Bei Kniearthrose können Schmerzen den Alltag und die Beweglichkeit stark beeinträchtigen. Eine neue minimalinvasive Behandlung soll hier ansetzen: Bei der Genikulararterienembolisation (GAE) verschließt ein Arzt über einen Katheter gezielt kleine Blutgefäße rund um das Knie. Ob das Verfahren die Beschwerden tatsächlich besser lindert als eine Scheinbehandlung, ist bislang jedoch nicht eindeutig geklärt.
Wie die Embolisation Schmerzen bei Kniearthrose lindern soll
Bei Arthrose entstehen im Gelenk vermehrt neue Blutgefäße, die Entzündungsprozesse und möglicherweise auch die Schmerzentstehung fördern. Hier setzt die GAE, auch transarterielle periartikuläre Embolisation (TAPE) genannt, an: Über einen Katheter werden kleine Gefäße, die entzündlich verändertes Gewebe am Knie versorgen, gezielt verschlossen. Dadurch sollen die verstärkte Durchblutung und entzündliche Prozesse reduziert und Schmerzen gelindert werden. Der Eingriff erfolgt meist unter örtlicher Betäubung über eine Arterie in der Leiste.
Nach der Behandlung bessern sich Schmerzen und Gelenkfunktion
In einer aktuellen Übersichtsarbeit wurden nun 18 Studien mit insgesamt 534 Teilnehmenden ausgewertet. Die Metaanalyse umfasst überwiegend unkontrollierte Studien, in denen die Beschwerden vor und nach der Behandlung verglichen wurden. In den untersuchten Studien gingen nach einer GAE Schmerzen zurück und die Gelenkfunktion verbesserte sich – teilweise über einen Zeitraum von zwölf Monaten.
„Damit zeigen die Daten zwar, dass sich die Beschwerden nach einer GAE häufig bessern. Sie erlauben aber nur eingeschränkt die Aussage, ob diese Verbesserung tatsächlich auf die Embolisation zurückzuführen ist“, so Professor Dr. med. Georgi Wassilew, Generalsekretär der AE und Direktor der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin an der Universitätsmedizin Greifswald. Die Autoren weisen zudem auf erhebliche Unterschiede zwischen den eingeschlossenen Studien hin. Der Orthopäde und Unfallchirurg ergänzt: „Man muss unterscheiden zwischen der Beobachtung, dass es Patientinnen und Patienten nach einer Behandlung besser geht, und dem wissenschaftlichen Nachweis, dass genau diese Behandlung die Ursache dafür ist.“
Im Vergleich zur Scheinbehandlung schwindet der Vorteil
Laut der Fachgesellschaft braucht es zu Beurteilung aussagekräftigere randomisierte Studien, die die Embolisation mit einer Scheinbehandlung vergleichen. Eine Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2025 identifizierte drei solcher Studien mit insgesamt 138 Teilnehmenden. Während eine frühe kleinere Untersuchung einen Vorteil der GAE zeigte, konnten die beiden neueren Studien keinen signifikanten Unterschied gegenüber der Scheinbehandlung nachweisen. Zu einem ähnlich zurückhaltenden Ergebnis kommt der Medizinische Dienst Bund. Seine 2026 veröffentlichte Nutzenbewertung basiert ebenfalls auf drei randomisierten kontrollierten Studien und sieht derzeit keinen Hinweis auf einen Nutzen der TAPE bei Gonarthrose.
14 weitere Studien sollen Klarheit bringen
Noch ist unklar, welche Patientinnen und Patienten von der Embolisation profitieren könnten. Der Medizinische Dienst Bund hat jedoch 14 laufende oder noch nicht vollständig veröffentlichte randomisierte Studien identifiziert, die mehr Klarheit schaffen könnten.
Wichtig ist auch: Die Embolisation zielt zwar darauf ab, Schmerzen zu lindern, beseitigt aber nicht die bereits bestehenden strukturellen Veränderungen des Kniegelenks. Eine klar angezeigte Knieendoprothese sollte deshalb nach Ansicht Wassilews nicht allein wegen der Aussicht auf den minimalinvasiven Eingriff hinausgezögert werden. Und: „Eine Verbesserung nach dem Eingriff allein ist noch kein Beweis dafür, dass die Embolisation selbst den entscheidenden Effekt verursacht hat“, sagt Wassilew. „Das spricht nicht dagegen, das Verfahren weiter zu erforschen. Es zeigt aber, dass wir mit Versprechen gegenüber Patientinnen und Patienten vorsichtig sein müssen.“
Quelle: DOI: 10.1007/s00256-026-05340-x