GKV-Zufriedenheit niedrig: Mehrheit für Bürgerversicherung

Pharmazeutische Zeitung  |  27.04.2026 07:00 Uhr

Viele Menschen fühlen sich mit der gesetzlichen Krankenversicherung nicht gut abgesichert. Ist die Bürgerversicherung eine Alternative?

Blick in ein Wartezimmer einer Arztpraxis: Alle Plätze sind besetzt.
Volles Wartezimmer: Viele Menschen fühlen sich im Krankheitsfall nicht gut versorgt.
© monkeybusinessimages/iStockphoto

Wie gut sind Menschen in Deutschland im Krankheitsfall versorgt? Laut dem „Sozialstaatsradar 2026“, einer Befragung von 3000 Personen im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB), der Arbeitskammer des Saarlandes und der Arbeitnehmerkammer Bremen, sehen das viele kritisch. Nur 40 Prozent der gesetzlich Versicherten geben an, sich „gut“ oder „sehr gut“ abgesichert zu fühlen. Bei privat Versicherten ist die Zufriedenheit höher – hier sind es knapp zwei Drittel.

Pflegeversicherung noch schlechter eingeordnet

Noch schlechter fällt die Einschätzung bei der Pflege aus: Nur 17 Prozent der gesetzlich Versicherten fühlen sich hier gut abgesichert. Auch unter Privatversicherten ist die Zufriedenheit vergleichsweise gering. Diese Zahlen fallen in eine Zeit, in der über Reformen im Gesundheitssystem diskutiert wird – etwa über höhere Zuzahlungen oder Einsparungen bei Leistungen.

Bürgerversicherung unterstützt - auch von der Hälfte der Privatversicherten

Ein zentrales Ergebnis der Umfrage: Die Idee einer sogenannten Bürgerversicherung findet breite Unterstützung. Dabei würden gesetzliche und private Krankenversicherung zu einem einheitlichen System zusammengeführt. Fast 80 Prozent der Befragten sprechen sich dafür aus – 39 Prozent „in jedem Fall“, weitere 38 Prozent „eher“. Auffällig: Auch unter privat Versicherten ist die Zustimmung hoch. Mehr als die Hälfte (53 Prozent) befürwortet eine Bürgerversicherung.

Bürgerversicherung: Zustimmung über Parteigrenzen hinweg

Auch politisch zeigt sich ein klares Bild:

  • 81 Prozent der SPD-Anhänger unterstützen die Idee
  • 71 Prozent der CDU-Wähler sprechen sich ebenfalls dafür aus

Wunsch nach mehr Solidarität im Gesundheitssystem

Anja Piel vom geschäftsführenden DGB-Bundesvorstand ordnet die Ergebnisse so ein: „Die Menschen wollen nach wie vor solidarische Sicherungssysteme. Die Privatisierung sozialer Risiken wird als Alternative von großen Teilen abgelehnt.“ Die aktuellen Debatten um soziale Kürzungen würden viele Menschen verunsichern. “Notwendig ist aus Sicht der Menschen dagegen ein solidarisches System, das flächendeckend eine gute Absicherung gewährleistet”, so die Gewerkschafterin. 

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