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Makuladegeneration: Blinde Patientin soll dank Netzhautchip wieder sehen können

Katrin Faßnacht-Lee  |  15.10.2026 08:36 Uhr

Ärzte aus Deutschland haben weltweit erstmals einer blinden Frau einen neuartigen Netzhautchip implantiert. Zusammen mit einer Spezialbrille soll er ihr einen Teil ihrer Sehfähigkeit zurückgeben. Wie die Technik funktioniert und für welche Patienten sie Hoffnung bietet.

Nahaufnahme einer älteren Frau.
Altersbedingte Makuladegeneration (AMD) ist die häufigste Erblindungsursache in Deutschland. In Zukunft könnte vielen Patienten mithilfe eines Netzhautchips geholfen werden.
© gorodenkoff/iStockphoto

Mit einem innovativen Netzhautimplantat gibt es eine neue wirksame Therapie für Patientinnen und Patienten mit geographischer Atrophie, einer fortgeschrittenen Form der trockenen altersbedingten Makuladegeneration (AMD). AMD ist die häufigste Erblindungsursache in Deutschland. Über eine Million Menschen sind hierzulande betroffen.

80-jährige Deutsche erste Patientin weltweit

Am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, ist eine 80-jährige erblindete Patientin weltweit zum ersten Mal mit diesem Netzhautchip behandelt worden. Die Patientin litt seit über einem Jahrzehnt an AMD. Bei dieser Augenerkrankung sterben die lichtempfindlichen Sehzellen in der Makula – im Bereich des schärfsten Sehens auf der Netzhaut – nach und nach ab. In einer hochspezialisierten OP setzten die Ärzte der Patientin den nur zwei mal zwei Millimeter großen Chip unter die Netzhaut ins Auge ein. 

So funktioniert der Netzhautchip

In der Netzhaut übernimmt der Chip die Aufgabe der lichtempfindlichen Sehzellen. Er funktioniert in Kombination mit einer Spezialbrille: Die Brille mit eingebauter Mikrokamera sendet Bildsignale und Energie an den Chip, der damit die noch vorhandenen Nervenzellen der Netzhaut aktiviert. Auf diese Weise kann das Gehirn wieder visuelle Eindrücke wahrnehmen. Die Patientin kann so das Sehen im Rahmen eines intensiven Rehabilitationstrainings wieder erlernen. Die Experten erwarten, dass die Patientin in Zukunft wieder mittelgroße Buchstaben lesen kann.

Netzhautchip seit Juli 2026 in Europa zugelassen

Die Implantierung des Netzhautchips zählt zu den anspruchsvollsten Operationen in der Augenheilkunde und kann weltweit nur an wenigen spezialisierten Zentren durchgeführt werden. Zuvor war die Wirksamkeit des Implantats im Rahmen einer internationalen Zulassungsstudie nachgewiesen worden. Erst im Juli 2026 wurde der Netzhautchip für die reguläre Krankenversorgung in Europa zugelassen. 

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