Rhythmen im Gehirn unterstützen dessen Reinigung
Wer dauerhaft schlecht schläft, unter Stress steht oder an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leidet, hat ein erhöhtes Risiko für Demenz. Eine neue wissenschaftliche Übersichtsarbeit bringt diese scheinbar unterschiedlichen Faktoren nun mit einem gemeinsamen Mechanismus in Verbindung. Veröffentlicht wurde die Arbeit im wissenschaftlichen Fachjournal Science.
Die Forscher beschreiben Schlaf nicht als passiven Ruhezustand. Stattdessen laufen im Gehirn während bestimmter Schlafphasen koordinierte Rhythmen ab. Dabei verändern sich unter anderem die Gehirnaktivität, Atmung, Herzfrequenz und die Bewegungen der Blutgefäße in einem gemeinsamen Takt.
Abstransport von bestimmten Eiweißen im Schlaf
Diese rhythmischen Abläufe sollen während des Nachtschlafes den Strom der Gehirnflüssigkeit im sogenannten glymphatischen System unterstützen, und so unter anderem den Abtransport von Eiweißen wie Amyloid-Beta und Tau aus dem Gehirn fördern. Ansammlungen dieser Eiweiße im Hirngewebe sind insbesondere für die Alzheimerkrankheit typisch.
Schlafprobleme stören die „Müllentsorgung“ im Gehirn
Der Schlaf und die im Schlaf auftretenden Rhythmen werden nach Ansicht der Forscher durch viele bekannte Demenz-Risikofaktoren wie Stress oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestört. Eine Folge besteht möglicherweise darin, dass das Gehirn Schadstoffe dann weniger gut über das glymphatische System entfernt. Das wiederum könnte langfristig möglicherweise Veränderungen der Gehirngesundheit etwa in Form von Demenzleiden fördern.
Smartwatch als Frühwarnsystem?
Ein interessanter Aspekt: Die Autoren nennen kleine Schwankungen im zeitlichen Abstand zwischen Herzschlägen als möglichen Anzeiger für Störungen der so wichtigen im Schlaf ablaufenden Rhythmen. Diese Schwankungen der Herzschlagfrequenz lassen sich bereits mit vielen Fitness-Trackern oder Smartwatches erfassen.
Laut der Übersichtsarbeit könnten solche Herzrhythmus-Muster möglicherweise Hinweise darauf geben, wie gut die nächtlichen Reinigungsprozesse im Gehirn funktionieren. Ob das so ist und ob sich daraus ein Verfahren entwickeln lässt, um das Risiko für die Entwicklung von Demenzleiden besser einschätzen zu können, müssen weitere Studien jedoch erst noch zeigen.
Was das für den Alltag bedeutet
Die Arbeit unterstreicht vor allem, wie wichtig gesunder Schlaf für das Gehirn sein kann. Sie liefert aber noch keine konkreten Empfehlungen für die Therapie oder Vorsorge von Demenzleiden, dazu ist noch mehr Forschung notwendig. Dennoch unterstützt die Forschungsübersicht, was Schlafmediziner schon lange wissen: Anhaltende Schlafstörungen sind nicht gesund und sollten daher nicht dauerhaft ignoriert werden.