ADHS-Therapie in der Kindheit: Studie entkräftet Sorge vor Psychosen

Peter Erik Felzer  |  22.05.2026 14:10 Uhr

Forschende haben untersucht, ob Methylphenidat bei Kindern mit ADHS spätere Psychosen begünstigt. Die Ergebnisse liefern nun Entwarnung.

Kind nimmt eine Tablette mit einem Glas Wasser ein.
ADHS: Begünstigt Methylphenidat in der Kindheit spätere Psychosen? Forschende geben Entwarnung.
© Siarhei SHUNTSIKAU/iStockphoto

Die ADHS-Medikation im Kindesalter erhöht das Psychose-Risiko nicht. Das ist das Ergebnis einer internationalen Studie. Erste Hinweise deuten sogar auf einen möglichen Schutzeffekt bei früh diagnostizierten Kindern hin.

In einer Gruppe von rund 4.000 jungen Menschen mit ADHS prüften finnische Forschende, ob eine langfristige Behandlung mit Methylphenidat das Risiko für psychotische Erkrankungen beeinflusst. Die Daten stammen aus nationalen Gesundheitsregistern und ermöglichen eine langfristige Beobachtung vom Kindes- bis ins Erwachsenenalter.

Hinweise auf möglichen Schutzeffekt

Die zentralen Ergebnisse der Studie: Die Analyse fand keinen Hinweis darauf, dass Methylphenidat das Risiko für psychotische Störungen steigert. Ein bekanntes Grundrisiko bleibt bestehen. Menschen mit ADHS besitzen insgesamt ein etwas höheres Risiko für psychotische Erkrankungen. Die Medikation scheint jedoch nicht der Auslöser zu sein. Studienleiter Dr. Ian Kelleher von der Universität Oulu betont: „Unsere Ergebnisse sprechen dagegen, dass die Medikation ursächlich für ein erhöhtes Risiko ist.“

Geringeres Risiko mit ADHS-Diagnose und Methylphenidat vor 13. Lebensjahr

In einer Untergruppe zeigte sich ein interessanter Zusammenhang: Kinder, die vor dem 13. Lebensjahr eine ADHS-Diagnose erhielten und über längere Zeit Methylphenidat einnahmen, hatten im Erwachsenenalter ein geringeres Risiko für sogenannte nichtaffektive psychotische Störungen. Die Forschenden ordnen diese Ergebnisse jedoch vorsichtig ein. Es handelt sich um Sekundäranalysen, die keinen sicheren kausalen Zusammenhang belegen.

Es besteht weiterer Forschungsbedarf

Für Jugendliche, die erst später eine ADHS-Diagnose erhielten, lassen sich keine klaren Aussagen treffen. Das Gehirn entwickelt sich in verschiedenen Lebensphasen unterschiedlich, und Stimulanzien können je nach Entwicklungsstand anders wirken. Mit der steigenden Zahl später ADHS-Diagnosen sehen die Forschenden hier weiteren Forschungsbedarf.

Bei Unsicherheit: Mit dem Arzt, der Ärztin sprechen

Generell raten Mediziner, bei Unsicherheiten zur Medikation frühzeitig das Gespräch mit dem behandelnden Arzt suchen. Eltern sollten Veränderungen im Verhalten des Kindes beobachten und dokumentieren. Zudem hilft es, regelmäßige Kontrolltermine wahrnehmen, um Wirkung und Dosierung anzupassen.

Quelle: DOI 10.1001/jamapsychiatry.2026.0152

WhatsApp Kanal Banner
Medikamente ohne Zuzahlung

Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.

Arzneimitteldatenbank

Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.

Podcast
Podcast-Logo "aponet in 3 Minuten"
Podcast
Senioren

Im Fokus diesmal: Ebola im Kongo, manche hochverarbeitete Lebensmittel gesund und wie Kunst und…

Krankheiten von A - Z

In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern

nach oben