Mal fehlt der Fiebersaft, mal ein wichtiges Antibiotikum: Lieferengpässe bei Medikamenten sind seit einigen Jahren Alltag in Deutschland. Für Patienten bedeutet das oft Unsicherheit. Eine Apothekerin erklärt, warum das Problem wächst und wie man damit umgehen kann.

„Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht mehrmals mit Lieferengpässen zu tun haben.“ Für Kathrin Luboldt, Apothekerin und Vizepräsidentin der Apothekerkammer Nordrhein, gehört das Problem längst zum Alltag. Betroffen sind nicht nur seltene Arzneien, sondern auch Standardmedikamente wie Blutdruckmittel oder Schilddrüsenpräparate.
Die Gründe liegen vor allem in globalen Lieferketten. Viele Wirkstoffe werden in wenigen Fabriken, oft in Asien, produziert. Fällt dort eine Produktion aus, spüren das Apotheken in Deutschland sofort. Dazu kommen Transportprobleme und geopolitische Krisen.
Neben globalen Faktoren spielt auch die Preisgestaltung eine Rolle. „Wenn in Deutschland eine Packung Antibiotika gerade mal so viel wie ein Kaugummi kostet, darf man sich nicht wundern, wenn hier zu wenig davon ankommt“, erklärt die Apothekerin aus Dinslaken. Rabattverträge der Krankenkassen setzen Hersteller unter Druck. Die Folge: Produktion wandert ab, Lieferengpässe nehmen zu.
Ein Beispiel zeigt die Schieflage: Während der Pandemie. als Kinderfiebersäfte hier knapp waren, gab es sie im Nachbarland Tschechien ausreichend – schlicht, weil dort bessere Preise erzielt wurden.
Für Apotheken bedeutet das viel Zusatzarbeit. Luboldt: „Wir telefonieren täglich mit Arztpraxen, um Ersatzpräparate abzustimmen.“ Gleichzeitig müssen Patienten oft warten oder auf Alternativen umsteigen. Besonders schwierig sei das laut der Apothekerin für chronisch Kranke oder Familien mit kleinen Kindern.
Trotz aller Probleme können Patienten vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Wer Medikamente regelmäßig braucht, besorgt sich am besten frühzeitig ein Rezept beim Arzt. Luboldt empfiehlt, nicht erst bis zur letzten Tablette zu warten. So bleibe im Fall von Lieferproblemen der Apotheke genug Zeit, Alternativen zu organisieren.
Langfristig sind strukturelle Lösungen nötig. Luboldt: „Wir brauchen eine breitere Produktion in Europa, auch wenn das teurer ist.“ Zudem bessere Preise für wichtige Arzneimittel und weniger Bürokratie für die Apotheken, um bei Engpässen schneller auf Alternativen ausweichen zu können.
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