Überblick
Ein Herzinfarkt (Myokardinfarkt) entsteht, wenn ein Herzkranzgefäß plötzlich verschlossen ist und der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Jedes Jahr erleiden in Deutschland über 200.000 Menschen einen Herzinfarkt – viele davon zum ersten Mal. Für Männer ab 55 und Frauen ab etwa 65 Jahren zählt der Herzinfarkt zu den häufigsten Todesursachen.
Bei Männern beginnt der Herzinfarkt meist dramatisch – mit plötzlichem, starken Brustschmerz, der in Arm, Rücken, Hals oder Kiefer ausstrahlen kann. Auch kalter Schweiß, Engegefühl und Angst sind typische Begleitsymptome.
Bei Frauen verläuft der Infarkt oft weniger auffällig. Häufige Beschwerden sind Übelkeit, Atemnot, Erschöpfung, Schlafstörungen oder ein Druckgefühl im Oberbauch. Solche Symptome werden leicht fehlgedeutet – was zu gefährlichen Verzögerungen bei der Behandlung führen kann.
Ein Herzinfarkt ist ein Notfall – schnelles Handeln kann Leben retten. Doch auch die Vorbeugung ist entscheidend: Wer auf Rauchen verzichtet, Bluthochdruck und Cholesterin behandelt, sich regelmäßig bewegt und sich ausgewogen ernährt, kann sein Risiko deutlich senken.
Die Sterblichkeit bei Herzinfarkt ist in den letzten Jahrzehnten gesunken – dank besserer Notfallversorgung, moderner Diagnostik und wirksamer Therapien. Trotzdem zählt jede Minute: Je früher ein Infarkt erkannt und behandelt wird, desto mehr Herzmuskel kann erhalten bleiben.
Symptome eines Herzinfarkts
Ein Herzinfarkt kann sich durch verschiedene Beschwerden bemerkbar machen – bei Männern oft anders als bei Frauen. In jedem Fall gilt: Treten solche Symptome plötzlich auf, sollte sofort der Notruf (112) gewählt werden.
Typische Symptome bei Männern
- Plötzlicher, starker Brustschmerz („wie ein Druck oder Gewicht auf der Brust“)
- Ausstrahlung der Schmerzen in linken Arm, Schulter, Rücken, Hals oder Kiefer
- Kalter Schweiß
- Übelkeit
- Unruhe
- Engegefühl oder Brennen in der Brust
- Angst bis Todesangst
Häufige Symptome bei Frauen
- Atemnot oder Kurzatmigkeit – auch ohne Schmerzen
- Übelkeit, Erbrechen,
- Schwindel oder Schwächegefühl
- Ungewöhnliche Müdigkeit, Schlafstörungen, Erschöpfung
- Druckgefühl oder Ziehen im Oberbauch oder Rücken
- Leichte Schmerzen im Brustbereich, oft ohne Ausstrahlung
Gerade bei Frauen werden diese Anzeichen häufig nicht mit dem Herzen in Verbindung gebracht – die Gefahr, einen Herzinfarkt zu übersehen, ist daher höher. Aber auch bei älteren Menschen und Menschen mit Diabetes kann ein Infarkt ähnliche Beschwerden verursachen. Man spricht dann von einem sogenannten „stillen“ Herzinfarkt.
Verlauf
Herzinfarkte entwickeln sich meist auf dem Boden einer sogenannten koronaren Herzkrankheit (KHK). Diese führt über Jahre hinweg zu Ablagerungen in den Gefäßwänden – sogenannten Plaques. Wenn eine dieser Plaques aufreißt, reagiert der Körper mit einer Art „Wundverschluss“: Ein Gerinnsel entsteht und verstopft das ohnehin verengte Gefäß vollständig.
Binnen Minuten beginnt der Herzmuskel, unter der Sauerstoffunterversorgung zu leiden. Die Zellen sterben ab – ein irreversibler Schaden entsteht. Wird nicht innerhalb der ersten zwei Stunden behandelt, verschlechtert sich die Prognose deutlich. Zu den Spätfolgen zählen Herzschwäche, Rhythmusstörungen und erneute Infarkte.
Wird der Herzinfarkt rechtzeitig erkannt und behandelt, überleben heute rund neun von zehn Betroffenen ihren ersten Herzinfarkt – doch jede Minute zählt. Eine konsequente Nachsorge mit Medikamenten, Bewegungstherapie und Lebensstiländerung senkt das Risiko für Folgeinfarkte.
Ursachen eines Herzinfarkts
Der Herzinfarkt ist keine plötzliche Krankheit, sondern das Ergebnis langjähriger Belastung der Gefäße. Die Ursachen liegen in einem ungesunden Lebensstil, genetischen Veranlagungen und anderen Vorerkrankungen.
Er entsteht meist durch eine Verstopfung eines Herzkranzgefäßes infolge von Arterienverkalkung (Atherosklerose). Dabei lagern sich über Jahre Fette, Kalk und Entzündungszellen in den Gefäßwänden ab. Reißt eine dieser Plaques plötzlich ein, bildet sich ein Blutgerinnsel, das das Gefäß verschließen kann – die Folge: ein Herzinfarkt.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen:
- Bluthochdruck schädigt die Gefäßwände
- Rauchen verengt die Gefäße und fördert die Plaquebildung, bereits eine Zigarette pro Tag ist schädlich
- Erhöhte Blutfette, wie LDL-Cholesterin fördern die Atherosklerose
- Diabetes mellitus schädigt Gefäße und Nerven, weswegen Infarkte oft unbemerkt verlaufen, auch stört er die Blutzuckerregulation und begünstigt Entzündungen
- Übergewicht und Bewegungsmangel fördern Bluthochdruck, Diabetes und Fettstoffwechselstörungen
- Chronischer Stress beeinflusst Blutdruck, Entzündungen und das Herz negativ
- Familiäre Veranlagung besonders bei nahen Angehörigen
- Das Risiko steigt ab einem Alter von 55 Jahren bei Männern und 65 Jahren bei Frauen. Bei ihnen sinkt durch die Wechseljahre der natürliche Schutz vor Atherosklerose – sie holen im Risiko auf, oft ohne es zu merken.
Einige dieser Faktoren – wie Alter oder genetische Veranlagung – lassen sich nicht beeinflussen, viele jedoch schon. Wer Risikofaktoren früh erkennt und behandelt, kann einem Herzinfarkt oft wirksam vorbeugen.
Diagnose
Ein Herzinfarkt ist ein Notfall – deshalb zählt vor allem eins: schnelles Erkennen und Handeln. Schon der Verdacht auf einen Infarkt reicht aus, um sofort den Rettungsdienst (112) zu alarmieren. In der Klinik wird dann mithilfe gezielter Untersuchungen die Diagnose gesichert.
Typische Schritte zur Diagnose:
- Das EKG (Elektrokardiogramm) zeigt typische Veränderungen der Herzströme – oft der erste Hinweis
- Eine Blutuntersuchung kann spezielle Herzwerte wie Troponin nachweisen und anzeigen, ob Herzmuskelzellen geschädigt wurden
- Körperliche Untersuchung von Puls, Blutdruck, Hautfarbe, Atemfrequenz
- Ultraschall (Echokardiografie) zur Beurteilung der Pumpleistung
- Herzkatheteruntersuchung stellt das betroffene Gefäß dar und erlaubt gleichzeitig eine Therapie wie zum Beispiel das Einsetzen eines Stents.
Wichtig: Bei Frauen, älteren Menschen oder Personen mit Diabetes können unklare Beschwerden vorliegen – hier ist eine besonders sorgfältige Abklärung nötig. Denn je früher die richtige Diagnose gestellt wird, desto besser lässt sich der Schaden am Herzen begrenzen.
Behandlung eines Herzinfarkts
Ein Herzinfarkt erfordert eine sofortige medizinische Behandlung, um das verschlossene Gefäß wieder zu öffnen und den Herzmuskel zu retten. Danach geht es um langfristige Herzgesundheit – durch Medikamente, Bewegung, Ernährung und einen bewussten Lebensstil.
Akutbehandlung:
- Notruf 112 wählen – jede Minute zählt!
- In der Klinik erfolgt meist eine Herzkatheteruntersuchung, bei der das verschlossene Gefäß mit einem Ballon erweitert und ein Stent eingesetzt wird.
- Der Stent hält das Gefäß dauerhaft offen.
- Falls dies nicht möglich ist – etwa bei langstreckigen Verschlüssen – kommt eine Bypass-Operation infrage, bei der Umleitungen an den verengten Stellen gelegt werden.
Nach der Akutversorgung folgt die Sekundärprävention:
- Blutverdünner zur Vermeidung neuer Gerinnsel
- Blutdrucksenker, etwa Betablocker oder ACE-Hemmer
- Cholesterinsenkende Medikamente
- Begleitende Reha-Maßnahmen zur körperlichen Stabilisierung
- Psychosoziale Betreuung, etwa nach posttraumatischen Belastungen
Empfehlungen für ein herzgesundes Leben:
- Ausdauertraining wie zügiges Gehen, Radfahren oder Schwimmen – bereits 150 Minuten pro Woche, verteilt auf mehrere Tage verbessern die Durchblutung und senken den Blutdruck und Stresshormone
- Herzgesunde Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Fisch, pflanzlichen Ölen
- Gewichtsreduktion bei Übergewicht kann Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker deutlich verbessern
- Stressabbau durch regelmäßige Entspannung durch Spaziergänge, Meditation, Yoga oder Atemübungen
- Schon wenige Tage nach eine Rauchstopp verbessert sich die Gefäßfunktion
- Alkohol nur in geringen Mengen genießen oder komplett verzichten
Diese Maßnahmen helfen nicht nur nach einem Herzinfarkt, sondern senken auch das Risiko für einen ersten Infarkt deutlich – besonders bei bekannten Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Diabetes oder familiärer Vorbelastung.
Frauen sollten insbesondere in und nach den Wechseljahren ihren Lebensstil überdenken, weil das Infarktrisiko dann deutlich ansteigt. Auch depressive Verstimmungen oder Schlafprobleme sollten nicht bagatellisiert werden – sie können Frühsymptome sein.
Was die Apotheke rät
- Medikamente regelmäßig einnehmen, denn Blutdrucksenker, Cholesterinsenker und Gerinnungshemmer wirken nur zuverlässig bei konsequenter Anwendung.
- Bei neuen Medikamenten (zum Beispiel nach einem Stent) auf Wechselwirkungen und Nebenwirkungen achten – Apothekerinnen und Apotheker beraten dazu diskret und individuell.
- Blutdruck und Blutzucker regelmäßig kontrollieren, vor allem bei bestehender Vorerkrankung.
- Unterstützend können Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl oder Algenöl helfen, den Triglyzeridspiegel zu senken – aber nur ergänzend zur Basistherapie.
- Wer mit dem Rauchen aufhören möchte, kann sich zu Nikotinersatzpräparaten oder pflanzlichen Alternativen beraten lassen – auch das Herz profitiert davon.
- Ernährungsberatung, Bewegungstipps und Entspannungsübungen – viele Apotheken bieten Broschüren oder Kurse zur Herzgesundheit an.
Kurz zusammengefasst
- Ein Herzinfarkt entsteht durch den plötzlichen Verschluss eines Herzkranzgefäßes – schnelles Handeln kann Leben retten.
- Bei Frauen äußert er sich oft anders als bei Männern – etwa durch Atemnot, Übelkeit oder Erschöpfung statt Brustschmerzen.
- Die Diagnose erfolgt im Krankenhaus per EKG, Bluttest und Herzkatheter.
- Zur Vorbeugung helfen Bewegung, herzgesunde Ernährung, Stressabbau und Rauchverzicht.
- Medikamente und ein gesunder Lebensstil senken das Risiko für Folgeinfarkte deutlich.
zuletzt aktualisiert: 18.12.2025
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