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Windpocken

Was ist das? - Definition
Bei den Windpocken handelt es sich um eine hochansteckende Virus-Erkrankung. Sie bricht fast immer im Kindes- und Jugendlichenalter aus und macht sich durch juckende Hautbläschen am ganzen Körper bemerkbar.

Wie wird es noch genannt? - Andere Bezeichnungen
  • Varizellen
  • Wasserpocken
  • Chicken-pox

Wie kommt es dazu? - Mögliche Ursachen
Erreger der Windpocken ist das Varizellen-Zoster-Virus, das der Familie der Herpesviren angehört. Windpocken zählen zu den ansteckendsten Erkrankungen überhaupt. Etwa 95 Prozent der Bevölkerung wurden im Laufe ihres Lebens infiziert. Ansteckungsquelle sind die Haut- und Schleimhautbläschen, die bei der Erkrankung auftreten. Das Virus überträgt sich durch den direkten Kontakt von Mensch zu Mensch oder als Tröpfcheninfektion. Wahrscheinlich wird es auch mit der Luft weitergegeben ("Windpocken"). In den Körper gelangt es über die Schleimhäute der Atemwege. Bei der ersten Infektion löst es Windpocken aus. Nach Abklingen der Krankheit verweilt der Erreger lebenslang in den Nervenzellen des Patienten. In fortgeschrittenem Alter oder bei geschwächtem Immunsystem kann es zu einer Reaktivierung des Virus kommen. Diese zweite Infektion äußert sich als Herpes zoster (Gürtelrose).

Wie macht es sich bemerkbar? - Symptome
Nach einer Ansteckungszeit von zwei bis drei Wochen treten am ganzen Körper verstreut rote Flecken auf. Die Haut von Kopf und Rumpf ist besonders stark betroffen, oft auch die Schleimhäute des Gaumens und der Wangen. Die Flecken wandeln sich zunächst in Knötchen und im Verlauf von wenigen Stunden in reiskorngroße Bläschen um, die mit wasserhellem Inhalt gefüllt sind. Ihr Auftreten ist häufig mit Fieber verbunden.

Wie geht es weiter? - Verlauf und Komplikationen
Charakteristisch für die Erkrankung ist, dass die Hautveränderungen schubweise auftreten. Flecken, Knötchen und Bläschen sind also zur gleichen Zeit sichtbar. Von den Bläschen geht ein starker Juckreiz aus. Nach einigen Tagen platzen sie auf, um anschließend zu verkrusten. In der Regel sind sie nach zwei bis drei Wochen abgeheilt, ohne dass Narben auftreten. Falls die Bläschen zusätzlich mit Bakterien infiziert werden, können in ungünstigen Fällen Narben hinterbleiben. Im Kindesalter verlaufen Windpocken im Allgemeinen gutartig. Bei Säuglingen und Erwachsenen verläuft die Erkrankung meist schwerer. Bei ihrem Ausbruch empfiehlt es sich, einen Arzt hinzuzuziehen. Als seltene Komplikationen treten Gehirnentzündung (Enzephalitis), Ohrenentzündung, Lungenentzündung (Pneumonie) und Nierenentzündung auf. Bei immungeschwächten Patienten entwickeln sich häufig so genannte hämorrhagische Windpocken, die von Blutungen des Magen-Darm-Bereichs und der Schleimhäute begleitet sind.

Was rät die Großmutter? - Hausmittel und Verhaltenstipps
  • Bläschen mit einer Salbe oder einem Gel aus der Apotheke behandeln, das juckreizstillende Wirkstoffe enthält. Auch die Verwendung von Zinklotion ist sinnvoll.
  • Bei Säuglingen und Kindern sollten die Fingernägel kurz geschnitten werden, um ein Aufkratzen der juckenden Bläschen zu vermeiden.
  • eine vorbeugende Impfung im Kindesalter wird empfohlen

Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

© ABDATA

Windpocken: Behandlung

Bei Windpocken (Varizellen) zielt die Behandlung darauf ab, die Symptome zu lindern und Komplikationen zu verhindern. Gegen den Juckreiz kommen Lotionen, Gele oder Puder mit Gerbstoffen, Zink, Menthol oder Polidocanol zum Einsatz. Diese Inhaltsstoffe trocknen außerdem die Bläschen aus. Eine sorgfältige Hautpflege ist während einer Windpocken-Erkrankung besonders wichtig, um zu verhindern, dass sich die Bläschen entzünden und zusätzlich eine bakterielle Infektion entsteht. Die Bläschen heilen in der Regel nach ein bis zwei Wochen ab.

Gegen Fieber oder Gliederschmerzen helfen schmerzlindernde und fiebersenkende Medikamente, die den Wirkstoff Paracetamol enthalten. Andere Schmerzmittel mit dem Wirkstoff Ibuprofen sind bei Kindern mit Windpocken nicht geeignet. Auch Acetylsalicylsäure (ASS) sollte bei Kindern und Jugendlichen nicht verwendet werden, da es in seltenen Fällen unter dem Wirkstoff zum sogenannten Reye-Syndrom kommt. Nur, wenn andere Maßnahmen keine Wirkung zeigen, kann der Arzt eine Behandlung mit ASS in Erwägung ziehen.

Ohne ärztliche Anweisung dürfen Kinder und Jugendliche ASS jedoch nicht einnehmen.

Wenn eine Windpocken-Infektion schwer verläuft oder Komplikationen auftreten, ist eine Behandlung mit Virostatika angezeigt.

Können auch Erwachsene an Windpocken erkranken?

Windpocken treten meistens im Kindesalter auf. Aber auch Erwachsene können erkranken. Die Behandlung für Erwachsene unterscheidet sich nicht von der bei Kindern – jedoch verläuft die Erkrankung bei Jugendlichen und Erwachsenen oft schwerer als bei kleinen Patienten.

Wie lange besteht die Gefahr einer Ansteckung?

Bei Windpocken zeigen sich nach acht Tagen bis vier Wochen nach der Ansteckung die ersten Symptome. An Windpocken Erkrankte sind jedoch bereits ein bis zwei Tage bevor der Ausschlag zu sehen ist, ansteckend. Wer Windpocken hat, sollte am besten Bettruhe einhalten und sich von anderen Personen fernhalten, um eine Ansteckung zu vermeiden. Mit und ohne Behandlung verkrusten die Bläschen nach etwa fünf bis sieben Tagen. Damit endet auch die Gefahr einer Ansteckung.

Quellen:

• Online-Informationen des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWIG): www.gesundheitsinformation.de (Stand: 22.3.2017)

• Online-Informationen der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA): www.infektionsschutz.de (Stand: 28.11.2016)

• Windpocken, Herpes Zoster (Gürtelrose). RKI Ratgeber für Ärzte. Online-Publikation des Robert Koch-Instituts: www.rki.de (Stand: 30.3.2016)

© aponet.de

Letzte Aktualisierung: Mai 2017

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