Psychiatrie: Studie spricht für Bewegung als Teil der Standardtherapie

Elisabeth Kerler  |  06.03.2026 08:26 Uhr

Psychisch schwer erkrankte Menschen hatten mit einem Bewegungsprogramm in der Klinik Vorteile für ihre Gesundheit, so eine Übersichtsarbeit.

Ein Mann leitet eine Gruppe von Frauen und Männern verschiedenen Alters bei Sportbewegungen an.
Sport in der Gruppe oder unter Anleitung: Laut der Studie half dieses Format besonders Menschen mit Depressionen.
© Rawpixel/iStockphoto

Menschen mit schweren, psychischen Erkrankungen wie starke Depressionen oder bipolaren Störungen haben eine um zehn bis 20 Jahre niedrigere Lebenserwartung. Das lässt sich laut Autorenteam hauptsächlich auf ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf- sowie Stoffwechsel-Erkrankungen zurückführen. Sollte deshalb Bewegung standardmäßig zur Therapie gehören? Das Team spricht sich in seiner Übersichtsarbeit dafür aus.

Fortschritte bei Depressionen, psychotischen Symptomen, Lebensqualität

Die Übersichtsarbeit fasst die Ergebnisse von Studien und Meta-Analysen zusammen. Dabei berücksichtigten sie nur solche Arbeiten, bei denen es um Personen in Kliniken ging und blickte auch auf die verschiedenen Formate, um Bewegung zu integrieren. Laut der Studie machte, wer strukturierte Bewegung erhielt, moderate bis große Fortschritte bei:

  • Depressionen,
  • psychotischen Symptomen,
  • kognitiver Leistungsfähigkeit,
  • Lebensqualität und
  • Herz-Stoffwechsel-Gesundheit. 

Das Forschungsteam weist darauf hin: Menschen mit Depressionen oder bipolarer Störung haben eine um 30 bis 50 Prozent geringere Wahrscheinlichkeit, den WHO-Empfehlungen für genug Bewegung zu entsprechen. Das bedeutet, sie bewegen sich wahrscheinlich pro Woche weniger als 150 Minuten moderat oder 75 Minuten intensiv. Menschen mit dem Krankheitsbild, das früher als Schizophrenie bekannt war, sitzen häufig mehr als 10 Stunden pro Tag. 

Wenn Bewegungsmangel und Erkrankung sich gegenseitig verstärken

Nach Einschätzung der Forschenden kann Bewegungsmangel verschiedene körperliche Prozesse beeinflussen – etwa hormonelle und entzündliche Vorgänge im Gehirn sowie das Risiko für Herz-Stoffwechsel-Erkrankungen.

Diese Veränderungen könnten wiederum psychiatrische Symptome verstärken. Dadurch kann ein Kreislauf entstehen: Psychische Erkrankungen führen zu weniger Bewegung – und der Bewegungsmangel verschlechtert möglicherweise die gesundheitliche Situation weiter.

Reduzierte Lebenserwartung: beschämende Ungleichheit

Das Forschungsteam schlussfolgert in einer Pressemitteilung zur Veröffentlichung: „Die drastisch reduzierte Lebenserwartung von Menschen mit schwerer, psychischer Erkrankung ist eine der beschämensten Ungleichheiten der modernen Medizin. Bewegung löst nicht alle Probleme, aber es ist ein nachgewiesen wirksames, universell verfügbares und kosteneffektives Werkzeug, das wirklich helfen kann, diese Ungleichheit zu verringern.“ Es empfahl darüber hinaus, nach dem Schema 5A (Ask, Assess, Advise, Assist, Arrange, auf Deutsch: Fragen, Einschätzen, Beraten, Unterstützen, Organisieren) vorzugehen. 

Quelle: DOI 10.1001/jamapsychiatry.2026.0026

WhatsApp Kanal Banner
Medikamente ohne Zuzahlung

Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.

Arzneimitteldatenbank

Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.

Podcast
Podcast-Logo "aponet in 3 Minuten"
Podcast
Beratung

Im Fokus diesmal: Der Social-Media-Trend "Fibermaxxing", Apothekenproteste am 23.3. und warum der…

Krankheiten von A - Z

In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern

nach oben