Angstsörungen gehören in Deutschland zu den häufigsten psychischen Erkrankungen. Rund 15 Prozent der Bevölkerung leiden daran. Dazu gehören auch spezifische Phobien. Professorin Jill Ehrenreich-May vom Fachbereich Psychologie der Universität Miami beantwortet 5 wichtige Fragen zum Thema – und wie sich schon bei Kindern gegensteuern lässt.
1. Was ist eine Phobie?
Eine Phobie ist eine starke Angst vor einem Objekt oder einer Situation, die in einem Missverhältnis zur tatsächlichen Bedrohung steht. Sie führt oft zu einer Kampf-oder-Flucht-Reaktion, zu Paniksymptomen und Vermeidungsverhalten. Um eine Phobie handelt es sich, wenn die Angst und die damit verbundenen Verhaltensweisen das Leben einer Person beeinträchtigen.
2. Kann eine Phobie durch ein traumatisches Ereignis ausgelöst werden?
Das kommt vor, ist aber längst nicht immer der Fall. Wenn zum Beispiel jemand einen Autounfall hatte oder in einem Aufzug eingeschlossen war und große Angst hatte, können daraus spezifische Ängste und eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) entstehen. Allerdings entstehen nicht alle Phobien durch ein traumatisches Ereignis.
3. Können Phobien vererbt werden?
Aus genetischer Sicht ist es unwahrscheinlich, dass man eine Phobie erbt. Wenn ein Elternteil jedoch ein vermeidendes Verhalten gegenüber einem Objekt oder einer Situation vorlebt, können Kinder dies übernehmen. Auch bestimmte Persönlichkeitsmerkmale können mit den Eigenschaften der Eltern zusammenhängen. Manche Menschen neigen beispielsweise dazu, sich Sorgen zu machen und Situationen als gefährlicher wahrzunehmen, als sie tatsächlich sind.
4. Welche Phobien sind in Ihrer Forschungsklinik am häufigsten?
Wir sehen viele Phobien, von Kostümfiguren über Insekten bis hin zum Fliegen und vielem mehr. Die Kinder, die wir behandeln, vermeiden so vieles oder auf so bestimmte Weise, dass es ihr Leben beeinträchtigt.
Trotzdem ist es normal, dass Kinder vor vielen Dingen Angst haben. In der frühen Entwicklung sind solche Ängste sehr häufig. Je mehr Kinder die Welt kennenlernen, desto besser können sie Situationen einschätzen und sagen: „Die Clowns sehen vielleicht gruselig aus, aber sie tun mir nichts. Sie wollen mich nur zum Lachen bringen.“ Es kommt nicht oft vor, dass sich diese frühen Ängste zu beeinträchtigenden Phobien entwickeln.
5. Wie behandelt man Phobien?
Die effektivsten Behandlungsmethoden sind die kognitive Verhaltenstherapie und die Konfrontationstherapie. In der Therapie arbeiten wir daran, uns den Ängsten zu nähern, die die Kinder bisher vermieden haben. Wir helfen ihnen, unangenehme Körperempfindungen besser zu tolerieren, damit sie länger in der Situation bleiben.
Wir hinterfragen Überzeugungen, die sie im Laufe der Zeit entwickelt haben. Wir konfrontieren sie oft schrittweise mit Dingen, vor denen sie bisher Angst hatten, bis sie sich sicherer fühlen.
Der wichtigste Aspekt einer erfolgreichen Behandlung ist die Erkenntnis, dass man bei Angst mit Unbehagen umgehen kann, solange man sich in Sicherheit befindet.