Reflux und Tinnitus: Studie zeigt deutlich erhöhtes Risiko
Sodbrennen, saures Aufstoßen und Druck im Brustbereich zählen zu den typischen Anzeichen der gastroösophagealen Refluxkrankheit, kurz GERD. Eine Auswertung aus Südkorea bringt nun einen weiteren möglichen Zusammenhang ins Spiel: Menschen mit Reflux entwickeln deutlich häufiger Tinnitus.
Die Forschenden analysierten Gesundheitsdaten von mehr als 700.000 Personen. Darunter waren rund 555.000 Menschen mit diagnostizierter Refluxkrankheit und etwa 155.000 ohne diese Erkrankung. Das Ergebnis fällt klar aus: In der Gruppe ohne Reflux erkrankten jährlich 1,7 von 1000 Personen an Tinnitus. In der Reflux-Gruppe lag dieser Wert bei 14,9 pro 1000. Das entspricht einem mehr als achtfach erhöhten Risiko. Auch nach Berücksichtigung von Faktoren wie Alter, Geschlecht, Einkommen und bestehenden Erkrankungen blieb der Unterschied deutlich. Das Risiko war immer noch mehr als siebenmal so hoch.
Wie Magensäure das Ohr beeinflussen könnte
Die Frage liegt nahe: Wie kann Reflux das Gehör betreffen? Eine mögliche Erklärung liefert die sogenannte Eustachische Röhre. Diese Verbindung zwischen Rachen und Mittelohr sorgt für den Druckausgleich im Ohr. Gelangen saure Bestandteile aus dem Magen bis in diesen Bereich, könnten sie dort Reizungen oder Entzündungen auslösen. Das wiederum kann Strukturen im Ohr beeinträchtigen und Ohrgeräusche begünstigen. Dieser Mechanismus ist noch nicht abschließend geklärt, passt aber zu den beobachteten Zusammenhängen.
Magensäureblocker und Tinnitus: überraschender Befund
Viele Betroffene greifen bei Reflux zu sogenannten Protonenpumpen-Hemmern. Diese Medikamente reduzieren die Magensäure und lindern Beschwerden oft effektiv. Die Studie zeigt jedoch einen unerwarteten Effekt: In der Gruppe der Reflux-Patienten entwickelten 17,2 von 1000 Personen mit Magensäureblockern pro Jahr einen Tinnitus. Ohne diese Medikamente lag der Wert bei 10,8 pro 1000.
Warum dieser Unterschied besteht, ist bislang offen. Denkbar ist, dass neben der Magensäure weitere Prozesse im Körper eine Rolle spielen. Hier besteht noch Forschungsbedarf.
Symptome ernst nehmen und früh handeln
Typische Reflux-Symptome sind:
- Sodbrennen
- saures Aufstoßen
- Schluckbeschwerden
- Druckgefühl im Brustbereich
- chronischer Husten
- morgendliche Heiserkeit
Wenn zusätzlich Ohrgeräusche auftreten, lohnt sich eine ärztliche Abklärung. Je früher die Ursache erkannt wird, desto besser lassen sich Beschwerden gezielt behandeln.
Was Betroffene selbst tun können
Neben medizinischer Behandlung helfen oft einfache Maßnahmen im Alltag:
- kleinere Mahlzeiten und langsames Essen
- wenig Alkohol und fettarme Ernährung
- auf spätes Essen am Abend verzichten
- Oberkörper beim Schlafen leicht erhöht lagern
Diese Schritte können Refluxbeschwerden spürbar reduzieren und damit möglicherweise auch das Risiko für Folgeprobleme senken.
Quelle: DOI 10.1038/s41598-024-81658-7