Transfette gelten als Risiko für das Herz. Eine neue Auswertung von 22 Studien deutet jedoch darauf hin, dass natürliche Transfette in Milchprodukten gesundheitlich anders zu wirken scheinen als industriell erzeugte.

Ob Milch, Joghurt, Butter oder Käse: Viele Milchprodukte enthalten von Natur aus geringe Mengen an Transfetten. Diese stehen offenbar nicht im gleichen Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie industriell erzeugte Transfette. Zu diesem Ergebnis kommt eine Übersichtsarbeit, die zehn kontrollierte Ernährungsstudien und zwölf Langzeitstudien auswertete.
Transfette gehören zu den ungesättigten Fettsäuren. Sie kommen natürlicherweise in der Milch etwa von Kühen, Schafen und Ziegen vor. Daneben entstehen Transfette bei der industriellen Teilhärtung von Fetten. Solche industriell erzeugten Transfette können beispielsweise in bestimmten verarbeiteten oder frittierten Lebensmitteln enthalten sein.
Für industrielle Transfette ist ein deutlicher Zusammenhang mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen bekannt. Die Forscher untersuchten deshalb, ob sich diese Risiken auch auf die natürlich vorkommenden Transfette in Milchprodukten übertragen lassen.
In zehn kontrollierten Ernährungsstudien erhielten Teilnehmer Milchprodukte mit einem erhöhten Gehalt an natürlichen Transfetten. Eine Vergleichsgruppe verzehrte herkömmliche Milchprodukte. Die tägliche Transfettaufnahme lag in den Studien zwischen 1,3 und 13,2 Gramm. Anschließend untersuchten die Forscher die Blutfettwerte. Diese dienen unter anderem dazu, das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einzuschätzen. Zwischen den Gruppen zeigten sich keine bedeutsamen Unterschiede.
Weitere Hinweise lieferten zwölf langfristige Beobachtungsstudien mit Tausenden Teilnehmern aus Europa, Kanada und den USA. Die Forscher verglichen die Konzentration bestimmter Transfettsäuren aus Milchprodukten im Blut mit später auftretenden Erkrankungen. Höhere Werte waren weder mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen und Schlaganfälle noch mit einer höheren Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Auch ein erhöhtes Risiko für Typ-2-Diabetes ließ sich nicht feststellen.
Die Ergebnisse wurden 2026 von französischen und britischen Wissenschaftlern in der Fachzeitschrift Nutrition Research veröffentlicht.
Die Untersuchung spricht dafür, natürliche Transfette aus Milchprodukten gesundheitlich anders zu bewerten als industriell erzeugte Transfette.
Eine uneingeschränkte Entwarnung ist damit jedoch nicht verbunden. Die langfristigen Beobachtungsstudien zeigen Zusammenhänge, können aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehung beweisen. Zudem lässt sich aus den Ergebnissen nicht ableiten, dass ein hoher Verzehr von Butter, Käse oder anderen Milchprodukten gesundheitliche Vorteile bringt.
Die wichtigste Erkenntnis: Die bekannten Risiken industrieller Transfette lassen sich nach den vorliegenden Studienergebnissen nicht einfach auf die natürlichen Transfette in Milchprodukten übertragen.
Quelle: DOI 10.1016/j.nutres.2026.03.009
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