Krankheitsbild
Amöbenruhr oder Amöbiasis ist eine Infektion des Dickdarms mit dem einzelligen Parasiten Entamoeba histolytica. Der Parasit kommt weltweit vor. Das Infektionsrisiko ist aber in tropischen und subtropischen Regionen mit schlechten sanitären Bedingungen am grössten.
Symptome / Verlauf
Etwa 90 Prozent der Infizierten entwickelt keine Symptome. Sie scheiden die Parasiten dann aber weiterhin ohne Anzeichen einer Erkrankung mit dem Stuhl aus, so dass sich andere infizieren können. Dringen die Parasiten in die Darmwand ein, kann es zu Darmentzündungen mit blutig-schleimige Durchfällen kommen. Symptome können sein:
- Durchfall mit Schleim und sichtbarem Blut
- Bauchschmerzen
- Bauchkrämpfe
- Druckempfindlichkeit im Oberbauch
- Fieber
Folgen / Komplikationen
Bei schweren Verläufen kommt es zu starkem Durchfall mit Schleim und Blut. Schwere Bauchschmerzen und Fieber sind ebenfalls möglich. Manchmal gehen die Parasiten auch in die Blutbahn über und erreichen auf diesem Weg auch andere Organe, am häufigsten die Leber. Dort bilden sie Abszesse, sogenannte Amöbenleberabszesse. Deutlich seltener breiten sich die Amöben zu anderen Organen aus, wie Lunge oder Gehirn. Ein Abszess, der sich in die Bauchhöhle ergiesst, oder ein Darmdurchbruch aufgrund eines Darmgeschwüres können zu einer Bauchfellentzündung führen, die eine schwere Komplikation darstellt.
Ursachen / Risikofaktoren
Die Infektion erfolgt durch das Verschlucken von Zysten. Dabei handelt es sich um Dauerstadien der Amöben. Die Aufnahme der Zysten kann über kontaminiertes Wasser oder Nahrungsmitteln geschehen. Die Keime können aber auch durch den Kontakt mit Oberflächen oder mit Fäkalien einer infizierten Person aufgenommen werden und in den Mund gelangen. Aus den Zysten schlüpfen im Darm die aktiven Formen des Parasiten, die sogenannten Trophozoiten. Diese besiedeln den oberen Dickdarm.
Die Parasiten vermehren sich und verursachen Geschwüre im Darm. Sie können sich aber auch bis zur Leber ausbreiten oder, in seltenen Fällen, auch andere Körperregionen erreichen.
Das kann helfen
Das macht der Arzt: Die Therapie besteht in einem Mittel, das Amöben abtötet. Mit einem Mittel allein werden meist nicht alle Formen der Amöben abgetötet. Deshalb wird häufig noch ein zweites Medikament eingesetzt, das sich gegen verbleibende Zysten richtet.
Das kann man selbst tun: Eine gute Händehygiene beugt einer Infektion vor. Gleiches gilt für Reisehinweise für Regionen mit schlechten hygienischen Bedingungen. Hier gilt: nur abgekochte Lebensmittel essen und auf Wasser, Eiswürfel, Salat oder rohes Gemüse sowie ungeschältes Obst verzichten. Bei Durchfall, sollte man darauf achten, verlorengegangene Flüssigkeit und Elektrolyte zu ersetzen.
Quellenangaben:
Hahn, Kaufmann, Schulz, Suerbaum, Medizinische Mikrobiologie und Infektiologie, Springer, (2009), 6.Auflage - Herold, Innere Medizin, Herold, (2011)
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.