Ein Apotheker erklärt, welche Medikamente abhängig machen können und wann Vorsicht geboten ist.

Kiefer: In erster Linie sind es verschreibungspflichtige Schlaf- und Beruhigungsmittel, die abhängig machen können. Bundesweit sind gut eine Million Menschen von ihnen abhängig. Die Dosierungen sind oft gering und weil die Medikamente vom Arzt verschrieben werden, wissen einige Betroffene gar nichts von ihrer Abhängigkeit. Auch rezeptfreie Arzneimittel wie Schmerzmittel, Abführmittel oder Nasensprays können missbräuchlich angewendet werden. Ich will das kurz an einem Beispiel erläutern: Werden Kopfschmerzmittel zu häufig ein genommen, kann das einen sogenannten Schmerzmittelinduzierten Dauerkopfschmerz auslösen. Die Betroffenen nehmen gegen diese Kopfschmerzen dann Schmerztabletten ein. So entsteht ein Teufelskreis, aus dem die Patienten allein nicht mehr herauskommen.
Kiefer: In den USA wurden in den vergangenen Jahren immer mehr stark wirksame Schmerzmittel verordnet. Diese Medikamente, die mit Morphin verwandt sind, heißen wissenschaftlich Opioide. Für den Boom gab es verschiedene Ursachen, unter anderem wurden die Opioide in der Presse stark beworben. Sie wirken sehr gut gegen Schmerzen, machen bei längerfristiger Einnahme aber abhängig. Die Patienten brauchten also immer mehr Schmerzmittel, um ihre Sucht befriedigen zu können. Wenn die Patienten von ihren Ärzten gar keine oder nicht mehr genug Schmerz mittel erhielten, suchten sie sich andere Quellen – und landeten unter anderem bei Heroin aus dem Schwarzhandel. Es gab dadurch in den vergangenen Jahren viele Todesfälle in den USA. Das ist tragisch. In Deutschland nimmt die Zahl der Opioid-Verordnungen seit Jahren zu. Das sehen wir mit Sorge. Damit hierzulande keine ähnliche Epidemie entsteht, ist es wichtig, dass das Werbeverbot für verschreibungspflichtige Medikamente erhalten bleibt.
Kiefer: Am wichtigsten ist es, dass Patient und Apotheker miteinander reden. Nur in einem vertrauensvollen Miteinander wird sich ein Patient soweit öffnen, von einer Fehlanwendung zu erzählen. Dann können gemeinsam Lösungen gesucht werden. Apotheker sind gesetzlich verpflichtet, jedem erkennbaren Missbrauch von Arzneimitteln entgegenzuwirken und gegebenenfalls die Abgabe zu verweigern.
FS
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