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Neue Studie stellt langfristige ADHS-Behandlungen bei Kindern in Frage

ZOU  |  19.05.2025 09:22 Uhr

Eine aktuelle Studie aus Finnland zeigt, dass Kinder und Jugendliche mit ADHS im Schnitt über drei Jahre lang mit Medikamenten behandelt werden. Die Sicherheit dieser Medikamente wurde bei Kindern jedoch nur für eine Dauer von einem Jahr überprüft.

Junge, kaut an seinem Stift.
Starker Bewegungsdrang, große Probleme mit der Konzentration und Impulsivität sind häufige Symptome von ADHS.
© Victoria Popova/iStockphoto

Eine Auswertung von Registerdaten finnischer Krankenkassen zeigt, dass Kinder und Jugendliche mit ADHS im Schnitt 3,2 Jahre lang Medikamente bekommen. In der Gruppe der Kinder mit der längsten Anwendungsdauer waren es sogar über sieben Jahre. Das liegt weit über der Dauer, die in klinischen Zulassungsstudien erfasst wurden. Die Langzeitwirkungen dieser Medikamente sind daher kaum erforscht.

Jungen werden häufiger und länger behandelt

Im Durchschnitt dauerte die ADHS-Behandlung bei Jungen etwas über ein Jahr länger als bei Mädchen. Bei beiden Geschlechtern führte ein früher Beginn zu einer insgesamt längeren Medikamentenbehandlung. Am längsten war die Einnahmedauer mit durchschnittlich 6,3 Jahren bei Jungen, die im Alter von sechs bis acht Jahren damit anfingen. Ein Viertel von ihnen nahmen die Medikamente sogar über neun Jahre lang. 

Welche Medikamente kommen zum Einsatz?

Mittel der ersten Wahl bei ADHS ist der Wirkstoff Methylphenidat. Der Wirkstoff ist für Kinder ab 6 Jahren zugelassen. Weitere Wirkstoffe, die bei ADHS zum Einsatz kommen, sind Lisdexamfetamin oder Atomoxetin.

Langzeitstudien fehlen

„Unsere Forschung zeigt, dass ein erheblicher Anteil kleiner Kinder, insbesondere Jungen, jahrelang ADHS-Medikamente einnimmt, und zwar während der gesamten Schulzeit. In diesem Zusammenhang ist es besorgniserregend, dass verlässliche Forschungsdaten zur Sicherheit dieser Medikamente nur für einen Beobachtungszeitraum von bis zu einem Jahr vorliegen. Schließlich handelt es sich um Kinder in einer sehr sensiblen Entwicklungsphase“, sagte die Studienleiterin Päivi Ruokoniemi von der Universität Helsinki.

Sie hält es wegen dieser Unsicherheiten für wichtig, dass ADHS-Medikamente erst dann zum Einsatz kommen, wenn nicht-medikamentöse Behandlungen keinen Erfolg hatten. Der Bedarf sollte dann jährlich ärztlich überprüft werden.

Quelle: DOI 10.1007/s00787-025-02735-4

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