Risikoreduktion von mehr als 30 Prozent möglich
Erwachsene sollten laut der neuen Beobachtungsstudie aus Großbritannien pro Woche etwa 560 bis 610 Minuten moderaten bis intensiven Sport treiben – also rund neun bis zehn Stunden. Das entspricht etwa dem Drei- bis Vierfachen der aktuellen Empfehlungen. Diese sehen vor, dass Erwachsene sich mindestens 150 Minuten pro Woche bewegen, etwa durch schnelles Gehen, Laufen oder Radfahren. Damit senkte sich das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in der Studie um 8 bis 9 Prozent. Das war für alle Fitnesslevel gleich. Für einen deutlich stärkeren Schutz mit einer Risikoreduktion von mehr als 30 Prozent waren jedoch zwischen 560 und 610 Minuten Bewegung nötig.
Fitnesslevel entscheidet über Trainingseffekt
Die Studie deutet außerdem darauf hin, dass Menschen mit geringerer Fitness mehr Sport treiben müssen als sehr fitte Personen, um denselben gesundheitlichen Nutzen zu erzielen. Personen mit niedriger Fitness benötigten demnach etwa 30 bis 50 Minuten mehr Bewegung pro Woche als Menschen mit guter Fitness, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen vergleichbar zu senken. Um das Risiko beispielsweise um 20 Prozent zu reduzieren, waren bei geringer Fitness rund 370 Minuten Bewegung pro Woche nötig, bei guter Fitness etwa 340 Minuten.
VO2max als wichtiger Marker
Die Forscher werteten Daten von mehr als 17.000 Britinnen und Briten aus. Als Maß für die kardiorespiratorische Fitness diente der VO2max-Wert – also die maximale Sauerstoffmenge, die der Körper bei intensiver Belastung aufnehmen und verwerten kann. Er zeigt, wie effizient Herz, Lunge und Muskeln Sauerstoff bereitstellen und nutzen. Die kardiorespiratorische Fitness gilt als wichtiger Indikator für die Herz-Kreislauf-Gesundheit: Eine geringe kardiorespiratorische Fitness steht in engem Zusammenhang mit erhöhtem Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle und einen vorzeitigen Tod, betonen die Forscher.
Aktuelle Empfehlungen bleiben wichtig
Die Forscher betonen allerdings, dass es sich um eine Beobachtungsstudie handelt. Eindeutige Aussagen über Ursache und Wirkung seien daher nicht möglich. Die aktuellen Leitlinien böten weiterhin einen soliden Basisschutz für das Herz-Kreislauf-System. Zusätzliche, stärker individualisierte Empfehlungen könnten jedoch helfen, Menschen gezielter zu mehr Bewegung zu motivieren.
DOI 10.1136/bjsports-2025-111351