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Ultraschalluntersuchung der Schilddrüse einer jungen Frau

Mithilfe einer Ultraschall-Untersuchung kann die Größe der Schilddrüse ermittelt werden. Das hilft, eine Schilddrüsen-Erkrankung zu erkennen.
© Jürgen Fälchle - Fotolia

Kranke Schilddrüse − schlechte Werte

Wie hoch oder niedrig der Blutzuckerspiegel ist, bestimmt zu einem großen Teil das Hormon Insulin aus der Bauchspeicheldrüse. Doch auch andere Hormondrüsen können den Blutzucker beeinflussen. Dazu gehört die Schilddrüse.

Experten schätzen, dass in Deutschland etwa jeder Dritte über 45 Jahre unter einer Erkrankung der Schilddrüse leidet. Darunter auch viele Diabetiker. Ein Überschuss oder ein Mangel an Schilddrüsenhormonen kann die Stoffwechseleinstellung massiv verschlechtern.

Zu viel lässt den Zucker steigen

Eine Überproduktion von Schilddrüsenhormonen, auch Hyperthyreose genannt, entsteht am häufigsten durch die sogenannten heißen Knoten. In diesen veränderten Gewebeteilen produziert die Schilddrüse unkontrolliert Hormone. Die Betroffenen nehmen stark ab, schwitzen viel, sind nervös und zittern leicht. Die vermehrt gebildeten Hormone sorgen dafür, dass der Körper unempfindlicher für die Wirkung von Insulin wird. Die Bauchspeicheldrüse schüttet weniger Insulin aus, die Leber produziert mehr Glukose. Deshalb steigen die Blutzuckerspiegel häufig stark an.

Dieser Zusammenhang wird oft nicht erkannt. Denn bei einer Überproduktion der Schilddrüsenhormone treten die gleichen Symptome auf wie bei einer unzureichenden Diabetestherapie. Deshalb ist es gerade für Diabetiker, die Insulin spritzen, wichtig, mithilfe des Computers oder handschriftlich ein Diabetes-Tagebuch zu führen. Das erleichtert dem Arzt zu erkennen, ob ein Therapiefehler oder etwa ein Schilddrüsenproblem hinter den entgleisten Werten steckt.

Bis eine Überfunktion der Schilddrüse durch Medikamente, eine Operation oder eine Radio-Iod-Therapie erfolgreich behoben ist, kann einige Zeit vergehen. Bis dahin muss die Diabetestherapie häufig intensiviert werden. So kann es etwa notwendig sein, vorübergehend von Medikamenten auf Insulin umzustellen. Wenn die Schilddrüse wieder normal arbeitet, reicht die bisherige Therapie meist wieder aus.

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Bei Mangel droht Unterzucker

Doch auch wenn die Schilddrüse zu wenige Hormone herstellt, kann das den Blutzuckerspiegel beeinflussen. Die häufigste Ursache dieser sogenannten Hypothyreose ist eine Entzündung der Schilddrüse, an der das Immunsystem beteiligt ist: die sogenannte Hashimoto-Thyreoiditis. Wenn Schilddrüsenhormone fehlen, benötigt der Körper weniger Insulin. Zucker gelangt nicht mehr so gut aus dem Darm in die Blutbahn. Die Blutzuckerwerte sinken deshalb, bei Diabetikern drohen Unterzuckerungen.

Typische Symptome für eine Unterfunktion der Schilddrüse sind Gewichtszunahme, mangelnde Leistungsfähigkeit und Müdigkeit. Häufig leiden die Betroffenen unter Verstopfung und frieren schnell. Wenn der Arzt die Unterfunktion erkannt hat, verordnet er Schilddrüsenhormone. Die Behandlung beginnt meist mit einer niedrigen Dosis, die dann langsam gesteigert wird. Für Diabetiker besonders wichtig: Während der Einstellungsphase sollten sie besonders häufig den Blutzucker messen und die Werte mit dem Arzt besprechen, denn der Bedarf an Diabetesmedikamenten steigt in der Regel wieder an.

Dr. Iris Hinneburg

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