Asparagusinsäure: Warum der Urin nach Spargel riecht, aber manche das nicht bemerken

Rüdiger Freund  |  11.04.2026 13:11 Uhr

Wer Spargel isst, merkt es oft schnell: Der Urin riecht plötzlich anders. Die Antwort auf dieses Rätsel liegt nicht im Kochtopf, sondern in der Biochemie. Sie hat mit einer Substanz mit dem Namen Asparagusinsäure zu tun.

Junge Frau hält je ein Bündel grünen und weißen Spargel in die Höhe.
Jedes Jahr um Frühling wird Spargel in verschiedenen Qualitäten und Farben angeboten.
© miriam-doerr/iStockphoto

Die Ursache für den Spargel-Geruch im Urin

Die besondere Geruchsbildung im Urin nach dem Verzehr von Spargel geht auf eine schwefelhaltige Verbindung zurück, die in den Spargelstangen enthalten ist: die sogenannte Asparagusinsäure oder auch Asparagussäure. Sobald der Körper sie verstoffwechselt, entstehen flüchtige Schwefelverbindungen – und genau die sind für den charakteristischen, oft als faulig oder scharf beschriebenen Geruch verantwortlich. Solche intensiven Gerüche schwefelhaltiger Verbindungen kennt man zum Beispiel auch von faulen Eiern, vom Knoblauch oder dem Sekret des Stinktiers. 

Warum der Geruch schon nach 30 Minuten entsteht

Die Umwandlung der Asparagusinsäure erfolgt sehr schnell – teils schon 15 bis 30 Minuten nach dem Verzehr. Die dabei gebildeten Schwefelverbindungen treten beim Wasserlassen direkt in Kontakt mit Luft, wodurch der Geruch besonders intensiv wird. 

Nicht jeder riecht es: Gene entscheiden mit

Interessanterweise ist nicht jeder Mensch in der Lage, den „Spargelduft“ wahrzunehmen. Laut den Ergebnissen einer bereits 2010 veröffentlichten Studie hängt das mit dem Erbgut zusammen. Danach wirkt sich die Veränderung im Gen eines Geruchsrezeptors darauf aus, ob Menschen Spargelstoffe im Urin riechen können oder nicht. Etwa 40 bis 50 Prozent der Menschen sind demnach nicht dazu in der Lage. Sie riechen nichts, obwohl ihr Körper die Stoffe ausscheidet.

Spargel-Urin: Harmlos oder ein Warnsignal?

Manch einer isst wegen des als übelriechend empfundenen Uringeruchs gar keinen Spargel. Wissenschaftlich betrachtet ist der Spargelurin jedoch ein völlig normales, harmloses Phänomen, das zeigt, wie unterschiedlich Menschen Gerüche wahrnehmen und Nahrungsbestandteile verstoffwechseln. 

Quellen: 
DOI 10.1093/chemse/bjq081 
DOI 10.3109/00498258709047166 

 

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