Krankheitsbild
Mit Angina drücken Mediziner etwas aus, das mit einem Gefühl der Enge einhergeht. Bei Angina pectoris geht es um ein Engegefühl in der Brust (pectoralis: zur Brust gehörend). Es kann entstehen, wenn der Herzmuskel bei körperlicher Belastung mehr arbeiten muss und dafür wegen Schäden in den Koronargefässen nicht mehr genug sauerstoffreiches Blut erhält. Er ist überlastet. Es treten weitere Symptome wie Brustschmerzen oder Atemnot auf.
Brustschmerzen gibt auch bei anderen Krankheiten, doch sie haben meist nicht den anfallsartigen Charakter einer Angina pectoris-Attacke und andere Auslöser. So treten beispielsweise Schmerzen hinter dem Brustbein auch bei einer Refluxkrankheit auf, doch meist zusammen mit Sodbrennen und nach dem Essen.
Symptome/Verlauf
Typisch für Angina pectoris ist neben dem Gefühl von Brustenge ein schmerzhaftes Brennen, Bohren oder Stechen direkt hinter dem Brustbein. Häufig strahlt der Schmerz in die linke Achsel aus, manchmal bis unter die Elle des linken Arms oder in den Hals bis zum Kinn. Dazu kommen meist Angstgefühle und Atemnot. Manchmal klagen Betroffene auch über Übelkeit und Magenprobleme. Bei Frauen, betagten Patienten oder Diabetikern kann der Schmerz im Brustbereich weniger ausgeprägt sein oder fehlen, Abgeschlagenheit und Atemnot treten in den Vordergrund.
Angina pectoris wird in vier Schwergrade eingeteilt, von Beschwerden nur bei plötzlicher oder stärkerer körperlicher Belastung bis hin zu Symptomen schon in Ruhe. Unterschieden wird insbesondere zwischen der stabilen und der instabilen Angina pectoris.
Bei der stabilen Angina pectoris ereignen sich Attacken, wenn der Herzmuskel vermehrt beansprucht wird, wie bei körperlicher Belastung, Stress, Kälte oder nach einer schweren Mahlzeit. Kommen Betroffene zur Ruhe, verschwinden die Schmerzen in der Regel von allein. Eine Attacke hält zumeist nur wenige Minuten an. Medikamente wie gefässerweiternde Nitropräparate führen rasch zur Linderung. Betroffene können mit der Zeit herausfinden, bei welcher Art und Stärke der Belastung mit Attacken zu rechnen ist.
Von instabiler Angina pectoris sprechen Mediziner, wenn eine Attacke erstmals oder in den ersten Wochen nach einem Infarkt auftritt, wenn die Attacken von Mal zu Mal schwerer verlaufen oder die Beschwerden auch in Ruhe auftreten. Die Attacken sind unberechenbarer, ereignen sich mitunter mehrmals in kurzer Zeit, dauern länger - mehr als 20 Minuten - und Medikamente dagegen wirken schlechter.
Folgen/Komplikationen
Eine instabile Angina pectoris gilt als Warnsignal, dass sehr bald ein Herzinfarkt auftreten könnte, und ist somit ein Notfall.
Ursachen/Risikofaktoren
Hauptursache für Angina pectoris ist eine Koronare Herzkrankheit. Dabei werden Koronararterien, die den Herzmuskel mit sauerstoffreichem Blut versorgen, durch Gefässverkalkung - fachlich Arteriosklerose genannt - an einer Stelle oder an mehreren Stellen eingeengt. In Ruhe reicht die Durchblutung des Herzmuskels meist noch aus, nicht mehr jedoch, wenn er bei körperlicher Anstrengung, Stress, Aufregung, schweren Mahlzeiten, Fieber oder Kälte mehr arbeiten muss.
Ein hohes Risiko für eine Koronare Herzkrankheit, die auch zu Angina pectoris führen kann, haben vor allem Menschen mit Bluthochdruck, ungünstigen Blutfettwerten oder Diabetes, aber auch Raucher und Übergewichtige.
Eine der Sonderformen von Angina pectoris ist die Prinzmetal-Angina. Bei ihr wird die Durchblutung des Herzmuskels durch ein krampfartiges Zusammenziehen des betroffenen Gefässes behindert.
Das kann helfen
Das macht der Arzt:
Kommt es zu Beschwerden, die auf ein Herzleiden hindeuten - Druckgefühl in der Brust, Atemnot bei Belastung, öfters schneller oder unregelmässiger Puls, unerklärliche Schwäche - sollten Betroffene rasch zum Arzt gehen. Erhärtet sich der Verdacht, folgt eine genauere herzmedizinische Untersuchung. Steht die Diagnose einer Koronaren Herzerkrankung fest, werden mit Medikamenten und Verhaltensmassnahmen Risikofaktoren für ein Voranschreiten der Krankheit behandelt. Besteht eine stabile Angina pectoris, bekommen Patienten Hinweise und Medikamente, um bei Attacken richtig reagieren zu können. Je nach Schwere der Koronaren Herzerkrankung wird sie bei Bedarf noch weitgehender behandelt, zum Beispiel mit der Implantation von Blutgefässstützen (Stents) an Blutgefäss-Engstellen. Wichtig sind auch Kontrolluntersuchungen nach ärztlicher Massgabe.
Was man selbst tun kann:
Arteriosklerotisch bedingte Schäden in Blutgefässen bilden sich nur selten zurück, ihr Voranschreiten lässt sich aber verlangsamen. Dazu muss man Bluthochdruck, Diabetes sowie ungünstige Blutfettwerte behandeln und dafür die ärztlich verordneten Medikamente konsequent einnehmen. Betroffene sollten ausserdem nicht rauchen, möglichst wenig oder keinen Alkohol trinken, Stress verringern und Übergewicht abbauen.
Zur Vorbeugung ist zudem eine gesunde - zum Beispiel mediterrane - Ernährung wichtig. Und Betroffene sollten sich viel bewegen. Bei Sport befragt man zuvor am besten die Ärztin oder den Arzt, welche Sportarten sich individuell eignen.
Treten Notfall-Anzeichen auf, muss man den Rettungsdienst (112) rufen. Solche Anzeichen sind:
- starke Schmerzen hinter dem Brustbein, die möglicherweise ausstrahlen
- starkes Engegefühl, heftiger Druck im Brustkorb
- stärkere Luftnot, Atemnot
- kalter Schweiss
- Übelkeit, Erbrechen
- Todesangst
- die Beschwerden halten länger als ein paar Minuten an
- Beschwerden dieser Art treten im Ruhezustand auf
- die Beschwerden halten an, obwohl körperliche Belastungen beendet wurden
- die Beschwerden bleiben trotz Anwendung eines Notfallmedikaments bestehen
Quellenangaben:
Brunkhorst, Schölmerich, Differenzialdiagnostik und Differenzialtherapie, Elsevier (Urban & Fischer), (2010), 1. Auflage - Herold, Innere Medizin, Herold, (2011)
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.