Haarsinneszellen und reizen diese bei horizontalen beziehungsweise vertikalen Bewegungen. Werden die Haarsinneszellen im Gleichgewichtsorgan gereizt, entstehen elektrische Impulse, die über den Gleichgewichtsnerv an das Gehirn weitergeleitet werden und dort Drehungen und Bewegungen des Körpers bewusst machen.

Sehsinn

Das, was der Mensch mit seinen Augen sieht, und die Verarbeitung dieser Sinnesreize im Gehirn sind wesentliche Faktoren, um das Gleichgewicht zu sichern. Vom Gleichgewichtsorgan im Innenohr führen Nervenbahnen zu den Augenmuskeln, und ihre Zusammenarbeit sorgt dafür, dass man die Welt klar im Blick behält, egal wie man Kopf und Körper auch bewegt. Dabei spielen Blicksprünge der Augen, der sogenannte Nystagmus, eine große Rolle. Bei der Diagnostik von Schwindel hat die Untersuchung des Nystagmus, die Registrierung der Augenbewegungen (Elektronystagmographie), eine entscheidende Bedeutung.

Tiefenwahrnehmung

Das ist das dritte, für die Orientierung im Raum entscheidende Sinnesempfinden. Dabei werden Druck und Dehnungen etwa in den Muskeln, Sehnen oder Gelenken des Körpers registriert. Diese Reize gehen ebenfalls weiter an das Gehirn. Sie machen dort die Lage des Körpers oder auch nur bestimmter Körperteile bewusst, zum Beispiel ob man gerade sitzt, steht oder geht.

Das einwandfreie Zusammenspiel dieser drei Systeme, zusammenfassend als Gleichgewichtssystem bezeichnet, bewirkt die sichere Orientierung des Menschen, wo immer er sich aufhält. Tritt irgendwo in diesem Dreierbund eine Störung auf, macht sich dies als Schwindel bemerkbar. Eine Ursache kann darin bestehen, dass das Gleichgewichtsorgan Reize nicht mehr einwandfrei aufnimmt. Außerdem können Sehstörungen und psychische Leiden sowie eine gestörte Reizverarbeitung im Gehirn eine Rolle spielen.

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