Müdigkeit, Depression, Libido: Welche Rolle das Testosteron spielt

Hanke Huber  |  07.04.2026 13:15 Uhr

Testosteron gilt Männern oft als Schlüssel für Energie, Stärke und Lebensqualität. Doch neue Forschung zeigt: Der Zusammenhang zwischen Testosteronspiegel und Wohlbefinden ist komplexer als viele denken.

Gesunder sportlicher Mann im Wald
Für viele Männer gilt das Hormon Testosteron als Schlüssel für Energie, Stärke und Lebensqualität.
© Harbucks/iStockphoto

Testosteron: Mehr Mythos als Ursache?

Viele Männer vermuten hinter Müdigkeit oder depressiver Stimmung einen Testosteronmangel. Eine Analyse von Daten aus Schweden und den USA zeigt jedoch, dass dieser Zusammenhang weniger stark ist als oft angenommen. Und nicht nur dort. 

Sexuelle Probleme am stärksten betroffen

Ein Blick auf die komplexen Zusammenhänge zwischen Testosteron und Gesundheit zeigt: „Die deutlichsten Zusammenhänge finden sich bei sexuellen Problemen wie fehlendem Verlangen, Erektionsstörungen und eingeschränkter Leistungsfähigkeit“, berichtet Amar Osmancevic von der Universität Göteborg. Aber selbst hier sei der Unterschied zu Männern mit normalen Testosteronwerten überraschend gering.

Muskelgesundheit: Mehr als nur Testosteron

Auch die Muskelgesundheit häng nicht allein vom Testosteron ab. Es stimmt: Höhere Spiegel sind mit mehr Muskelmasse und weniger intramuskulärem Fett verbunden, insbesondere im Bauch- und Hüftbereich. Auffällig ist jedoch, dass Muskelmasse bei Männern offenbar nicht nur mit Testosteron, sondern auch mit Estradiol, einem eher weiblichen Sexualhormon zusammenhängt. Gleichzeitig zeigt sich in der Doktorarbeit, dass ein höherer Fettanteil in der Muskulatur mit Transportproteinen für Sexualhormone im Blut in Verbindung steht, die deren Verfügbarkeit im Körper regulieren. Diese Zusammenhänge verdeutlichen, dass die Muskelqualität stark vom komplexen Zusammenspiel verschiedener Hormone abhängt.

Entzündungen als wichtiger Faktor

Niedrige Testosteronspiegel gehen häufig mit erhöhten Entzündungswerten einher – unabhängig von Alter oder Körpergewicht. Dabei handelt es sich nicht um akute Infektionen, sondern um eine chronische, niedriggradige Entzündung, die den Körper langfristig belastet. Oft helfe hier aber schon ein gesunder Lebensstil, um den Hormonspiegel zu regulieren, so Osmancevic.

Müdigkeit und Depression: Andere Auslöser entscheidend

Besonders wichtig: Extreme Müdigkeit und Depression stehen meist nicht in direktem Zusammenhang mit Testosteron. Faktoren wie Alter, Lebensstil, Begleiterkrankungen und Bauchfett spielen hier eine größere Rolle. „Man sollte sich nicht zu sehr auf unspezifische Symptome oder einzelne Testergebnisse konzentrieren. Beschwerden wie Fatigue oder Depression scheinen eher andere Ursachen zu haben als einen niedrigen Testosteronspiegel“, betont Osmancevic.

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