Krankheitsbild
Die Schilddrüse liegt an der Vorderseite des Halses unterhalb des Kehlkopfes direkt vor dem Schildknorpel, daher ihr Name. Sie produziert für die Steuerung des Stoffwechsels unentbehrliche Hormone.
Durch fehlgeleitete Angriffe des Immunsystem kann sich die Schilddrüse entzünden. Es werden gegen Schilddrüsengewebe gerichtete Antikörper gebildet. Ärztinnen und Ärzte sprechen von einer Autoimmunthyreoiditis bzw. Hashimoto-Thyreoiditis. Erkrankungsfälle treten typischerweise bei Frauen zwischen 30 und 50 Jahren auf, Männer sind seltener betroffen.
Das Krankheitsbild einer Autoimmunthyreoiditis unterscheidet sich von Fall zu Fall. Es gibt sehr milde Verläufe, bei denen Betroffene dauerhaft oder lange ohne ausgeprägte Beschwerden bleiben. Oft aber entwickelt sich mit der Zeit eine Schilddrüsen-Unterfunktion. Durch strukturelle Veränderungen infolge der Erkrankung kann die Schilddrüse schrumpfen, aber auch anschwellen.
Möglicherweise kommt es besonders zu Beginn der Krankheit durch Gewebszerstörung bei Entzündungsschüben zur Freisetzung von gespeichertem Schilddrüsenhormon. Das kann für einige Wochen eine milde Schilddrüsenüberfunktion bewirken.
Teils treten noch weitere Erkrankungen auf, insbesondere andere Autoimmunkrankheiten wie ein Typ-1-Diabetes, eine Autoimmungastritis mit späterem Vitamin-B12-Mangel oder rheumatoide Arthritis. In einigen Fällen erleiden Frauen nach der Geburt eines Kindes zumindest zeitweise eine autoimmun bedingte Entzündung der Schilddrüse.
Eine die Erkrankung heilende Therapie gibt es nicht, aber man kann die möglicherweise entstehende Fehlfunktion der Schilddrüse gut behandeln.
Symptome/Verlauf
Wenn sich die Schilddrüse durch strukturelle Veränderungen vergrössert, kommt es dadurch möglicherweise zu Beschwerden, wie dem Gefühl von einem Kloss im Hals oder Schluckbeschwerden.
Womöglich verursachen akute Entzündungsschübe in der Schilddrüse vorrübergehend in eher milder Ausprägung Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion, so unter anderem
- Herzrasen
- Schwitzen
- Zittern
- Nervosität
- Verstopfung
- Gewichtsverlust
- Appetitsteigerung
- Kurzatmigkeit
- rasche Ermüdbarkeit
Wenn die Erkrankung voranschreitet, tritt mit der Zeit oft eine Schilddrüsen-Unterfunktion auf, die unter anderem folgende Beschwerden hervorrufen kann:
- starke Müdigkeit
- Erschöpfung - depressive Verstimmung
- Gedächtnisprobleme
- Konzentrationsstörungen
- Antriebschwäche
- Appetitlosigkeit
- Gewichtszunahme
- Hauttrockenheit
- Kälteempfindlichkeit
- Zyklusveränderungen bei Frauen
Bei einigen wenigen Patientinnen und Patienten werden auch die Augen in Mitleidenschaft gezogen und treten womöglich ähnlich wie bei der Basedow-Krankheit hervor.
Folgen/Komplikationen
Viele Folgewirkungen einer Autoimmunthyreoiditis erklären sich durch eine anhaltende Unterfunktion der Schilddrüse.
Ohne passende Behandlung können die Symptome Betroffene körperlich und psychisch stark belasten. Es sind zudem Langzeitfolgen möglich. So haben Menschen mit einer Schilddrüsen-Unterfunktion ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Krankheiten.
Ausserdem kann die Unter- oder Überfunktion der Schilddrüse bei Frauen und Männern möglicherweise die Fruchtbarkeit beeinflussen, so dass ein Kinderwunsch unerfüllt bleibt. Bei einer Schwangerschaft besteht ein erhöhtes Fehlgeburtsrisiko.
Das Risiko für Schilddrüsenkrebs infolge einer Autoimmunthyreoiditis ist erhöht, bleibt aber insgesamt eher gering.
Ursachen/Risikofaktoren
Zu einer Autoimmunthyreoiditis kommt es, wenn das Immunsystem Antikörper bildet, die Schilddrüsengewebe angreifen. Diese fehlgeleitete Immunreaktion führt zu Entzündungen und Gewebszerstörung in der Drüse, die deren Funktion je nach Krankheitsverlauf letztlich zum Erliegen bringen kann.
Es gibt vermutlich eine gewisse erbliche Veranlagung für eine Autoimmunthyreoiditis, die zusammen mit anderen Faktoren die Erkrankung begünstigen kann. Möglicherweise fördern zusätzliche Faktoren wie Stress, Rauchen oder manche Virusinfektionen das Leiden. Zudem können auch hormonelle Einflüsse eine Rolle spielen, insbesondere bei Frauen.
Die Zufuhr von zu viel Jod etwa über bestimmte Nahrungs- oder Nahrungsergänzungsmittel sowie Jodtabletten kann sich bei einer Autoimmunthyreoiditis ungünstig auswirken. Hierzu sollte man sich ärztlich beraten lassen.
Das kann helfen
Was der Arzt tun kann:
Ärztinnen und Ärzte suchen bei Symptomen einer Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion nach den Ursachen. Dazu nutzen sie verschiedene Methoden, Ultraschalluntersuchungen etwa. Zudem wird auf Schilddrüsenwerte im Blut und das Vorliegen der für Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse bedeutsamen Antikörper geachtet.
Haben Patientinnen und Patienten tatsächlich eine Autoimmunthyreoiditis beziehungsweise Hashimoto-Thyreoiditis, aber noch eine normale Schilddrüsenfunktion, benötigen sie in der Regel zunächst keine Behandlung, aber regelmässige Kontrolluntersuchungen. Liegt eine Schilddrüsenunterfunktion vor, wird sie bei Bedarf durch die Einnahme von Schilddrüsenhormon-Präparaten behandelt. Die Dosis muss an den Krankheitsverlauf angepasst werden, was ebenfalls regelmässige Kontrolluntersuchungen erfordert. Zusätzlichen ärztlichen Beratungs- und Behandlungsbedarf haben betroffene Patientinnen und Patienten bei unerfülltem Kinderwunsch sowie Schwangere.
Was man selbst tun kann:
Leidet man unter Symptomen einer Schilddrüsenüber- oder -unterfunktion, sollte man in jedem Fall ärztlichen Rat einholen. Das gilt auch, wenn sich im Halsbereich eine Schwellung zeigt, die von einer Schilddrüsenvergrösserung herrühren könnte.
Liegt eine Autoimmunthyreoiditis mit einer Unterfunktion vor und empfiehlt eine Ärztin oder ein Arzt dann ein Schilddrüsenhormon-Präparat, sollte man dieses konsequent einnehmen. Mitunter erfordert es etwas Geduld, bis die passende Dosis gefunden ist.
Hilfreich sind auch Stressreduktion, genug Schlaf, Rauchstopp, möglichst weitgehender Verzicht auf Alkohol, ausreichend Bewegung sowie eine gesunde ausgewogene Ernährung. Zudem kann man sich ärztlich beraten lassen, ob es im Einzelfall sinnvoll ist, bestimmte Mineralstoffe beziehungsweise Spurenelemente zu ergänzen.
Eine übermässige Jodzufuhr beispielsweise über Jodpräparate gilt es zu meiden. In der Schwangerschaft allerdings sieht es bei Jodpräparaten anders aus, denn eine ausreichende Jodversorgung ist für das werdende Kind sehr wichtig. Fehlt ihm Jod, kann es sich nicht normal entwickeln. Für die Schwangere kann bei einer Schilddrüsen-Unterfunktion zudem die Behandlung mit Schilddrüsenhormon-Präparaten notwendig werden bzw. eine Anpassung erfordern. Einzelheiten zu allen Massnahmen müssen unbedingt mit der Ärztin oder dem Arzt besprochen werden.
Quellenangaben:
Herold, Innere Medizin, Herold, (2011) - S. Andreae et al., Gesundheits- und Krankheitslehre für die Altenpflege, Thieme, (2011), 3. Aufl.
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.