Wie sich Erinnerungen manipulieren lassen

09.12.2016

Wenn wir an früher denken, erinnern wir uns an viele schöne, weniger schöne, lustige oder spannende Momente. Doch in wie weit kann man dem Gedächtnis eigentlich trauen? Dass es manipulierbar ist, zeigt eine Studie, in der viele Menschen glaubten, sich an Erlebnisse zu erinnern, die gar nicht passiert waren.
Um schöne Erlebnisse und Erinnerungen nicht zu vergessen, halten viele Menschen diese in einem Tagebuch fest. image.originalResource.properties.copyright

In einer Meta-Analyse konnten Forscher nachweisen, dass von über 400 Studienteilnehmern etwa die Hälfte glaubte, ein erfundenes autobiographisches Ereignis selbst erlebt zu haben. Dies berichten Psychologen um Dr. Kimberley Wade von der University of Warwick in der Fachzeitschrift Memory. Für die Studie nutzten die Wissenschaftler die sogenannte Memory-Implantation-Methode: Darunter versteht man ein psychologisches Verfahren, bei dem Forscher versuchen, Studienteilnehmern durch Suggestion falsche Erinnerungen quasi einzupflanzen. Zum Beispiel, wie sie als Kind eine Fahrt mit dem Heißluftballon unternommen, einem Lehrer einen Streich gespielt oder auf einer Familienhochzeit ein Chaos verursacht hatten. Etwa 30 Prozent der Testpersonen schienen sich nach der Suggestion tatsächlich an einen fiktiven Moment aus der Vergangenheit zu erinnern: Sie akzeptierten die Erinnerung und erläuterten anschaulich, wie der Moment abgelaufen war. Weitere 23 Prozent zeigten Anzeichen, dass sie zumindest bis zu einem gewissen Grad glaubten, das Ereignis selbst erlebt zu haben.

Selbst unter kontrollierten Bedingungen sei es schwierig, festzustellen, wann sich eine Person tatsächlich an etwas aus der Vergangenheit erinnere und wann es sich um falsche Erinnerungen handle, sagen Wade und Kollegen. Die Tatsache, dass viele Menschen anfällig für falsche Erinnerungen sind, könne für viele Bereiche eine Bedeutung haben, zum Beispiel wenn es um Zeugenaussagen gehe. Viele Faktoren könnten den Forschern zufolge zur Entstehung falscher Erinnerungen führen, zum Beispiel die Aufforderung, sich ein fiktives Szenario immer wieder vorzustellen oder das Ansehen von Fotos, um dem Gedächtnis sozusagen auf die Sprünge zu helfen. Um die Einflussfaktoren besser zu verstehen, seien weitere großangelegte Studien erforderlich.

HH