Fotografieren kann die Gedächtnisleistung schwächen
Ob Kindergeburtstag, Urlaub oder Vortrag: Digitale Aufnahmen gelten vielen Menschen als Erinnerung. Eine Studie der Binghamton University zeigt jedoch, dass dieser Effekt trügerisch sein kann. In Untersuchungen zu Kunstwerken schnitten Personen, die Fotos oder Screenshots machten, bei späteren Erinnerungstests schlechter ab als jene, die die Werke lediglich betrachteten.
Auch mehr Zeit zum Anschauen oder besonders einfache Aufnahmemöglichkeiten verbesserten das Erinnerungsvermögen nicht. Besonders ausgeprägt war der Effekt, wenn die Fotos später nie wieder angesehen wurden.
Warum Fotografieren vom Erlebten ablenken kann
Nach Einschätzung der Forschenden könnten mehrere Mechanismen zusammenspielen:
- Beim Fotografieren wird die Aufmerksamkeit geteilt. Dadurch fehlen geistige Ressourcen, um das Erlebnis im Gedächtnis zu verankern.
- Das Gehirn lagert Informationen gewissermaßen aus, weil sie auf dem Smartphone gespeichert und jederzeit abrufbar sind.
- Der Blick durch die Kamera kann eine innere Distanz zum Geschehen erzeugen.
Diese Distanz betrifft offenbar nicht nur einzelne Details. Teilnehmende erinnerten sich teilweise nicht mehr richtig daran, ob sie ein Kunstwerk fotografiert oder tatsächlich betrachtet hatten. Einige verwechselten sogar dessen Standort in der Ausstellung.
Besser erinnern: Aufschreiben statt fotografieren
Fotos müssen dennoch nicht nutzlos sein: Sie können beim Erinnern helfen, wenn man sie später bewusst als Anhaltspunkt nutzt und sich aktiv mit dem Erlebten auseinandersetzt. Wer einen Moment besonders gut behalten möchte, kann außerdem zu Papier und Stift greifen, rät die Psychologin Sophia Fabrizio. Beim Schreiben müssen Inhalte ausgewählt, geordnet und aktiv verarbeitet werden – genau diese geistige Anstrengung fördert die Gedächtnisbildung.
Quelle: DOI: 10.3758/s13421-026-01921-2