Was verrät unsere Zunge über unsere Gesundheit? In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) spielt die Zungendiagnostik eine zentrale Rolle. Eine Expertin erklärt, welche Veränderungen ein Warnhinweis sind.

Die Form und Beschaffenheit der Zunge spielt für die Diagnose von Erkrankungen in der TCM eine wichtige Rolle. Denn: „Auf diese Weise können wir bereits ein Stück weit in den Körper hineinsehen“, erklärt Gabriele Fischer-Humbert, Heilpraktikerin für Chinesische Medizin und 2. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Klassische Akupunktur und Traditionelle Chinesische Medizin (AGTCM e.V.). Dabei wird auf Folgendes geachtet:
Wie ist die Durchblutung der Zunge? Ist sie kraftvoll oder eher zittrig und schlapp?
„Die gesunde Zunge ist kräftig, hat einen dünnen weißlichen Belag, ist nicht auffallend klein oder groß, im Verhältnis zur ganzen Statur des Patienten“, erklärt Fischer-Humbert. Die Oberseite ist glatt, hat keine Furchen und zeigt auch keine sogenannten erhabenen Papillen. Das sind kleine, rote, runde leicht hervorstehende Unebenheiten. Die Unterzungenvenen sind nur dünn und leicht gefüllt. Die Schleimhaut unter der Zunge ist rosa.
Ist die Zunge verändert, kann das auf bestimmte Krankheiten oder ein Ungleichgewicht im Körper hindeuten. Die Expertin betont jedoch: „Was auf der Zunge zu sehen ist, ist immer eine Momentaufnahme. Die Zeichen, die zu erkennen sind, können sich ändern – manchmal auch in wenigen Tagen.“ Das bedeutet: „Nur gemeinsam mit anderen Symptomen und einer umfassenden Anamnese lässt sich eine fundierte Diagnose erstellen.“ Eine einzige Veränderung für sich habe in der Regel keine Aussage. Das gelte vor allem, wenn man sich ansonsten wohl fühlt und keine weiteren Beschwerden hat.
Folgende Beispiele können einen Hinweis auf bestimmte Erkrankungen geben. „Für sich allein sollten sie jedoch nicht interpretiert werden. Außerdem ist es wichtig zu wissen, dass die Terminologie der TCM nicht mit den Vorstellungen der westlichen Medizin gleichgesetzt werden kann“, so die TCM-Heilpraktikerin aus München. Wer sich unwohl fühlt oder unter bestimmten Krankheitssymptomen leidet, sollte das immer medizinisch abklären lassen.
Um die Zunge selbst zu betrachten, sollte man vor der Untersuchung nicht rauchen oder färbende Speisen, wie etwa Oliven, Mandarinen oder Tee zu sich nehmen. Die beste Zeit für die Beobachtung ist nach dem Aufstehen. Die Untersuchung sollte bei Tageslicht und nicht bei Neonlicht durchgeführt werden. Zunge locker herausstrecken und beobachten:
„Wenn sich ein dicker, gelblicher Belag auf der Zunge bildet oder auch, wenn es dazwischen Stellen auf der Zunge gibt, die völlig belaglos sind, dann würde ich empfehlen, einen gut ausgebildeten Arzt/Ärztin oder einen TCM-Heilpraktiker aufzusuchen, und um eine differenzierte Einschätzung zu bitten“, so Gabriele Fischer-Humbert. Das gelte vor allem, wenn bestimmte Beschwerden oder Krankheitssymptome auftreten.
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