Hypertone Kochsalz-Nasentropfen verkürzten in einer Studie die Erkältungssymptome kleiner Kinder von acht auf sechs Tage. Auch Familienmitglieder steckten sich seltener an.

Salzwasserlösungen werden in Südasien häufig zur Behandlung von Erkältungen eingesetzt. Ein Forschungsteam der Universität Edinburgh untersuchte deshalb, ob eine solche einfache Behandlung auch bei Kindern nachweisbare Vorteile hat.
Für die ELVIS-Kids-Studie wurden 407 Kinder bis sechs Jahre nach dem Zufallsprinzip zwei Gruppen zugeteilt. 301 von ihnen entwickelten im Studienverlauf eine Erkältung und gingen in die entsprechende Auswertung ein. 150 Kinder erhielten mehrmals täglich hypertone Nasentropfen mit einer etwa 2,6-prozentigen Kochsalzlösung, 151 die übliche Behandlung.
Bei den Kindern mit Kochsalz-Nasentropfen hielten die Erkältungssymptome im Median sechs Tage an. In der Vergleichsgruppe waren es acht Tage. Der Unterschied war statistisch signifikant.
Besonders interessant: Wiesen die Forscher bei den Kindern tatsächlich ein Erkältungsvirus nach, betrug der Unterschied ebenfalls zwei Tage. Bei Kindern ohne Virusnachweis zeigte sich dagegen kein Vorteil. Am häufigsten fanden die Forscher Rhinoviren.
Auch die Ansteckungsgefahr innerhalb der Familie nahm ab. Unter den Haushaltskontakten der Kinder aus der Kochsalzgruppe erkrankten 41 Prozent, in der Vergleichsgruppe waren es 58 Prozent. Die Kinder mit Kochsalz-Nasentropfen benötigten zudem weniger andere Medikamente gegen ihre Beschwerden.
Nach Angaben der britischen Health Research Authority war der Effekt besonders ausgeprägt, wenn die Behandlung innerhalb von 24 Stunden nach Beginn der Symptome startete.
Die Nasentropfen wurden insgesamt gut vertragen. Nebenwirkungen wie Niesen, eine laufende Nase oder Schmerzen traten selten auf und waren mild. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse wurden nicht beobachtet.
Kochsalz besteht aus Natrium und Chlorid. Die Forscher vermuten, dass zusätzliches Chlorid die körpereigene antivirale Abwehr der Schleimhautzellen unterstützt. Zellen in Nase und Atemwegen können Chlorid nutzen, um Hypochlorsäure zu bilden. Diese kann die Vermehrung von Viren hemmen.
Zusätzliches Chlorid könnte auf diese Weise die Virusvermehrung bremsen und dadurch die Erkältung verkürzen. Dass sich der Effekt in der Studie bei Kindern mit nachgewiesener Virusinfektion zeigte, passt zu dieser Erklärung.
Die Ergebnisse stammen aus einer randomisierten Studie und wurden 2024 auf dem Kongress der European Respiratory Society vorgestellt. Ein vollständiges, begutachtetes Ergebnispaper ist bislang nicht veröffentlicht. Die Studie war zudem nicht verblindet und hatte keine Placebogruppe.
Quelle: DOI 10.1183/13993003.congress-2024.OA1985
Wähle aponet.de als eine bevorzugte Nachrichtenquelle bei Google und entdecke unsere aktuellen Gesundheitsnews häufiger in deinen News-Empfehlungen.
Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.
Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.
Im Fokus diesmal: Lithiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel, Luftbelastung durch duftende Putzmittel…
aus Apotheke, Forschung und Gesundheitspolitik.
In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern