Studie: Antibiotika verändern die Darmflora noch bis zu acht Jahre nach der Einnahme

Dr. Karen Zoufal  |  17.03.2026 13:57 Uhr

Antibiotika retten Leben – doch sie greifen auch das Mikrobiom an. Eine große Studie zeigt jetzt: Die Darmflora kann sich noch Jahre nach der Einnahme verändern. Selbst eine einzelne Behandlung hinterlässt messbare Spuren.

Mann am Schreibtisch nimmt eine Tablette ein.
Antibiotika bekämpfen bakterielle Infektionen effektiv. Gleichzeitig wirken sie aber auch auf nützliche Bakterien im Darm.
© Miljan Živković/iStockphoto

Antibiotika greifen auch gesunde Darmbakterien an

Antibiotika bekämpfen bakterielle Infektionen effektiv. Gleichzeitig wirken sie aber nicht nur auf krankmachende Keime, sondern auch auf nützliche Bakterien im Darm. Diese Gemeinschaft von Mikroorganismen wird als Darmflora oder Mikrobiom bezeichnet und spielt eine wichtige Rolle für Verdauung, Stoffwechsel und Immunsystem.

Studie zeigt: Veränderungen im Mikrobiom noch nach 4 bis 8 Jahren

Eine neue Studie in der Fachzeitschrift „Nature Medicine“ zeigt: Antibiotika können die Zusammensetzung des Darmmikrobioms langfristig verändern. In einigen Fällen waren Veränderungen sogar noch vier bis acht Jahre nach der Einnahme nachweisbar.

Schon eine einmalige Einnahme kann Spuren hinterlassen

Ein Forschungsteam der Universität Uppsala untersuchte den Zusammenhang zwischen früherer Antibiotika-Behandlung und der heutigen Darmflora. „Wir sehen, dass eine vier bis acht Jahre zurückliegende Antibiotika-Einnahme mit der heutigen Zusammensetzung des Darmmikrobioms einer Person zusammenhängt. Selbst eine einzige Behandlung mit bestimmten Antibiotika hinterlässt Spuren“, sagte Dr. Gabriel Baldanzi von der Universität Uppsala.

Diese Antibiotika verändern die Darmflora besonders stark

Die Studie zeigt auch: Der Einfluss auf das Mikrobiom hängt stark vom Wirkstoff ab. Einige Antibiotika führten zu besonders deutlichen Veränderungen der Darmflora. Dazu gehörten:

  • Clindamycin
  • Fluorchinolone
  • Flucloxacillin

Andere Wirkstoffe beeinflussten das Mikrobiom deutlich weniger. Das häufig verschriebene Penicillin V war in der Untersuchung nur mit vergleichsweise geringen und kurzfristigen Veränderungen verbunden.

Wie lange hält der Effekt an? Unterschiede je nach Wirkstoff

Verschiedene Antibiotika führten zu deutlich anderen Ergebnissen: Die stärksten Veränderungen verursachten Clindamycin, Fluorchinolone und Flucloxacillin. Das häufig verschriebene Penicillin V war dagegen nur mit geringen und kurzfristigen Veränderungen des Mikrobioms verbunden.

Was die Ergebnisse für Patienten und Ärzte bedeuten

„Wir glauben, dass die Ergebnisse unserer Studie zukünftige Empfehlungen zum Antibiotikaeinsatz verbessern können. Das betrifft insbesondere die Wahl zwischen zwei gleich wirksamen Antibiotika, von denen eines einen geringeren Einfluss auf das Darmmikrobiom hat“, sagte Prof. Tove Fall, Leiterin der Studie.

Fast 15.000 Teilnehmer: So lief die Studie

Die Forschenden haben anhand von Daten aus Arzneimittelregistern und detaillierten Kartierungen des Darmmikrobioms von 14.979 schwedischen Erwachsenen die Mikrobiome von Menschen mit und ohne Antibiotika-Einnahme verglichen. Derzeit sammelt die Forschungsgruppe von etwa der Hälfte der Teilnehmenden eine zweite Probe, um zu untersuchen, ob die Effekte sogar noch länger als acht Jahre zu beobachten sind. 

Quelle: DOI 10.1038/s41591-026-04284-y

WhatsApp Kanal Banner
Medikamente ohne Zuzahlung

Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.

Arzneimitteldatenbank

Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.

Podcast
Podcast-Logo "aponet in 3 Minuten"
Podcast
Beratung

Im Fokus diesmal: Neu angepasste Grippeimpfstoffe für die nächste Saison, Lungenkrebsscreening für…

Krankheiten von A - Z

In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern

nach oben