Darmflora-Tests versprechen Hinweise auf die Gesundheit und individuelle Ernährung. Fachgesellschaften warnen jedoch: Die Ergebnisse kommerzieller Selbsttests sind derzeit wissenschaftlich kaum belastbar. Gleichzeitig könnte die Mikrobiom-Forschung künftig die Behandlung von Krebs verbessern.

Immer mehr Menschen schicken eine Stuhlprobe an kommerzielle Labore, um ihr Darmmikrobiom analysieren zu lassen - meist zwischen 100 und 180 Euro kosten solche Tests in der Regel. Die Anbieter werben mit Aussagen zur Darmgesundheit und geben häufig Tipps zu Ernährung oder Nahrungsergänzungsmitteln. Doch nach Einschätzung internationaler Expertinnen und Experten ist der Nutzen solcher Selbsttests bislang begrenzt.
„Das Mikrobiom ist hochindividuell und verändert sich ständig“, sagt Professorin Dr. Birgit Tejung von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. So wirken sich zum Beispiel Faktoren wie Ernährung, Medikamente oder Krankheiten auf die Mikroorganismen im Darm aus. Hinzu kommt: Viele Selbsttests erfassen lediglich größere Bakteriengruppen statt einzelner Arten. Ob ein Mikrobiom gesund oder krank ist, lässt sich daraus nach heutigem Wissensstand nicht zuverlässig ableiten.
„Aus fachlicher Sicht raten wir daher davon ab, kommerzielle Mikrobiomtests ohne weitere ärztliche Konsultation zu verwenden“, so Tejung. Auch internationale Expertinnen und Experten bemängeln fehlende wissenschaftliche Standards, eine unzureichende Regulierung der Tests und den fehlenden Nachweis eines Nutzens.
Dass die Selbsttests derzeit wenig aussagen, bedeutet allerdings nicht, dass das Mikrobiom medizinisch unwichtig wäre. Im Gegenteil: In der Forschung zählt es derzeit zu den spannendsten Gebieten der Gastroenterologie. So gibt es Hinweise darauf, dass Darmbakterien beeinflussen können, wie bestimmte Krebsmedikamente im Körper verarbeitet werden. Dadurch könnten sich sowohl die Wirksamkeit als auch das Risiko für Nebenwirkungen verändern.
Besonders intensiv wird derzeit untersucht, welchen Einfluss das Mikrobiom, also die Darmflora, auf moderne Immuntherapien gegen Krebs hat. Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Darmbakterien die Wirkung solcher Behandlungen unterstützen könnten. Die Erkenntnisse gelten als vielversprechend, befinden sich jedoch noch in der Forschung.
Allen, die ihrem Darm etwas Gutes tun wollen, empfiehlt Tejung, eine ballaststoffreiche Ernährung und fermentierte Lebensmittel. Für diese Lebensmittel sei gut belegt, dass sie sich positiv auf Mikrobiom und Stoffwechsel auswirken. Dagegen sollten hochverarbeitete Lebensmittel, Zucker, Alkohol und rotes Fleisch möglichst nur selten auf dem Speiseplan stehen. Bei anhaltenden Verdauungsbeschwerden empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung.
Wer seine Darmgesundheit fördern möchte, profitiert derzeit vor allem von einer ballaststoffreichen Ernährung, Bewegung und einem insgesamt gesunden Lebensstil. Kommerzielle Darmflora-Tests liefern nach Einschätzung der Fachgesellschaften dagegen derzeit keinen verlässlichen gesundheitlichen Mehrwert.
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