Gedächtnis im Alter: Warum manche Menschen mit 90 noch fit sind

Peter Erik Felzer  |  27.07.2026 11:11 Uhr

Manche Menschen bleiben bis ins hohe Alter geistig außergewöhnlich fit. Eine neue Studie zeigt: Das ist nicht allein darauf zurückzuführen, dass sie ein genetisch niedriges Alzheimer-Risiko haben.

Sehr alte Frau guckt über ihre Sonnenbrille in die Kamra und lächelt.
Nicht alle Menschen bauen im Alter geistig ab. Warum manche 90-Jährige noch super fit sind, liegt an vielen Faktoren.
© www.peopleimages.com/iStockphoto

Viele Menschen gehen davon aus, dass das Gedächtnis mit zunehmendem Alter zwangsläufig nachlässt. Doch es gibt Ausnahmen: sogenannte Super-Ager. Diese Menschen sind 80 oder sogar 90 Jahre alt und erreichen bei Gedächtnistests Leistungen, die mit denen deutlich jüngerer Personen vergleichbar sind.

Eine neue Studie liefert nun einen wichtigen Hinweis darauf, warum das so sein könnte. Demnach lässt sich die außergewöhnliche Gedächtnisleistung dieser Menschen nicht einfach dadurch erklären, dass sie ein besonders niedriges genetisches Risiko für Alzheimer haben. 

Studie untersucht 142 Super-Ager

Für die Untersuchung verglichen Forscher des University of Chicago Medical Center 142 Super-Ager mit 89 kognitiv durchschnittlichen älteren Erwachsenen. Die Wissenschaftler untersuchten Blutproben auf genetische Risikofaktoren für Alzheimer. Dabei betrachteten sie sowohl das sogenannte APOE-Gen, den stärksten genetischen Risikofaktor für die Erkrankung, als auch sogenannte polygenetische Risikoscores. Diese erfassen Tausende genetische Varianten, die mit einem erblichen Alzheimer-Risiko in Verbindung gebracht werden.

Alzheimer-Gene liefern keine einfache Erklärung

Das Ergebnis war eindeutig: Weder anhand des APOE-Gens noch anhand der genetischen Risikoscores konnten die Super-Ager von den durchschnittlich alternden Teilnehmenden unterschieden werden. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass außergewöhnlich gesundes kognitives Altern nicht einfach das Gegenteil eines hohen Alzheimer-Risikos ist. Selbst seltene genetische Varianten, die in früheren Studien mit einer gewissen Widerstandsfähigkeit gegenüber Alzheimer in Verbindung gebracht wurden, kamen bei Super-Agen nicht häufiger vor.

Diese Faktoren können die Hirnalterung beeinflussen

Das ist aus Sicht der Forschung wichtig. Denn es legt nahe, dass andere Faktoren eine entscheidende Rolle spielen könnten. Dazu zählen möglicherweise biologische, verhaltensbezogene, soziale oder umweltbedingte Einflüsse, die das Gehirn über Jahrzehnte hinweg schützen. Die Studie liefert eine ermutigende Botschaft: Ein Nachlassen der Gedächtnisleistung ist nicht zwangsläufig Teil des Alterns. Einige Menschen schaffen es, ihre Erinnerungsfähigkeit bis weit in die 80er oder 90er Lebensjahre auf bemerkenswert hohem Niveau zu erhalten.

Gleichzeitig zeigt die Untersuchung, dass die Suche nach den Ursachen komplex ist. Künftige Forschungsarbeiten sollen deshalb weitere mögliche Einflüsse untersuchen. Geplant sind unter anderem Analysen von Gehirnaufnahmen, Blutmarkern, Immunprofilen, Schlaf, körperlicher Aktivität sowie sozialen und Umweltfaktoren.

Quelle: DOI 10.1186/s13195-026-02124-2 

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