Tinnitus

ABDATA Pharma-Daten-Service  |  20.03.2026 00:00 Uhr

Tinnitus ist die Wahrnehmung von Geräuschen wie Pfeifen, Rauschen oder Klingeln, obwohl keine äussere Schallquelle vorhanden ist. Die Ohrgeräusche können einseitig oder beidseitig auftreten, unterschiedlich laut sein und in der Dauer variieren. Bestehen sie länger als drei Monate, spricht man von chronischem Tinnitus.

Inhaltsverzeichnis

Krankheitsbild

Es gibt zwei Formen des Tinnitus. Beim subjektiven Tinnitus nehmen Betroffene Töne wahr, die nur für sie selbst hörbar sind. Die Ohrgeräusche entstehen, ohne dass es eine äussere oder durch den Körper verursachte Schallquelle gibt. Sie ist die häufigste Tinnitus-Form. Seltener ist ein objektiver Tinnitus: Dabei entsteht das Geräusch durch Vorgänge im Körper, etwa durch Blutgefässe oder Muskeln im Ohr oder in der Nähe des Ohres; manchmal kann es dann auch von aussen nachweisbar sein. Ein Tinnitus kann dauerhaft bestehen oder nur zeitweise auftreten.

Symptome / Verlauf

Typisch sind Pfeifen, Piepen, Zischen oder Rauschen. Manche Betroffene hören auch ein pulsierendes Pochen im Takt des Herzschlags. Häufig fällt Tinnitus besonders in ruhiger Umgebung auf, etwa nachts. Mit zunehmendem Alter tritt er häufiger auf, oft zusammen mit Hörminderung. Chronischer Tinnitus wird in Schweregrade eingeteilt: Während viele Menschen nur wenig beeinträchtigt sind, leiden andere stark. Sie haben dann oft zusätzlich zu den Ohrgeräuschen auch Schlafprobleme, innere Unruhe oder Angst. In ausgeprägten Fällen kann Tinnitus den Alltag erheblich belasten.

Folgen / Komplikationen

Tinnitus ist meist nicht gefährlich, kann aber die Lebensqualität deutlich einschränken. Häufige Folgen sind Konzentrationsprobleme, Schlafstörungen und erhöhte Stressbelastung. Manche Betroffene entwickeln Ängste oder depressive Beschwerden. Ein pulsierender Tinnitus sollte ärztlich abgeklärt werden, weil dabei seltener auch Gefässveränderungen als Ursache infrage kommen können.

Ursachen / Risikofaktoren

Tinnitus kann verschiedene Auslöser haben. Beim objektiven Tinnitus lässt sich die Ursache oft finden, zum Beispiel Veränderungen an Gefässen, eine offene Ohrtrompete (Eustachische Röhre) oder selten gutartige Tumoren in Gefässnähe. Beim subjektiven Tinnitus findet sich oft keine klare Ursache. Vermutet wird eine Fehlverarbeitung von Signalen im Hörsystem, zum Beispiel dass Haarzellen im Innenohr elektrische Impulse an das Gehirn weiterleiten, obwohl keine Schallquelle vorhanden ist. Auch eine fehlerhafte Funktion in bestimmten Bereichen des Gehirns wird diskutiert.
Als mögliche Auslöser und Verstärker gelten unter anderem anhaltender Lärm, Knallereignisse, altersbedingte Schwerhörigkeit, Ohrenerkrankungen oder ein verstopfter Gehörgang durch Ohrenschmalz. Auch bestimmte Medikamente können Tinnitus auslösen oder begünstigen. Stress, Schlafmangel, Muskelverspannungen sowie Probleme im Kiefergelenk können das Auftreten begünstigen.

Das kann helfen

Das macht der Arzt: Bei anhaltendem oder belastendem Tinnitus wird zunächst geprüft, ob eine behandelbare Ursache vorliegt. Dazu gehören Untersuchungen des Ohres und Hörtests. Je nach Verdacht können auch bildgebende Verfahren eingesetzt werden, besonders bei pulsierendem Tinnitus. Standardisierte Fragebögen helfen, die Belastung einzuschätzen.
Tritt Tinnitus plötzlich auf und geht mit Hörminderung einher, kann eine Behandlung ähnlich wie beim Hörsturz mit Corticosteroiden erfolgen. Bei chronischem subjektivem Tinnitus gilt die kognitive Verhaltenstherapie als eine der wenigen gut belegten Massnahmen. Liegt auch ein Hörverlust vor, können Hörgeräte, bei starker Schwerhörigkeit auch Cochlea-Implantate, helfen und den Tinnitus häufig mit lindern. Arzneimittel können sinnvoll sein, wenn zusätzlich Depressionen oder Angststörungen behandelt werden müssen.
Das kann man selbst tun: Wichtig ist, das Gehör vor Lärm zu schützen, zum Beispiel durch Gehörschutz bei lauter Musik auf Konzerten oder bei Lärm am Arbeitsplatz. Generell schützt es die Ohren, Musik nicht zu laut zu hören. Viele Betroffene profitieren ausserdem davon, Stress zu reduzieren und den Schlaf zu verbessern, da Anspannung und Müdigkeit Tinnitus oft verstärken. Entspannungsverfahren, regelmässige Bewegung und eine gute Schlafhygiene können unterstützend wirken.Quellenangabe:
Nagel, Gürkov, Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Elsevier (Urban & Fischer), (2009), 2. Auflage

Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.

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