Medikamenten-Lieferengpässe: Wo die Ursachen liegen und was Patienten tun können

Rüdiger Freund  |  13.04.2026 10:01 Uhr

Mal fehlt der Fiebersaft, mal ein wichtiges Antibiotikum: Lieferengpässe bei Medikamenten sind seit einigen Jahren Alltag in Deutschland. Für Patienten bedeutet das oft Unsicherheit. Eine Apothekerin erklärt, warum das Problem wächst und wie man damit umgehen kann.

Kathrin Luboldt, Vizepräsidentin der Apothekerkammer Nordrhein
Kathrin Luboldt, Vizepräsidentin der Apothekerkammer Nordrhein, managt täglich in ihrer Apotheke die Folgen von Lieferengpässen.
© Oliver Nauditt

Warum Medikamente plötzlich fehlen

„Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht mehrmals mit Lieferengpässen zu tun haben.“ Für Kathrin Luboldt, Apothekerin und Vizepräsidentin der Apothekerkammer Nordrhein, gehört das Problem längst zum Alltag. Betroffen sind nicht nur seltene Arzneien, sondern auch Standardmedikamente wie Blutdruckmittel oder Schilddrüsenpräparate.

Die Gründe liegen vor allem in globalen Lieferketten. Viele Wirkstoffe werden in wenigen Fabriken, oft in Asien, produziert. Fällt dort eine Produktion aus, spüren das Apotheken in Deutschland sofort. Dazu kommen Transportprobleme und geopolitische Krisen.

Preisdruck als hausgemachtes Problem

Neben globalen Faktoren spielt auch die Preisgestaltung eine Rolle. „Wenn in Deutschland eine Packung Antibiotika gerade mal so viel wie ein Kaugummi kostet, darf man sich nicht wundern, wenn hier zu wenig davon ankommt.“ Rabattverträge der Krankenkassen setzen Hersteller unter Druck. Die Folge: Produktion wandert ab, Lieferengpässe nehmen zu.

Ein Beispiel zeigt die Schieflage: Während der Pandemie. als Kinderfiebersäfte hier knapp waren, gab es sie im Nachbarland Tschechien ausreichend – schlicht, weil dort bessere Preise erzielt wurden.

Belastung für Apotheken und Patienten

Für Apotheken bedeutet das viel Zusatzarbeit. Luboldt: „Wir telefonieren täglich mit Arztpraxen, um Ersatzpräparate abzustimmen.“ Gleichzeitig müssen Patienten oft warten oder auf Alternativen umsteigen. Besonders schwierig sei das laut der Apothekerin für chronisch Kranke oder Familien mit kleinen Kindern.

Was Patienten jetzt tun können

Trotz aller Probleme können Patienten vorbeugende Maßnahmen ergreifen. Wer Medikamente regelmäßig braucht, besorgt sich am besten frühzeitig ein Rezept beim Arzt. Luboldt empfiehlt, nicht erst bis zur letzten Tablette zu warten. So bleibe im Fall von Lieferproblemen der Apotheke genug Zeit, Alternativen zu organisieren.

Was sich ändern muss

Langfristig sind strukturelle Lösungen nötig. Luboldt: „Wir brauchen eine breitere Produktion in Europa, auch wenn das teurer ist.“ Zudem bessere Preise für wichtige Arzneimittel und weniger Bürokratie für die Apotheken, um bei Engpässen schneller auf Alternativen ausweichen zu können.

WhatsApp Kanal Banner
Medikamente ohne Zuzahlung

Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.

Arzneimitteldatenbank

Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.

Podcast
Podcast-Logo "aponet in 3 Minuten"
Podcast
Beratung

Im Fokus diesmal: Ein neues, hochwirksames Blutdruckmittel, die richtige Kaffeemenge für die Psyche…

Krankheiten von A - Z

In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern

nach oben