Arzneimittel

Abnehmspritze: „Da setzt dann der Klorollen-Effekt ein“

KFL  |  23.02.2024

Die sogenannte Abnehmspritze erfährt medial gerade große Aufmerksamkeit. Auf der diesjährigen Jahrespressekonferenz der Deutschen Diabetes Gesellschaft sprachen Experten über daraus resultierende Lieferengpässe und Gefahren bei der Versorgungssicherheit von Arzneimitteln.

Ärztin mit übergewichtigen Patientin.
Seit einiger Zeit können Ärzte bei Übergewicht ein Medikament zum Abnehmen verschreiben, das zuvor nur bei Diabetes zuglassen war.
© nortonrsx/iStockphoto

Inkretinhormone stellen eine Medikamentengruppe dar, die schon seit Jahren erfolgreich in der Diabetes-Therapie eingesetzt wird. Die Wirkstoffe verbessern die Blutzuckerwerte, wirken positiv auf Herz und Niere und helfen beim Abnehmen. Gerade dieser Effekt – erreicht werden kann eine Gewichtsreduktion von durchschnittlich bis zu 20 Prozent in sechs Monaten – macht sie für viele interessant. Auch weil US-amerikanische Prominente die Präparate als Lifestyle-Medikamente nutzten und in Deutschland die Zulassung eines Inkretinhormons für die Behandlung von starkem Übergewicht (Adipositas) erfolgte. Dieses Medikament wurde daraufhin immer gefragter und knapper. „Sobald ein solches Thema groß in den Medien erscheint, setzt der Klorollen-Effekt ein“, erklärt Professor Dr. Martin Schulz, Apotheker und Geschäftsführer Arzneimittel der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V. (ABDA), die Hamsterkäufe. Wird ein Gut knapp, versuchen Menschen, die restlichen Vorräte zu sichern. Laut dem Experten wurden auch der verbotene Gebrauch außerhalb der Zulassung, unübliche Verordnungen zum Beispiel auf Privatrezept oder gefälschte Rezepte verzeichnet. Auch Probleme mit dem Schwarzmarkt und gefährliche Fälschungen kamen hinzu.

All dies führte bereits im Jahr 2023 zu massiven Lieferengpässen: „Diese werden im Jahr 2024 bestehen bleiben“, ist sich Schulz sicher. „Auch das Ausweichen auf andere Präparate ist meist keine Alternative. Alle sind von Lieferengpässen betroffen.“ Für Apotheken bedeutet das Beschaffen von am Markt erhältlichen Medikamenten erheblichen Mehraufwand. Ein Lösungsansatz sei, dass die Pharmaunternehmen teilweise ihre Produktion umstellen. Außerdem würden möglichst wenige Menschen neu mit den Medikamenten eingestellt, um die Versorgung derer, die das Produkt bereits bekommen, sicherzustellen. „Ich habe aber dennoch von Menschen gehört, die über hundert Kilometer fahren, um ihr Medikament in einer Apotheke zu bekommen“, beschreibt Schulz die angespannte Situation. Eine gute Nachricht hatte der Apotheker aber: „Gefälschte Produkte, wie beispielsweise in Österreich, sind in Deutschland nicht aufgetaucht.“ Auch gebe es derzeit keinen Hinweis, um am deutschen Sicherheitssystem für Arzneimittel securPharm zu zweifeln.

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