Nikotinbeutel: Darum sehen Experten besonders für Jugendliche ein Risiko

Katrin Faßnacht-Lee  |  03.08.2026 13:35 Uhr

Sie sind klein, unauffällig und in Geschmacksrichtungen wie Minze oder Frucht erhältlich: Nikotinbeutel verbreiten sich zunehmend, obwohl es in Deutschland bislang keine gesetzliche Regelung gibt. Fachleute sehen vor allem junge Menschen im Fokus des Marketings und warnen vor den gesundheitlichen Risiken.

Ein junger Mensch hält einen Nikotinbeutel vor seinem Mund,
Nikotinbeutel werden unter die Oberlippe gelegt und geben von da teilweise hohe Nikotinmengen an den Körper ab.
© Andrey Popov/iStockphoto

Was sind Nikotinbeutel?

Nikotinbeutel – auch Nicotine Pouches genannt – sind kleine Beutel, die unter die Oberlippe gelegt werden. Sie enthalten zwar keinen Tabak, dafür aber Nikotin sowie unter anderem Zellulose, Süßungs- und Aromastoffe. Das Nikotin wird über die Mundschleimhaut aufgenommen.

Da weder Rauch noch Dampf entstehen, lassen sich die Beutel unauffällig verwenden. Die WHO nennt unter anderem folgende Merkmale, mit denen die Produkte gezielt junge Menschen ansprechen sollen:

  • Geschmacksrichtungen wie Minze oder Frucht
  • auffällige Verpackungen
  • Werbung über soziale Medien und Influencer

Warum Experten vor Nikotinbeuteln warnen

Nach Angaben der WHO wurden 2024 weltweit mehr als 23 Milliarden Nikotinbeutel verkauft – mehr als 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Organisation sieht darin einen Hinweis auf die rasche Verbreitung der Produkte.

Auch wenn Nikotinbeutel keinen Tabak enthalten, sind sie aus Sicht der WHO keineswegs harmlos. Denn Nikotin hat ein hohes Suchtpotenzial. Besonders bei Kindern und Jugendlichen könne Nikotin die Entwicklung des Gehirns beeinträchtigen. 

Bei hoch dosierten Nikotinbeuteln wurden sogar deutlich höhere Nikotinspiegel gemessen als nach dem Rauchen von Zigaretten. Der Nikotingehalt in den Beuteln variiert stark: Nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) enthielten untersuchte Nikotinbeutel durchschnittlich knapp 10 Milligramm Nikotin pro Beutel, das höchstdosierte Produkt sogar 47,5 Milligramm.

So ist die Rechtslage in Deutschland

Für tabakfreie Nikotinbeutel gibt es in Deutschland bislang keine eigene gesetzliche Regelung. Nach Einschätzung der Wissenschaftlichen Dienste des Deutschen Bundestages fallen sie nicht unter das Tabakerzeugnisgesetz.

Stattdessen stufen die Behörden die Produkte derzeit überwiegend als Lebensmittel ein. Da Nikotin jedoch nicht als Lebensmittelzutat zugelassen ist, werden viele Nikotinbeutel nach Lebensmittelrecht beanstandet und vom Markt genommen.

EU will Regeln vereinheitlichen

Auch auf EU-Ebene gibt es bislang keine einheitlichen Vorschriften für Nikotinbeutel. Die Europäische Kommission arbeitet jedoch an einer Überarbeitung der Tabakproduktrichtlinie. Dabei sollen neuartige Nikotinprodukte wie Nikotinbeutel erstmals ausdrücklich berücksichtigt werden. Ziel ist es, die bisher unterschiedlichen nationalen Regelungen stärker zu vereinheitlichen.

Was Verbraucher wissen sollten

Auch ohne Tabak sind Nikotinbeutel keine harmlosen Lifestyle-Produkte. Sie enthalten Nikotin und können abhängig machen. Wegen ihrer unauffälligen Anwendung und ihrer oft süßen Aromen können sie leicht unterschätzt werden. Wer Fragen zu den gesundheitlichen Risiken oder zum Rauchstopp hat, kann sich auch in der Apotheke beraten lassen.

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