Je nach Zyklusphase anders trainieren, bestimmte Lebensmittel essen oder mehr Ruhepausen einlegen: Beim sogenannten Cycle Syncing richten Frauen ihre Gewohnheiten nach ihrem Menstruationszyklus aus. Belege dafür, dass das Vorteile hat, gibt es aber so gut wie keine.

Sport, Ernährung und Alltag an den Menstruationszyklus anpassen: Das sogenannte Cycle Syncing verspricht mehr Energie, Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit. Dabei helfen spezielle Apps, in denen Mädchen und Frauen ihre Periode, Stimmung und ihr Energielevel dokumentieren können. Die Idee dahinter: Wer seinen Alltag an die hormonellen Veränderungen während des Zyklus anpasst, soll gesünder und leistungsfähiger sein. Doch ob das tatsächlich funktioniert, ist wissenschaftlich kaum belegt.
Ein Forschungsteam um Dr. Katharine Lee von der Tulane University in New Orleans hat die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Cycle Syncing ausgewertet. Das Ergebnis: Es gibt bislang keine überzeugenden Belege dafür, dass Frauen gesünder oder leistungsfähiger sind, wenn sie Sport und Ernährung nach ihren Zyklusphasen ausrichten.
Beispiel Sport: Jahrzehnte sportwissenschaftlicher Untersuchungen hätten keinen verallgemeinerbaren Einfluss der Zyklusphase gezeigt – weder auf die Leistung noch auf das Verletzungsrisiko oder die Gesundheit. Beobachtete Effekte fielen nur gering aus und variierten stark.
Auch Studien zur zyklusabhängigen Ernährung hätten bislang keine eindeutigen Belege für Vorteile bezüglich der Gesundheit oder Leistungsfähigkeit geliefert.
Ein weiteres Problem: Viele Apps bestimmen die Zyklusphase nur anhand der eingegebenen Blutungstage, was als äußerst ungenau gilt. Die Genauigkeit ließe sich verbessern, indem die Basaltemperatur, die Beschaffenheit des Zervixschleims oder Veränderungen des luteinisierenden Hormons berücksichtigt werden. Doch selbst dann sei der Zeitpunkt des Eisprungs stets variabel, Hormone schwankten von einem Zyklus zum nächsten und zudem gebe es auch Zyklen, in denen gar kein Eisprung stattfinde.
„Abgesehen von ihrer schwachen Evidenz bergen digitale Technologien zur Zyklusverfolgung ernsthafte Risiken“, so Lee und ihr Team. Einen besonders wichtigen Kritikpunkt sehen sie im Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten. Viele Anbieter legten nicht transparent genug dar, wie sie mit diesen Daten umgehen. Einige Apps und Plattformen sammelten und verkauften die Daten sogar, so die Autorinnen. Sie sprechen sich daher für einen besseren Schutz sensibler Gesundheitsdaten von Nutzerinnen aus. Gleichzeitig seien digitale Zyklus-Tracker allein nicht geeignet, um Erkrankungen wie beispielsweise eine Endometriose zu diagnostizieren oder die Ursachen von Zyklusveränderungen aufzudecken.
Einige Empfehlungen im Zusammenhang mit dem Cycle Syncing stünden zudem im direkten Widerspruch zu etablierten Leitlinien, kritisieren die Autorinnen. So werde in einigen Apps etwa für lange Abschnitte des Zyklus sehr wenig sportliche Aktivität empfohlen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt jedoch Erwachsenen pro Woche mindestens 150 Minuten moderates oder 75 Minuten intensives Ausdauertraining pro Woche. Hinzu kommen muskelkräftigende Übungen an mindestens zwei Tagen.
Die Empfehlung der Studienautorinnen lautet: Ärzte sollten nur zu entsprechenden Apps raten, wenn diese Qualitäts- und Evidenzstandards erfüllen. Eine Orientierung bietet die Liste zertifizierter Digitaler Gesundheitsanwendungen (DiGA) beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), auf der etwa die „Endo-App“ für Frauen und Mädchen mit einer Endometriose zu finden ist.
Quelle: DOI: 10.1136/bmj-2026-100858
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