Weinen und Psyche: Wann Tränen guttun – und wann nicht

Katrin Faßnacht-LeePharmazeutische Zeitung  |  07.04.2026 14:33 Uhr

Viele Menschen fühlen sich nach dem Weinen besser. Doch das ist nicht immer so. Studienergebnisse zeigen, dass der Grund für die Tränen eine wichtige Rolle für die Stimmung spielt.

Eine junge Frau sitzt auf dem Sofa und weint.
Weinen tut manchmal gut, es wirkt aber nicht immer entlastend.
© G-Stock/iStockphoto

Eine Studie der Karl Landsteiner Privatuniversität Krems hat Weinepisoden von Erwachsenen über mehrere Wochen im Alltag untersucht. Die Teilnehmenden dokumentierten ihre Tränen direkt nach dem Auftreten per Smartphone – inklusive Auslöser, Dauer, Intensität und ihrer Stimmung danach sowie in den folgenden Minuten.

Wie fühlen sich Menschen nach dem Weinen?

Die Auswertung von 315 Weinepisoden zeigt ein klares Bild: Direkt nach dem Weinen berichteten die Teilnehmenden weniger positive und mehr negative Gefühle. Auch die empfundene Belastung war zunächst höher. Mit zunehmender Intensität des Weinens verstärkten sich diese Effekte.

Der Auslöser ist entscheidend

Ob Weinen als entlastend oder belastend erlebt wird, hängt stark vom Anlass ab:

  • Bei Einsamkeit oder Überforderung verschlechterte sich die Stimmung kurzfristg.
  • Bei bewegenden Medieninhalten konnte sich die negative Stimmung durch das Weinen tatsächlich verringern.

Ein Teil der Effekte ließ innerhalb einer Stunde nach, und am folgenden Tag waren keine Einflüsse mehr messbar.

Frauen und Männer weinen anders

Die Studie zeigt zudem Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen weinen häufiger als Männer und berichten von längeren sowie intensiveren Episoden. Frauen nennen häufiger Einsamkeit als Auslöser, während Männer eher bei Hilflosigkeit oder durch bewegende Medieninhalte weinen.

Die Ergebnisse zeigen, dass Tränen nicht grundsätzlich emotionale Erleichterung bringen. Entscheidend ist vielmehr der Kontext, in dem das Weinen entsteht.

DOI: 10.1525/collabra.157541

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