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Darmflora: Diese häufigen Medikamente hinterlassen noch Jahre später Spuren

Hanke Huber  |  15.09.2026 10:20 Uhr

Antibiotika sind bekannt dafür, die Darmflora zu verändern. Eine Studie zeigt nun: Auch andere häufig eingesetzte Medikamente hängen noch Jahre später mit Unterschieden im Darmmikrobiom zusammen.

Eine junge Frau steht vor der Kamera mit Fokus aauf den Bauchbereich, der von ihren Händen umrahmt wird.
Einige häufig verwendete Arzneimittel stehen mit Veränderungen des Darmmikrobioms in Zusammenhang.
© MEEKO MEDIA/iStockphoto

Unterschiede in der Darmflora waren noch Jahre später nachweisbar

Medikamente können noch lange nach dem Absetzen mit Unterschieden in der Zusammensetzung der Darmflora zusammenhängen. Das zeigt eine Studie aus Estland. Bei zahlreichen untersuchten Arzneimitteln waren solche Unterschiede im Darmmikrobiom noch Jahre nach der Einnahme nachweisbar.

Die Untersuchung führte das Institut für Genomik der Universität Tartu in Estland durch. Die Forschenden werteten Stuhlproben und Verschreibungsdaten von mehr als 2.500 Teilnehmenden der Estnischen Biobank aus.

Antidepressiva, Betablocker und Magensäureblocker fielen ebenfalls auf

Dass Antibiotika die Darmflora verändern können, ist bekannt. Die Forschenden fanden jedoch auch bei anderen Arzneimitteln charakteristische Unterschiede im Mikrobiom. Dazu gehörten Antidepressiva, Betablocker zur Behandlung von Bluthochdruck, Protonenpumpenhemmer gegen säurebedingte Magenbeschwerden und Benzodiazepine, die unter anderem bei Angststörungen eingesetzt werden.

Benzodiazepine zeigten auffällige Parallelen zu Breitbandantibiotika

Besonders auffällig waren die Ergebnisse bei Benzodiazepinen, die als Beruhigungs- oder Schlafmittel zum Einsatz kommen. Ihre Zusammenhänge mit dem Mikrobiom waren vergleichbar mit denen von Breitbandantibiotika. Diese wirken gegen verschiedene Bakterienarten und können die Darmflora deutlich verändern.

Auch innerhalb der Gruppe der Benzodiazepine zeigten sich Unterschiede. Bei Diazepam und Alprazolam waren die Zusammenhänge mit der Zusammensetzung der Darmflora unterschiedlich stark ausgeprägt.

Auch nach dem Absetzen blieben Unterschiede im Mikrobiom bestehen

Bei einer kleineren Gruppe standen den Forschenden weitere Stuhlproben zu einem späteren Zeitpunkt zur Verfügung. Dadurch konnten sie untersuchen, wie sich das Mikrobiom veränderte, wenn Teilnehmende Medikamente neu einnahmen oder absetzten. Länger anhaltende Veränderungen zeigten sich unter anderem bei Protonenpumpenhemmern, selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) sowie Antibiotika wie Penicillin und Makroliden.

Frühere Behandlungen können demnach mit biologischen Spuren verbunden sein, die noch lange nach Ende der Einnahme nachweisbar sind. Die Studie zeigt allerdings vor allem Zusammenhänge. Insbesondere wegen der kleineren Zahl an Verlaufsproben lässt sich nur eingeschränkt beurteilen, ob einzelne Medikamente die langfristigen Veränderungen direkt verursacht haben. Menschen, die die genannten Arzneimittel verschrieben bekommen haben, sollten sie keinesfalls ohne Rücksprache mit dem Arzt absetzen.

Quelle: DOI 10.1128/msystems.00541-25

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