Nach einem Zeckenstich können manche Menschen eine ungewöhnliche Allergie entwickeln: Sie reagieren plötzlich auf Fleisch und andere Produkte von Säugetieren. Die Beschwerden treten oft erst Stunden später auf.

Hinter der sogenannten Fleischallergie steckt das Alpha-Gal-Syndrom (AGS). Dabei reagiert das Immunsystem auf das Zuckermolekül Alpha-Gal, das in vielen Säugetieren und damit etwa auch in Rind- oder Schweinefleisch vorkommt.
Auslöser kann ein Zeckenstich sein. Gelangt Alpha-Gal dabei in den Körper, kann das Immunsystem Antikörper dagegen bilden. Bei einem späteren Kontakt kann es zu einer allergischen Reaktion kommen. Allerdings entwickelt längst nicht jeder Mensch nach einem Zeckenstich ein Alpha-Gal-Syndrom. Warum manche erkranken und andere nicht, ist bislang unklar.
Eine Besonderheit des Alpha-Gal-Syndroms ist die verzögerte Reaktion: Nach dem Verzehr von Fleisch von Säugetieren wie Rind, Schwein, Lamm, Wild oder Kaninchen treten Beschwerden typischerweise erst drei bis fünf Stunden später auf.
Möglich sind Nesselsucht, Juckreiz und Schwellungen sowie Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit oder Erbrechen. Auch Atemprobleme und Blutdruckveränderungen können auftreten, im schlimmsten Fall eine lebensbedrohliche Anaphylaxie. Manche Betroffene haben ausschließlich Magen-Darm-Beschwerden. Die zeitliche Verzögerung kann dazu führen, dass das Alpha-Gal-Syndrom zunächst übersehen wird.
Zur Diagnose werden die Beschwerden und ihr Zusammenhang mit Alpha-Gal-haltigen Lebensmitteln oder Produkten berücksichtigt. Zusätzlich kann eine Blutuntersuchung Antikörper gegen Alpha-Gal nachweisen.
Ein positiver Test allein reicht jedoch nicht aus. „Viele Menschen bilden Antikörper gegen Alpha-Gal, entwickeln aber keine offensichtlichen allergischen Symptome“, erklärt Dr. Jeffrey Wilson von der University of Virginia School of Medicine. Für die Diagnose müssen auch entsprechende Beschwerden auftreten.
Forschende untersuchen zudem, ob die Immunreaktion gegen Alpha-Gal die Herz-Kreislauf-Gesundheit beeinflussen könnte. Studien aus den Jahren 2018 und 2022 brachten Alpha-Gal-Antikörper beziehungsweise eine Sensibilisierung mit Herzkrankheiten, mehr Ablagerungen in den Arterien und einem höheren Risiko für schwere Herzinfarkte in Verbindung.
Ob die Immunreaktion tatsächlich zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen beiträgt, ist jedoch nicht bewiesen. Als möglicher Mechanismus werden entzündliche Prozesse diskutiert. Weitere Forschung ist nötig.
Eine Heilung des Alpha-Gal-Syndroms gibt es derzeit nicht. Betroffene müssen Alpha-Gal-haltige Lebensmittel und gegebenenfalls weitere Produkte meiden. Denn das Molekül kann auch in bestimmten Arzneimitteln und anderen Produkten tierischen Ursprungs vorkommen.
Bei manchen Menschen lässt die Empfindlichkeit mit der Zeit nach, wenn weitere Zeckenstiche vermieden werden. Wie lange die Allergie anhält, ist unterschiedlich. Betroffene sollten deshalb mit medizinischem Fachpersonal klären, welche Lebensmittel und Produkte sie meiden müssen.
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