Krankheitsbild
Morbus Basedow - die Basedowsche Krankheit - wurde nach dem deutschen Arzt Carl Adolph von Basedow aus Merseburg benannt, der sie 1840 beschrieben hat. Es kommt dabei zu einer fehlgeleiteten Immunreaktion, bei der sich Antikörper gegen bestimmte Strukturen besonders in der Schilddrüse richten. Eine der Folgen ist eine Schilddrüsenüberfunktion, es entsteht unkontrolliert Schilddrüsenhormon, was unterschiedlichste Beschwerden hervorruft.
Durch die fehlgeleitete Immunreaktion entzündet sich bei 50 bis 80 Prozent der Basedow- Patienten Binde- und Fettgewebe in der Augenhöhle sowie an Augenmuskeln und Lidern. Es schwillt dort Gewebe an und vermehrt sich. Da in den knöchernen Augenhöhlen wenig Platz ist, treten mit der Zeit die Augen hervor. Mediziner sprechen von Endokriner Orbitopathie.
In einzelnen Fällen entwickelt sich auch ein sogenanntes prätibiales Myxödem, mit Rötungen und Schwellungen im Bereich des Schienbeins.
Symptome/Verlauf
Im Zusammenhang mit der Schilddrüsenüberfunktion kann sich die Schilddrüse schmerzlos vergrössern (Kropf), Betroffene verspüren womöglich Heiserkeit und Schluckbeschwerden. Weitere mögliche Symptome:
- innere Unruhe und Zittrigkeit vor allem der Hände
- Herzrasen und Herzklopfen
- Kurzatmigkeit
- Schlafstörungen
- Schweissausbrüche
- warm-feuchte Haut
- Gewichtsverlust trotz eines erhöhten Appetits
- häufigerer Stuhldrang und Durchfälle
- Haarausfall
- Muskelschwäche
- Müdigkeit und Erschöpfung
Bei älteren Patienten macht sich die Erkrankung oft erst durch Herzbeschwerden etwa mit einem Engegefühl im Brustkorb bei Belastung bemerkbar, oder durch Herzrasen mit schnellem, unregelmässigem Puls.
Sind die Augen betroffen, verspüren Patienten Symptome wie etwa ein Fremdkörpergefühl und Schmerzen in den Augen, Augentränen, gerötete, entzündete Augen und Blendungsempfindlichkeit. Zudem kann der Schluss der Augenlider gestört sein und sich die Augenhornhaut entzünden. Betroffene nehmen möglicherweise auch Doppelbilder wahr.
Folgen/Komplikationen
Bleibt Morbus Basedow unbehandelt, kann die fortdauernde Schilddrüsenüberfunktion möglicherweise zu Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche und in Extremfällen zum plötzlichen Herztod führen. Geht Morbus Basedow mit einer ausgeprägten Augenbeteiligung einher, verschlechtert sich unter Umständen das Sehvermögen. Die Schilddrüsenüberfunktion fördert zudem den Abbau von Knochenmasse und steigert so das Osteoporose-Risiko.
Ursachen/Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für die fehlgeleitete Immunreaktion bei Morbus Basedow sind nicht bekannt. Es gibt möglicherweise eine erbliche Veranlagung und einige Risikofaktoren sind in der Diskussion, so etwa Stress, bestimmte Virusinfektionen oder das Rauchen.
Typischerweise findet man bei Morbus Basedow Antikörper gegen bestimmte Schilddrüsenbestandteile im Blut, so auch TSH-Rezeptorantikörper, abgekürzt TRAK. Diese Antikörper treiben die Schilddrüse an, indem sie sich dort an die Andockstellen des Thyreoidea-stimulierenden Hormons - kurz TSH - anbinden und dessen Wirkung nachahmen. Es kommt zur Schilddrüsenüberfunktion mit steigenden Blutwerten an Schilddrüsenhormon. Die TSH-Blutwerte sind erniedrigt.
Das kann helfen
Was der Arzt tun kann:
Stellen Ärztinnen oder Ärzte Symptome einer Schilddrüsenüberfunktion fest, forschen sie nach den Ursachen. Es werden dazu Blutwerte erhoben und die Schilddrüse untersucht, etwa mittels Ultraschall und Szintigrafie, einer strahlenmedizinischen Untersuchung.
Steht die Diagnose eines Morbus Basedow fest, können Betroffene zunächst mit bestimmten Medikamenten gegen die Überfunktion der Schilddrüse behandelt werden. Kommt es dadurch aber nicht zu einer Besserung der Erkrankung, bleibt nur die operative Entfernung der Schilddrüse oder ihre Zerstörung durch eine Radiojod-Therapie. Die für einen funktionierenden Stoffwechsel erforderliche Menge an Schilddrüsenhormon muss dann künftig als Medikament zugeführt werden.
Was man selbst tun kann:
Bei Anzeichen für eine Schilddrüsenüberfunktion sollte man ärztlichen Rat einholen, um die Ursachen festzustellen und die passende Behandlung einzuleiten. Hilfreich ist eine gesunde Lebensführung mit gutem Stressmanagement und dem Verzicht auf das Rauchen.
Jod ist zwar für die Produktion der Schilddrüsenhormone wichtig, doch eine übermässige Jodzufuhr kann Morbus Basedow verschlimmern. Betroffene sollten daher mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, wie sie die Jodzufuhr sinnvoll begrenzen können.
Quellenangaben:
Thieme, Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, (2006) - Herold, Innere Medizin, Herold, (2011)
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.