Die Studie zeigte: Wenn Jugendliche deutliche Anzeichen einer problematischen Social-Media-Nutzung zeigten, berichteten Eltern etwa ein Jahr später häufiger über Symptome, wie sie auch bei ADHS auftreten. Dazu zählen Konzentrationsprobleme, Impulsivität und innere Unruhe. Das bedeutet aber noch nicht, dass wirklich ADHS vorliegt.
Der umgekehrte Zusammenhang, das ADHS-Symptome später zu problematischer Social-Media-Nutzung führen, war insgesamt gesehen aus den Daten nicht ablesbar. Bei Jungen war die Zunahme von ADHS-Symptomen infolge von problematischer Social-Media-Nutzung eindeutiger als bei Mädchen.
Warum kann Social Media die Aufmerksamkeit beeinflussen?
Social-Media-Plattformen arbeiten oft mit direkten Belohnungsmechanismen. Likes oder endlose Möglichkeiten zum Weiterscrollen sorgen dafür, dass das Gehirn immer wieder kleine Erfolgserlebnisse erhält. Dadurch fällt es Jugendlichen besonders schwer, das Smartphone bewusst wegzulegen, da sich bei ihnen die Impulskontrolle noch in der Entwicklung befindet.
Besonders zwischen dem 14. und 16. Lebensjahr war der Zusammenhang zwischen problematischer Social-Media-Nutzung und späteren ADHS-Symptomen gemäß der US-Studie am stärksten. In dieser Phase verbringen viele Jugendliche mehr Zeit online und nutzen soziale Netzwerke eigenständiger.
Was bedeutet das für den Alltag?
Die Studienergebnisse zeigen keine direkte Ursache-Wirkungs-Beziehung. Die beobachteten Effekte waren insgesamt klein und es können daraus keine allgemeinen Schlussfolgerungen gezogen werden. So belegen etwa die Studiendaten nicht, dass Social Media ADHS auslösen.
Dennoch sind Erkenntnisse aus der Studie für das Alltagsleben von Interesse. Das gilt vor allem bei Jugendlichen, die bereits Schwierigkeiten mit Aufmerksamkeit oder Impulskontrolle oder eine gesicherte ADHS-Diagnose haben und eine problematische Nutzung von Social Media an den Tag legen. Diese verstärkt die Probleme dann womöglich noch. Anzeichen für übermäßige Social-Media-Nutzung sind unter anderem:
- Schwierigkeiten, die Bildschirmzeit zu begrenzen
- Unruhe oder schlechte Stimmung ohne Smartphone
- Vernachlässigung von Schule, Hobbys oder Schlaf
Was Eltern tun können
Wer solche Veränderungen bei seinen Kindern über längere Zeit beobachtet, sollte das Gespräch suchen. Eltern können gemeinsam mit ihren Kindern feste Handyzeiten vereinbaren und auf ausreichend Schlaf, Bewegung sowie medienfreie Phasen achten.
Interessant ist, dass in der US-Studie die Jugendlichen selbst kaum Veränderungen in ihrem Verhalten wahrnahmen. Das zeigt, wie wichtig ein offener Austausch innerhalb der Familie ist.
Quelle: DOI: 10.1001/jamanetworkopen.2026.23748