Darmflora bei Reizdarm: Weniger Vielfalt als bei Gesunden
Ein koreanisches Forschungsteam hat bei Menschen mit Reizdarmsyndrom eine geringere Bakterienvielfalt im Darm festgestellt. Insgesamt analysierten die Wissenschaftler Daten von 576 Patienten und 487 gesunden Kontrollpersonen. Dabei kombinierten sie eigene Untersuchungsergebnisse mit neun weiteren Datensätzen.
Das Ergebnis: Die Zusammensetzung des Mikrobioms – also der Gesamtheit aller Darmbakterien – unterscheidet sich messbar. Konkret variierte die Häufigkeit von 21 Bakterienarten zwischen erkrankten und gesunden Personen. Die koreanische Analyse liefert erstmals belastbare Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen Reizdarmsyndrom und verminderter mikrobieller Vielfalt. Die Ergebnisse erschienen in der Fachzeitschrift „Microbiology Spectrum“.
Was bedeutet eine geringere Bakterienvielfalt?
Eine vielfältige Darmflora gilt als Zeichen für einen stabilen, widerstandsfähigen Darm. Je mehr unterschiedliche Bakterienarten vorhanden sind, desto besser kann das Mikrobiom wichtige Aufgaben erfüllen – etwa die Verdauung unterstützen, das Immunsystem regulieren und Krankheitserreger in Schach halten.
Eine reduzierte Vielfalt könnte darauf hindeuten, dass das Gleichgewicht im Darm gestört ist. Fachleute sprechen hier von einer sogenannten Dysbiose. Ob diese Störung jedoch die Ursache für das Reizdarmsyndrom ist oder erst infolge der Erkrankung entsteht, bleibt offen. Prof. Dr. Jung Ok Shim vom Korea University College of Medicine in Seoul betont: „Funktionsstudien sind erforderlich, um zu herauszufinden, ob die Veränderung zur Entwicklung eines Reizdarmsyndroms beiträgt.“
Nicht jeder Reizdarm ist gleich
Gleichzeitig zeigen aktuelle Studien, dass die Lage komplexer ist, je nachdem welcher Reizdarm-Typ vorliegt, beispielsweise ob eher Durchfall oder Verstopfung vorherrscht. Aktuelle Untersuchungen fanden deutliche Unterschiede in der Gesamt-Diversität der Darmbakterien zwischen Patienten und Gesunden. Verändert waren je nach Reizdarm-Typ aber auch das Vorkommen einzelner Bakterienarten und bakterieller Stoffwechselprodukte.
Die Mikrobiom-Veränderungen unterscheiden sich je nach Subtyp deutlich. Das bedeutet: Nicht jede Form des Reizdarms geht automatisch mit insgesamt weniger Bakterienarten einher. Entscheidend könnten eher funktionelle Veränderungen sein – also was die vorhandenen Bakterien im Darm tatsächlich leisten.
Hat das Auswirkungen auf die Therapie des RDS?
Die aktuelle Studienlage stärkt die Annahme, dass das Mikrobiom eine wichtige Rolle beim Reizdarmsyndrom spielt. Auch wenn noch nicht klar ist, ob die veränderte Darmflora Ursache oder Folge der Erkrankung ist, eröffnet die Forschung neue Perspektiven. Auch die ärztlichen Behandlungsleitlinien tragen dem Rechnung und empfehlen Therapien mit bestimmten Probiotika.
Reizdarmsyndrom: Häufig, aber noch immer rätselhaft
Das Reizdarmsyndrom zählt zu den häufigsten Magen-Darm-Erkrankungen. Typische Symptome sind:
- Blähungen
- Durchfall oder Verstopfung
- Bauchschmerzen und -krämpfe
Die Beschwerden können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Trotzdem weiß die Forschung bislang wenig über die genauen Ursachen.
Diskutiert werden verschiedene Faktoren: Neben einer veränderten Darmflora könnten akute bakterielle Darmentzündungen eine Rolle spielen. Solche Infektionen könnten eine anhaltende, leichte Entzündung der Darmwand auslösen und damit langfristig Beschwerden begünstigen. Eine eindeutig wirksame Standardtherapie gibt es bisher nicht. Die Behandlung richtet sich meist nach den individuellen Symptomen.
Quellen: DOI 10.1128/spectrum.02125-22 | 10.3389/fmicb.2025.1617288 | 10.1007/s12664-025-01845-w