Forscherinnen aus Belgien, den Niederlanden und Großbritannien werteten für die aktuelle Studie Versorgungsdaten von rund 226.000 Menschen mit Asthma und 57.000 Menschen mit COPD aus. Untersucht wurde die Anwendung kurzwirksamer Beta-2-Sympathomimetika (SABA) und kurzwirksamer Muskarin-Antagonisten (SAMA), allein oder in Kombination. Beide Wirkstoffe erweitern verengte Atemwege.
Je mehr Inhalationsbehälter pro Jahr, desto höher das Risiko
Die Forscherinnen erfassten, wie viele Wirkstoffbehälter – sogenannte Canister – innerhalb eines Jahres bezogen wurden. Ein solcher Behälter enthält zahlreiche Einzeldosen. Bei Menschen, die mindestens drei SABA-Behälter pro Jahr bezogen hatten, waren sowohl das Risiko für Herzinsuffizienz als auch das Sterberisiko höher als bei Personen ohne SABA-Anwendung. Bei ein bis zwei Behältern zeigte sich dieser Zusammenhang nicht.
Für SAMA sowie die Kombination aus SABA und SAMA zeigten sich bereits bei ein bis zwei und ebenso bei mindestens drei Behältern pro Jahr Zusammenhänge mit einem höheren Risiko für Herzinsuffizienz, Herzrhythmusstörungen und Tod. Bei Menschen mit Asthma war die kombinierte Anwendung zusätzlich mit einem höheren Risiko für Herzinfarkt und ischämischen Schlaganfall verbunden. Auch bei COPD zeigte sich bei mindestens drei Kombinationsbehältern ein erhöhtes Herzinfarktrisiko.
Mögliche Gründe für höheres Herzrisiko
SABA und SAMA können als Nebenwirkung den Herzschlag beschleunigen und Herzrhythmusstörungen auslösen. Dies könnte zu den beobachteten Herz-Kreislauf-Risiken beitragen. Die Beobachtungsstudie kann jedoch nicht belegen, dass die Medikamente selbst die erhöhten Risiken verursachen. Ein hoher Verbrauch kann auch darauf hinweisen, dass Asthma oder COPD nicht ausreichend kontrolliert sind – und sowohl COPD als auch unkontrolliertes Asthma sind selbst mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Tod verbunden.
Häufiger Gebrauch von Bedarfsinhalatoren ist ein Alarmsignal
„Der übermäßige Gebrauch kurzwirksamer Bronchodilatatoren ist ein Alarmsignal, das auf eine unkontrollierte Entzündung der Atemwege hinweist und eine ärztliche Überprüfung der Behandlung erfordert“, sagt Professorin Lies Lahousse von der Universität Gent. Wer seinen Bedarfsinhalator häufig benötigt, sollte ihn daher nicht eigenständig seltener anwenden, sondern die Behandlung ärztlich überprüfen lassen. Dabei können beispielsweise die Dauertherapie und die richtige Inhalationstechnik kontrolliert werden.
Quelle: DOI: 10.1183/23120541.00462-2026