Statine senken das „schlechte“ LDL-Cholesterin, das ein Risikofaktor für Herz-Kreislauferkrankungen ist. Trotzdem zögern viele Menschen, diese Medikamente einzunehmen. Das liegt könnte daran liegen, dass viele eine zwei- bis dreimal höhere Senkung des Risikos erwarten, als Statine tatsächlich erreichen. Das hat ein Forschungsteam herausgefunden: Dazu hat es in den USA und in Japan eine Umfrage unter insgesamt 551 Personen zwischen 40 und 75 Jahren durchgeführt, die noch nie Statine verwendet hatten.
Menschen ohne Statin-Erfahrung befragt
Die Befragten wurden darüber informiert, dass Statine das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen um etwa ein Viertel senken können. Nachdem sie auch über die Nebenwirkungen aufgeklärt haben, stellten die Forschenden die Frage: „Wie stark müssten Statine das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken, damit sie die Einnahme sinnvoll fänden?“
Hohe Erwartungen an die Risikosenkung
Das Ergebnis: Viele Befragte erwarteten eine deutlich stärkere Wirkung, als realistisch ist. Bei einem moderaten 10-Jahres-Risiko von 10 Prozent für eine Herzerkrankung lehnten rund 42 Prozent eine Einnahme ab. Selbst bei einem Risiko von 20 Prozent wollten noch 24 bis 38 Prozent keine Statine einnehmen. Das Forschungsteam betrachtet dieses Ergebnis mit Sorge.
Erwartungen und Empfehlungen passen nicht zusammen
Die Befragten gaben an, dass Statine ihr 10-Jahres-Risiko um mindestens 7,5 Prozentpunkte senken müssten, bevor sie sie einnehmen würden. Das entspricht einer Risikoreduktion von 50 bis 75 Prozent und liegt weit über dem tatsächlichen Nutzen der Medikamente. Mit steigendem Ausgangsrisiko nahmen die Teilnehmenden aber zunehmend einen geringeren Nutzen in Kauf.
Das Forschungsteam vermutet, dass die Diskrepanz zwischen den Erwartungen der Bevölkerung und den Empfehlungen medizinischer Leitlinien zu der geringen Bereitschaft zur Anwendung von Statinen beiträgt.
In Deutschland können Statine ab einem kardiovaskulären Risiko von 10 Prozent verordnet werden
Auch in Deutschland wurden die Empfehlungen angepasst: Ende 2024 hat der Gemeinsame Bundesauschuss (G-BA) die Voraussetzung für die Verordnung von Statinen an den aktuellen Stand der medizinischen Erkenntnisse geändert. Die Risikoschwelle für Herz-Kreislauferkrankungen innerhalb von 10 Jahren wurde von 20 auf 10 Prozent für eine Verschreibung gesenkt. Neben zu hohen Blutfettwerten sind Alter, Geschlecht, Herzerkrankungen in der Familie und Rauchen bekannte Risikofaktoren. Vor jeder Verordnung soll zunächst eine Anpassung des Lebensstils als erste Behandlung versucht werden.
Quelle: DOI 10.1001/jamainternmed.2025.7955