Wer rohes Gemüse, frische Kräuter oder Beeren isst, denkt meist an Vitamine und gesunde Ernährung. Genau diese Lebensmittel können jedoch unter ungünstigen Bedingungen einen Darmparasiten übertragen. Eine Ansteckung ist zwar selten, die Beschwerden können aber über Wochen anhalten.
Warum Cyclospora so ungewöhnlich ist
In den USA registrierte die Seuchenschutzbehörde CDC zwischen Anfang Mai und Mitte Juli bereits 843 laborbestätigte Infektionen mit Cyclospora cayetanensis. 86 Betroffene mussten im Krankenhaus behandelt werden. Die Behörde prüft derzeit mehr als 1.500 weitere Verdachtsfälle. Eine gemeinsame Infektionsquelle wurde bislang nicht gefunden.
Der Parasit gelangt meist über verunreinigtes Wasser auf Obst, Gemüse oder Kräuter. Anders als viele andere Durchfallerreger wird er nicht direkt von Mensch zu Mensch übertragen. Erst nach einer mehrtägigen Reifung in der Umwelt werden die ausgeschiedenen Parasiten infektiös.
Diese Beschwerden sind typisch
Nach einer Inkubationszeit von meist etwa einer Woche treten häufig plötzlich starke, wässrige Durchfälle auf. Dazu kommen oft:
- Bauchkrämpfe und Blähungen
- Übelkeit und Appetitlosigkeit
- Müdigkeit und Gewichtsverlust
- gelegentlich Fieber sowie Muskel- und Gliederschmerzen
Vor allem der langwierige Verlauf ist typisch. Ohne Behandlung können die Beschwerden mehrere Wochen bestehen bleiben.
Welche Lebensmittel besonders betroffen sind
Bei früheren Ausbrüchen standen vor allem Lebensmittel auf dem Speiseplan, die roh gegessen werden:
- frische Kräuter wie Basilikum oder Koriander
- Blattsalate
- Himbeeren und andere Beeren
- Zuckererbsen
- Frühlingszwiebeln und Kohl
Eine Verunreinigung lässt sich weder sehen noch riechen oder schmecken. Sicher bekämpfen lassen sich die Parasiten nur durch das Abkochen der Nahrungsmittel.
Wie groß ist das Risiko in Deutschland?
Für Deutschland gibt es derzeit keine Hinweise auf einen größeren Ausbruch. Dennoch beobachten Fachleute die Entwicklung aufmerksam. Frische Kräuter, Salate, Beeren und Gemüse werden ganzjährig aus vielen Ländern importiert. Außerdem können Reisende den Parasiten aus tropischen und subtropischen Regionen mitbringen.
Hinzu kommt ein weiteres Problem: Cyclospora wird in Deutschland nicht routinemäßig gesucht. Normale Stuhluntersuchungen erfassen den Erreger oft nicht. Bestehen nach einer Reise oder nach länger anhaltenden Durchfällen entsprechende Beschwerden, sollte der behandelnde Arzt gezielt an Cyclospora denken und das Labor darauf hinweisen.
Auch Europa registriert inzwischen vereinzelt lokal erworbene Infektionen. Eine aktuelle Übersichtsarbeit beschreibt entsprechende Fälle aus mindestens 16 europäischen Ländern. Die Autoren sehen Cyclospora deshalb als einen lebensmittelbedingten Parasiten, dessen Bedeutung auch in Europa zunimmt.
Quellen: CDC Überwachung von Cyclosporiasis
DOI 10.1016/j.foodcont.2026.112381