SeniorenGesundheit

Normale Vergesslichkeit oder Anzeichen von Demenz?

Dr. Karen Zoufal  |  25.05.2021

Diese bange Frage stellen sich ältere Menschen, wenn sie ihren Schlüssel verlegt oder einen Namen vergessen haben. Alzheimer-Experten erläutern, warum sich diese Frage nicht so einfach beantworten lässt und dass die Situation, in der solche Anzeichen auftreten, eine wichtige Rolle spielt.

Senior ist deprimiert. Seine Frau versucht ihn zu trösten.
Symptome von Alzheimer sind vielseitig. Nicht nur Vergesslichkeit, sondern auch sozialer Rückzug und Depressionen können auftreten.
© LightFieldStudios/iStockphoto

Laut Dr. Jeffrey Keller von der Louisiana State University ist es weniger von Bedeutung, dass man seinen Schlüssel verlegt hat. Wichtiger dagegen ist, ob man die richtigen Maßnahmen ergreifen kann, um ihn wiederzufinden oder ob man komplexere Aufgabe wie das Ausfüllen von Formularen schafft – auch wenn man dabei unterbrochen wird. Vorausschauend zu denken, mehrere Aufgaben gleichzeitig zu erledigen, Entscheidungen zu treffen und Probleme zu lösen liefern einen besseren Hinweis auf eine Verschlechterung der geistigen Leistungsfähigkeit als ab und zu etwas zu vergessen.

Alzheimer-Experten nennen zehn frühe Anzeichen einer Demenz:

  • Vergesslichkeit, die das tägliche Leben stört
  • Schwierigkeiten beim Planen oder Lösen von Problemen
  • Schwierigkeiten beim Erledigen vertrauter Aufgaben
  • Verwirrung in Bezug auf Zeit oder Ort
  • Verständnisprobleme bei Bildern und räumlichem Denken
  • Probleme beim Sprechen oder Schreiben
  • Verlegen von Dingen und die Unfähigkeit, sich an die Schritte davor zu erinnern
  • vermindertes Urteilsvermögen
  • Rückzug von der Arbeit oder von sozialen Aktivitäten
  • Veränderungen in der Stimmung oder der Persönlichkeit

Zum Beispiel werden viele Menschen schon lange vor der Demenz-Diagnose nachlässig beim Bezahlen ihrer Rechnungen, kaufen Dinge, die sie nicht benötigen oder werden Opfer eines Betrugs, weil ihr Urteilsvermögen und das Vorhersehen der Konsequenzen ihrer Entscheidungen nachlassen.

Keller hält es für wichtig, zunächst körperliche Ursachen wie Bluthochdruck, Diabetes, Depressionen, Hörverlust und Schlafstörungen auszuschließen oder zu behandeln sowie soziale Isolation und übermäßigen Alkoholkonsum abzubauen. Zeichnet sich eine Demenz ab, so ist es von Vorteil, rechtzeitig über Dinge wie eine Patientenverfügung oder Vorsorgevollmacht nachzudenken.

Eine Demenz ist nicht heilbar, deshalb ist es besonders wichtig, schon im mittleren Alter vorzubeugen, indem man nicht raucht, körperlich aktiv ist, Normalgewicht hält, sich gesund ernährt und Blutdruck, Cholesterinspiegel und Blutzuckerspiegel kontrolliert. Auch geistige Herausforderungen wie das Erlernen einer Fremdsprache oder ein neues Hobby helfen, die geistige Flexibilität aufrechtzuerhalten.

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