Krankheitsbild
Die Schilddrüse liegt an der Vorderseite des Halses unterhalb des Kehlkopfes direkt vor dem Schildknorpel, daher auch ihr Name. Vergrössert sich die Drüse, ohne dass darin Knoten vorliegen, sprechen Ärztinnen und Ärzte von einer diffusen Schilddrüsen-Vergrösserung oder Struma diffusa. Bleiben dabei Funktionsstörungen der Schilddrüse aus und sind die Schilddrüsenwerte im Blut unauffällig, handelt es sich um eine euthyreode Struma diffusa.
Möglicherweise vergrössert sich die Schilddrüse aber auch durch die Bildung von Schilddrüsenknoten (Struma nodosa). Es können sich dahinter gutartige Gewebewucherungen, mit Flüssigkeit erfüllte Hohlräume (Zysten), Verkalkungen oder in selten Fällen bösartige Wucherungen verbergen. Bleiben die Schilddrüsenfunktion und die Schilddrüsenwerte unauffällig, liegt eine euthyreode Struma nodosa vor.
Symptome/Verlauf
Eine Schilddrüsenvergrösserung entwickelt sich häufig langsam über Jahre hinweg. Bei nur geringer Vergrösserung der Schilddrüse bleibt sie mitunter unbemerkt, da sie nicht in jedem Fall von aussen erkennbar ist oder deutliche Beschwerden verursacht. Dann fällt sie nur bei Routineuntersuchungen auf.
Treten Beschwerden auf, können dies unter anderem Druck- oder Engegefühle im Halsbereich sein. Manche Betroffene tragen nicht so gerne einen Rollkragenpullover oder enge Halsketten. Es kann zudem eine Schwellung im Halsbereich von aussen tast- und auch sichtbar werden. Bei Fortschreiten der Vergrösserung machen sich möglicherweise weitere Beschwerden bemerkbar. Es kann beispielsweise eine Schluckstörung entstehen, wenn die Schilddrüse auf die Speiseröhre drückt.
Folgen/Komplikationen
Engt die sich vergrössernde Schilddrüse die Luftröhre ein, kann es zu Atembeschwerden oder Luftnot kommen. Bei Druck auf den Stimmbandnerv ist Heiserkeit eine der Folgen. Mitunter wächst die Schilddrüse auch hinter dem Brustbein bis in den Brustkorb und kann dabei unter anderem Herz-Kreislauf-Beschwerden verursachen.
Finden sich bei einer ärztlichen Untersuchung der vergrösserten Schilddrüse sogenannte kalte Knoten, die keine Schilddrüsenhormone bilden, kann sich darin in seltenen Fällen Schilddrüsenkrebs entwickeln. Daher sollten diese Knoten untersucht werden, etwa in einer dafür entnommenen Gewebeprobe.
Bilden sich in der vergrösserten Schilddrüse sogenannte heisse Knoten, fachlich auch autonome Adenome genannt, können diese durch eine nicht kontrollierte Überproduktion von Schilddrüsenhormonen Symptome einer Schilddrüsen-Überfunktion hervorrufen.
Ursachen/Risikofaktoren
Als wichtigste Ursache einer Struma beziehungsweise eines Kropfes gilt ein schleichender ernährungsbedingter Mangel an dem Spurenelement Jod. Es wird gebraucht, um die für den Stoffwechsel so wichtigen Schilddrüsenhormone zu bilden. Bei Jodmangel versucht der Körper der drohenden hormonellen Minderversorgung entgegenzuwirken, indem er vermehrt hormonproduzierende Schilddrüsenzellen bildet. Dabei kommt es letztlich zu Veränderungen im Drüsengewebe und zur Vergrösserung der Schilddrüse. Als weitere mögliche Ursachen einer Vergrösserung kommen auch Autoimmunerkrankungen wie die Hashimoto-Thyreoiditis oder Morbus Basedow infrage. Es gibt ausserdem einige Substanzen (goitrogene Stoffe) und Medikamente, die das Schilddrüsenwachstum anregen.
Das kann helfen
Was der Arzt tun kann:
Ärztinnen und Ärzte untersuchen bei einer Schilddrüsenvergrösserung die Schilddrüse unter anderem durch Abtasten, mittels Ultraschall oder bei Bedarf auch nuklearmedizinisch mittels einer Szitinigrafie. Gibt es Hinweise, dass möglicherweise Schilddrüsenkrebs vorliegen könnte, wird eine Gewebeprobe aus verdächtigen Drüsenarealen entnommen und untersucht. Zudem werden einige Blutwerte aufgenommen, insbesondere Schilddrüsenwerte. Ziel ist es, die Ursache für die Vergrösserung zu finden.
Die Behandlung richtet sich nach den Untersuchungsbefunden. Entweder wird die vergrösserte Schilddrüse nur weiter ärztlich beobachtet oder es kommen Jod- und/oder teils auch Schilddrüsenhormonpräparate zum Einsatz. Gibt es eine spezielle Ursache, zum Beispiel eine Hashimoto-Thyreoiditis, Morbus Basedow oder in seltenen Fällen Schilddrüsenkrebs, wird die Behandlung gezielt darauf abgestellt.
Was man selbst tun kann:
Um einer durch Jodmangel bewirkten Schilddrüsenvergrösserung vorzubeugen oder entgegenzuwirken, sollte man auf eine ausreichende Jodversorgung achten. Dabei hilft unter anderem jodiertes Speisesalz. Weitere Hinweise gibt es Internet unter www.dge.de von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, wenn man im Suchfenster (Lupe) das Stichwort Jod eingibt.
Treten Symptome einer Schilddrüsenvergrösserung oder Zeichen einer Unterfunktion (z.B. Antriebsmangel, extreme Müdigkeit) oder einer Überfunktion (z.B. Zittern, Unruhe, Herzrasen) der Drüse auf, sollte man ärztlichen Rat einholen.
Wichtig ist bei Erkrankungen der Schilddrüse auch, regelmässig zu ärztlich empfohlenen Kontrolluntersuchungen zu gehen.
Quellenangaben:
Thieme, Lexikon der Krankheiten und Untersuchungen, (2006) - Andreae, von Hayek, Weniger, Krankheitslehre für Altenpflege, Thieme, (2006) - Herold, Innere Medizin, Herold, (2011)
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.