Die ADHS-Medikation im Kindesalter erhöht das Psychose-Risiko nicht. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie. Erste Hinweise deuten sogar auf einen möglichen Schutzeffekt bei früh diagnostizierten Kindern hin.
In einer Gruppe von rund 4.000 jungen Menschen mit ADHS prüften finnische Forschende, ob eine langfristige Behandlung mit Methylphenidat das Risiko für psychotische Erkrankungen beeinflusst. Die Daten stammen aus nationalen Gesundheitsregistern und ermöglichen eine langfristige Beobachtung vom Kindes- bis ins Erwachsenenalter.
Hinweise auf möglichen Schutzeffekt
Die zentralen Ergebnisse der Studie: Die Analyse fand keinen Hinweis darauf, dass Methylphenidat das Risiko für psychotische Störungen steigert. Ein bekanntes Grundrisiko bleibt bestehen. Menschen mit ADHS besitzen insgesamt ein etwas höheres Risiko für psychotische Erkrankungen. Die Medikation scheint jedoch nicht der Auslöser zu sein. Studienleiter Dr. Ian Kelleher von der Universität Oulu betont: „Unsere Ergebnisse sprechen dagegen, dass die Medikation ursächlich für ein erhöhtes Risiko ist.“
Geringeres Risiko mit ADHS-Diagnose und Methylphenidat vor 13. Lebensjahr
In einer Untergruppe zeigte sich ein interessanter Zusammenhang: Kinder, die vor dem 13. Lebensjahr eine ADHS-Diagnose erhielten und über längere Zeit Methylphenidat einnahmen, hatten im Erwachsenenalter ein geringeres Risiko für sogenannte nichtaffektive psychotische Störungen. Die Forschenden ordnen diese Ergebnisse jedoch vorsichtig ein. Es handelt sich um Sekundäranalysen, die keinen sicheren kausalen Zusammenhang belegen.
Es besteht weiterer Forschungsbedarf
Für Jugendliche, die erst später eine ADHS-Diagnose erhielten, lassen sich keine klaren Aussagen treffen. Das Gehirn entwickelt sich in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich, und Stimulanzien können je nach Entwicklungsstand anders wirken. Mit der steigenden Zahl später ADHS-Diagnosen sehen die Forschenden hier weiteren Forschungsbedarf.
Bei Unsicherheit: Mit dem Arzt, der Ärztin sprechen
Generell raten Mediziner, bei Unsicherheiten zur Medikation frühzeitig das Gespräch mit dem behandelnden Arzt suchen. Eltern sollten Veränderungen im Verhalten des Kindes beobachten und dokumentieren. Zudem hilft es, regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen, um Wirkung und Dosierung anzupassen.
Quelle: DOI 10.1001/jamapsychiatry.2026.0152