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Gesundheit und Beruf

Maler in weißer Latzhose stützt sich mit einer Hand auf eine Leiter und hält sich mit der anderen Hand den Rücken.

Eine Nervenquetschung kann bei einem Bandscheibenvorfall zu starken Schmerzen führen.
© Cello Armstrong - Fotolia

So behandelt man Nervenschmerzen

Nervenschmerzen sind seltener als gewöhnliche Schmerzen und entstehen auf andere Weise. Daher unterscheidet sich auch die Behandlung.

Gewöhnlichen Schmerz verspürt man beispielsweise, wenn man sich den Mund an zu heißer Suppe verbrennt, den Kopf stößt oder der Rachen entzündet ist. Schmerz-Auslöser wie Hitze oder Entzündung, aber auch andere Reize, werden von Schmerzsensoren registriert und an das Gehirn gefunkt. Nervenschmerzen dagegen fühlt man, wenn Nervenfasern selbst Schaden nehmen. Dann werden Schmerzsignale oft ohne nachvollziehbaren Auslöser und teils ohne Unterlass ans Hirn weitergeleitet. Diese neuropathischen Schmerzen können entstehen

  • infolge einer Stoffwechselerkrankung wie Diabetes (diabetische Neuropathie),
  • infolge einer Entzündung wie Gürtelrose (Post-Zoster-Neuralgie),
  • durch Quetschung von Nervenfasern etwa bei einem Bandscheibenvorfall,
  • infolge einer Durchtrennung von Nerven, zum Beispiel bei einer Amputation.

Vor der Behandlung solcher Nervenschmerzen sollte der Arzt abklären, welche Grunderkrankung vorliegt. Denn gelingt es, diese zu heilen, können auch die Nervenschmerzen verschwinden. Gelingt es nicht oder nicht ausreichend, müssen die Nervenschmerzen symptomatisch behandelt werden.

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Die Bekämpfung neuropathischer Schmerzen erfolgt – was auf den ersten Blick überrascht – mit Mitteln gegen epileptische Anfälle (Antikonvulsiva) und solchen, die ansonsten gegen Depressionen zum Einsatz kommen (Antidepressiva). Diese Medikamente verhindern, dass die geschädigten Nervenbahnen zu sehr erregt werden. Zu den bei Nervenschmerzen eingesetzten Antikonvulsiva zählen beispielsweise Gabapentin, Pregabalin oder Carbamazepin, wobei Letzteres hauptsächlich bei einem speziellen Gesichtsschmerz, der Trigeminusneuralgie, angewendet wird.

Wichtig für Patienten mit Vorbehalten gegen Psychopharmaka: Antidepressiva, die bei Nervenschmerzen verwendet werden, sind geringer dosiert als bei der Behandlung einer Depression. Grund dafür ist, dass sie bei Schmerzen anders wirken. Eingesetzte Wirkstoffe: zum Beispiel Amitriptylin, Duloxetin oder Venlafaxin.

Aber auch starke, klassische Schmerzmittel wie die Abkömmlinge des Morphins zeigen eine gute Wirksamkeit. Es werden Arzneiformen mit einer verzögerten, einer sogenannten retardierten Freisetzung angewendet. Besonders für die Opioide Tramadol und Oxycodon liegen bei Nervenschmerzen nach einer Gürtelrose und bei diabetischen Neuropathien gute Studienergebnisse vor. Hier gilt es zu beachten, dass Verstopfung eine häufige Nebenwirkung ist, die von vornherein mitbehandelt werden sollte. Schmerzmittel wie Paracetamol, Metamizol und solche aus der Klasse der nichtsteroidalen Antirheumatika wie Acetylsalicylsäure, Diclofenac oder Ibuprofen sind bei Nervenschmerzen hingegen gar nicht oder kaum wirksam.

Noch eine Unterscheidung zum Schluss: Schießen die Schmerzen ein, wird eher mit Antikonvulsiva oder Opioiden therapiert, liegt ein Dauerschmerz vor, nutzt man eher Antidepressiva oder klassische schwache und starke Schmerzmittel.

Neben den Medikamenten gibt es gegen Nervenschmerzen weitere Therapiemöglichkeiten, zum Beispiel Entspannungstechniken oder die Behandlung mit schwachem elektrischen Strom, genannt TENS. Diese Methoden kommen oft parallel zu Arzneimitteln zum Einsatz.

FH

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