Kann bereits die Stimulation des Ohrs Migräne lindern? Darauf deuten Ergebnisse einer klinischen Studie hin, die auf dem internationalen Kongress für Neurowissenschaften FENS Forum 2026 in Barcelona vorgestellt wurde. Die Forschenden untersuchten die sogenannte Aurikulotherapie, eine Ohrakupunktur, bei der bestimmte Punkte der Ohrmuschel mit feinen Nadeln stimuliert werden. Überraschend war, dass sich Verbesserungen nicht nur bei jenen zeigten, bei denen Migränepunkte behandelt wurden, sondern auch in der Vergleichsgruppe.
Spezielle Migränepunkte brachten keinen Vorteil
An der randomisierten Studie nahmen 68 Frauen mit chronischer Migräne teil. Eine Gruppe erhielt acht Sitzungen Ohr-Akupunktur an den für Migräne vorgesehenen Punkten. Bei der zweiten Gruppe wurden ebenfalls Nadeln gesetzt – allerdings an Ohrpunkten, die nach den Prinzipien der Aurikulotherapie nicht mit Migräne in Verbindung stehen.
Nach acht Wochen sowie 30 Tage später berichteten die Teilnehmerinnen beider Gruppen über geringere Schmerzen und eine niedrigere Belastung im Alltag. Zwar fiel die Verbesserung in der Migräne-Gruppe numerisch etwas stärker aus, statistisch war sie der Vergleichsgruppe jedoch nicht überlegen.
Ohrstimulation könnte der entscheidende Faktor sein
Die Ergebnisse sprechen daher eher dafür, dass die Stimulation der Ohrmuschel selbst schmerzlindernde Prozesse anstoßen könnte. Ob dafür bestimmte Akupunkturpunkte getroffen werden müssen, konnte die Studie dagegen nicht bestätigen.
Zusätzlich beobachteten die Forschenden Veränderungen der Sauerstoffversorgung im präfrontalen Cortex, einem Hirnareal, das unter anderem an der Schmerzverarbeitung beteiligt ist. Ob diese Veränderungen direkt mit der Behandlung zusammenhängen, müssen weitere Untersuchungen zeigen.
Ergänzende Behandlung bleibt weiter Gegenstand der Forschung
Die Forschenden werten ihre Ergebnisse als vielversprechenden Hinweis darauf, dass die Ohrstimulation eine ergänzende Maßnahme bei chronischer Migräne sein könnte. Gleichzeitig betonen sie, dass die Studie keinen Nachweis erbracht hat, dass die Behandlung der klassischen Migränepunkte wirksamer ist als eine unspezifische Ohr-Akupunktur. Größere Studien sollen nun klären, welche Mechanismen hinter den beobachteten Effekten stecken und welche Form der Ohrstimulation langfristig den größten Nutzen bringt.