Untersucht wurden Frauen mit natürlichem Menstruationszyklus
An der Studie nahmen 116 Frauen mit natürlichem Menstruationszyklus teil, die keine hormonellen Verhütungsmittel verwendeten. Sie beantworteten Fragen zu ihrer Stimmung und ihrem Zyklus. Außerdem wurde anhand einer Speichelprobe die Konzentration der Hormone Progesteron und Estradiol bestimmt. Nach dem Eisprung steigt der Progesteronspiegel an und erreicht etwa in der Mitte der zweiten Zyklushälfte seinen höchsten Wert.
Während einer MRT-Untersuchung absolvierten die Frauen verschiedene Aufgaben. Sie sahen fröhliche oder wütende Gesichter und sollten entweder spontan oder entgegen ihrer natürlichen Reaktion handeln. Beispielsweise sollten sie auf ein wütendes Gesicht zugehen, statt ihm auszuweichen.
Höhere Progesteronwerte: Gehirn reagiert weniger differenziert
Normalerweise macht es für das Gehirn einen Unterschied, ob eine emotionale Reaktion spontan erfolgt oder bewusst unterdrückt werden muss. Die Auswertung der Gehirnscans zeigte: Bei höheren Progesteronwerten ähnelten sich die Aktivitätsmuster bei beiden Aufgaben stärker. Ein an der Emotionskontrolle beteiligter Hirnbereich unterschied also weniger deutlich zwischen einer natürlichen Reaktion und einer Situation, in der ein emotionaler Impuls bewusst überwunden werden musste. Nach Ansicht der Forschenden könnte dies die Emotionsregulation im Alltag erschweren.
Dazu passt ein weiteres Ergebnis: Je deutlicher sich die einfachen und schwierigen Aufgaben in der Hirnaktivität voneinander unterschieden, desto besser bewerteten die Frauen ihre Stimmung in der vorherigen Woche. Der gefundene Mechanismus erklärte allerdings nur rund sieben Prozent der Unterschiede in der Stimmung. Zudem lässt sich aus der einmaligen Untersuchung nicht schließen, dass hohe Progesteronwerte tatsächlich eine schlechtere Stimmung verursachen.
Was Forschende aus den Ergebnissen ableiten
Die Ergebnisse könnten langfristig dazu beitragen, hormonbedingte Stimmungsschwankungen besser zu verstehen und Beschwerden wie eine prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS) individueller zu behandeln. Bei einer PMDS treten vor der Regelblutung besonders starke Stimmungsschwankungen und andere psychische Beschwerden auf, die den Alltag erheblich beeinträchtigen können. Die Studie kann Frauen zudem helfen, sich für ein Stimmungstief in bestimmten Zyklusphasen nicht selbst verantwortlich zu machen.
Quelle: DOI: https://doi.org/10.1017/S0033291726105315